Fußball
Große Resonanz beim Probetraining: FCK bringt zwei Mädchenmannschaften an den Start
Der Parkplatz vor dem Sportgelände der SG Eintracht Kaiserslautern ist am Donnerstagnachmittag schon um 16.45 Uhr richtig gut gefüllt. Der 1. FC Kaiserslautern hat für 17 Uhr zum zweiten Mal in dieser Woche zum Probetraining für Mädchen der Jahrgänge 2011 bis 2015 geladen. Der Andrang ist groß. „Wir haben über 40 Anmeldungen für das Probetraining“, berichtet Tobias Frey, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des 1. FC Kaiserslautern e.V., der die Mädchenabteilung aufbaut. „Am Montag waren 37 dabei.“ Namen werden auf Listen abgehakt, bevor die Mädels auf den Platz gehen. Letztlich sind es 45 Mädchen, die von Trainer Sven Bauer und seinen Helfern in Empfang genommen werden.
Wolfgang Erfurt, der Vorstandsvorsitzende des FCK e.V., sieht das Treiben auf dem Platz mit Begeisterung. „Wir haben sozusagen den Ball wieder aufgenommen“, sagt er. „Es gab ja schon einmal – von 1970 bis 1984 – eine recht erfolgreiche Frauenabteilung beim FCK.“ Jetzt ist er einfach „glücklich über die große Resonanz“, bei der „Wiedergeburt“ des Frauenfußballs beim FCK. Denn die führt dazu, dass der FCK in der kommenden Saison mit zwei Mädchenmannschaften an den Start gehen kann: einer E-Jugend und einer D-Jugend. Ursprünglich geplant war zunächst „nur“ eine E-Jugend.
Mädchenfußball schon länger ein Thema beim FCK
Auf dem Platz sind die Mädchen derweil in mehreren Gruppen unterwegs. Dribbeln mit Ball, kurze Pässe mit Stoppen und wieder abspielen stehen zunächst auf dem Programm. Sogar eine findet sich zunächst, die sich im Tor versuchen will und von Nora Abel unter ihre Fittiche genommen wird. Derweil stehen Eltern und manchmal auch Geschwister der Übenden rund um den Platz verteilt und verfolgen das Geschehen aufmerksam – die meisten jedenfalls.
Dass der FCK sich nun auch im Mädchenfußball engagiert, stößt auf große Aufmerksamkeit. Sogar ein Kamerateam des SWR ist da. Die Idee für Mädchenfußball sei aber schon länger in den Köpfen der Verantwortlichen, betont Wolfgang Erfurt: „Wir beschäftigen uns schon länger mit dem Thema. Aber zwischenzeitlich war es von der Struktur im Verein nicht möglich, das Projekt anzugehen“, sagt er und nennt als nur ein Beispiel das Insolvenzverfahren. „Dass es jetzt die neue Satzungslage bei der DFL gibt, hat noch einmal einen Impuls gesetzt und uns befeuert, das Projekt nun zu starten.“ Die DFL schreibt es den Vereinen der beiden Bundesligen verpflichtend vor, den Frauenfußball aktiv zu fördern.
Andere Vereine vorab informiert
Sowohl Erfurt als auch Frey betonen, dass sie nicht in Konkurrenz zu Vereinen wie Siegelbach, Kottweiler-Schwanden oder dem 1. FFC Kaiserslautern treten wollen: „Uns war und ist Transparenz ganz wichtig“, sagt Frey. „Deswegen haben wir die Nachbarvereine schon informiert, bevor wir überhaupt zum Probetraining eingeladen haben.“ Und Erfurt ergänzt: „Die Resonanz war positiv. Wir sehen uns nicht als Konkurrenten der anderen Vereine, die Frauenfußball machen, sondern wollen den Frauen- und Mädchenfußball in der Region weiter stärken.“ Man sehe die positive Entwicklung bei den anderen Vereinen und wolle ihnen nicht durch das eigene Projekt Spielerinnen wegnehmen. Allerdings, so ein bisschen „gewildert“ wurde dann doch schon, gerade beim 1. FFC. Denn nicht nur Trainer Sven Bauer war dort einst aktiv, sondern auch Lina Crolly, die dort Jugendleiterin war, und nun das Organisatorische in die Hand nehmen soll. Auch Torwarttrainerin Nora Abel kommt vom 1. FFC.
Auf dem Platz ist inzwischen eine Trinkpause angesagt. Dann geht es weiter mit einem Spiel Sieben gegen Sieben hinten auf dem Platz und vorne mit Torschuss. Inzwischen haben sich auch noch einige weitere Mädchen gefunden, die sich trauen, sich zwischen die Pfosten zu stellen. Nach etwas mehr als einer Stunde ist das Training dann vorbei. „Und, hat es Spaß gemacht?“, ist wohl die meistgestellte Frage der Eltern an ihre Töchter. Und: „Willst du das weiter machen?“ Die Antwort lautet in beiden Fällen: „Ja.“ Bauer und Crolly sehen sich nun von Kindern und Eltern umringt, die wissen wollen, wie es nun weitergeht. „Wir melden uns“, heißt es dann, während Anmeldeformulare verteilt werden. „Drei bis fünf“ der Mädchen kämen aus anderen Mädchenmannschaft und wollten nun einen Vereinswechsel, berichtet Crolly. Und viele spielten in Jungenmannschaften mit, „da reicht ein Zweitspielrecht, um bei uns mitmachen zu können“.
Viele Neueinsteigerinnen
Trainer Sven Bauer strahlt über das ganze Gesicht, als er den Platz verlässt. „Ich bin schon überwältigt über die Resonanz“, sagt er. „Vor allem sind viele Mädels dabei, die ganz neu mit dem Fußball anfangen wollen.“ Dabei sieht er auch die besondere Anziehungskraft des 1. FC Kaiserslautern als einen nicht unwichtigen Faktor: „Das rote Logo ist sicher auch ein Grund für einige, anzufangen.“ Auf ihn und seine Helfer wartet jetzt eine Menge Arbeit. Denn sie müssen nun die Probetrainings auswerten und entscheiden, wer dann in den beiden Mannschaften spielen soll: „Da müssen wir jetzt erst einmal Namen und Gesichter in Einklang bringen“, sagt Bauer der sich selbst als „Überzeugungstäter“ in Sachen Mädchenfußball sieht. „Da wird es dann sicher auch bei dem ein oder anderen Mädchen Tränen geben.“
Dass der FCK nun sogar zwei Mädchenmannschaften stellen kann, die künftig auf der Eintracht-Anlage trainieren und spielen sollen, mache ihn schon „sehr stolz“. Bauer wird die U11 betreuen, für die U13 müsse nun „das Trainerteam komplettiert“ werden, wie Tobias Frey sagt. Der Anfang ist jedenfalls gemacht, dass der FCK künftig auch im Mädchenfußball präsent ist. Wie es weitergeht? „Das werden wir dann sehen“, sagt Frey.