Kaiserslautern
Gitarrist Chris Conrad legt neues CD-Album vor
Conrad hat nicht nur sämtliche Titel komponiert, sondern zudem ein 26-köpfiges „Who’s’who“ der saarländischen Rock-Elite um sich geschart. Aufhorchen lässt der Sympathiebolzen mit der jugendlichen Ausstrahlung schon gleich bei den ersten beiden Titeln „Good Times“ und „Top Gum“ mit ausladend weitschweifenden Jazz-Rock-Improvisationen. Sie werden von einem schwebenden, obertonreichen elektrischen Gitarrenklang getragen: Gänsehaut ist garantiert. Allein diesen Instrumental möchte man immer wieder hören.
Conrads Vorbilder an den magischen sechs Saiten sind unüberhörbar die Helden der 1960er- bis ’80er-Jahre. „Mir geht es beim Musikmachen um Authentizität, im Moment zu versinken und eins zu werden mit der Musik“, sagt der einstige Chef und Lehrer der „Modernen Schule für Musik“ in Sulzbach.
Gleichzeitig spielt das Multitalent aber bei den meisten Titeln auch noch den Bass und gibt ihnen aus dem Flug ungebundener Melodien heraus ein solides harmonisches Fundament. Mit „It’s you“ und „Really don’t know“, aber auch als Backing-Vocals-Sänger zeigt er, dass er ein ausdrucksvoller Rocker ist. Die verbale Indifferenz wird dabei durch emotionale und ungekünstelte Direktheit ausgeglichen.
Symbiose von Jazz und Rock
In „Good Times“ holte Conrad mit dem Bassisten Jochen Lauer und dem Schlagzeuger Martin Donner zwei Musiker an seine Seite, die unter den saarländischen Musikern eine herausragende Stellung einnehmen. In „It’s you“, „Live your Life“, „Boy from Belfast“ und „Wolfsjäger“ verbindet Schlagzeuger Elmar Federkeil die Emotionalität des Rock mit der Vielschichtigkeit des Jazz. Er verleiht den Titeln eine ganz besondere Note. Seine Leidenschaft ist ungebrochen.
Mit ausdrucksstarker Stimme, die vom entspannten Jazz und groovigen Soul bis hin zur starken Rocknummer reicht, glänzt Anisha Adam im Titel „Ticket to ride“, während ihr Ehemann Yann Loup Adam, Multitalent und Sohn des Chansonniers, auf dem Keyboard die passenden Farben dazugibt. Der gebürtige Haitianer Philippe Fiotte auf dem Schlagzeug und Perrine Pepite auf dem Bass spielen gleichfalls ihr Feuerwerk ab.
Lehrer und Schüler im Wettbewerb
Eine besonders starke Nummer ist „Boy from Belfast“, in der Chris Conrad und sein ehemaliger Gitarrenlehrer Thomas Blug sich gegenseitig zu übertreffen versuchen. Im Solo-Part weiß der Rockmusiker Blug mit seinem außergewöhnlichen Sound auf der Fender Stratocaster wie kein anderer die Herzen zu berühren. Er wurde 1997 mit dem Titel „Bester deutscher Rock-Pop-Gitarrist“ ausgezeichnet und hat auch schon im Kulturzentrum Kammgarn für Furore gesorgt.
Nicht zuletzt weiß Marcel Adam in seinem Lied „Wolfsjäger“ (aus seiner CD „Hautnah“) mit seiner typischen, angenehmen Stimme zu überzeugen. Chris Conrad, Elmar Federkeil und Anisha Adam machen aus dieser Ballade allerdings einen mitreißenden Rock-Song. Und Gast-Gitarrist Stephan Lill von der bekannten Kaiserslauterner Rockband „Vanden Plas“ setzt mit bläserähnlicher Intensität eine noch schärfere Dimension von Klangschärfe obendrauf.
Da bleibt einem doch die Spucke weg! Eine sehr empfehlenswerte CD-Neuerscheinung.