Betze-Geflüster
Ein Däne, der Kaiserslautern liebt
Schjönberg war gerade in seinem Ferienhaus in Dänemark, als „Olli D.“ seinen alten Kumpel anrief und mit ihm Erinnerungen wälzte. Der Hesse war über die WM in Kaiserslautern gelandet. „Ich war für vier Wochen Infotainmentmanager, habe mich um alles rund um die WM-Spiele gekümmert“, erzählt er von einer Zeit, die ihn prägte und einem Verein und einem Stadion und Fans, die ihn in den Bann zogen. Als Erwin Göbel, der ehemalige Vorstandsvorsitzende des FCK, Dütschke fragte, ob er sich vorstellen könnte, Pressesprecher beim Traditionsverein zu werden, musste er nicht lange überlegen. „Ich kam als Fußballkorrespondent immer nur bis zum Zaun“, erzählt Dütschke, inzwischen 55, der davor als freier Journalist arbeitete. Den Schritt auf den Berg hat er nie bereut. Im Gegenteil, er hat ihn geprägt bis heute. „Es war eine wilde Zeit. Ich habe da so viel gelernt und mitbekommen.“ Und er hat Freunde gefunden, richtig gute, mit denen er bis heute verbunden ist. Florian Dick, Olaf Marschall, Zeugwart „Wolle“ Wittich, Tobi Sippel, Fabian Schönheim zählt er auf und Michael aus Dänemark, mit dem er bis heute regelmäßig in Kontakt ist.
Der lustige Däne
Und an genau ihn, den „lustigen Dänen“, musste er auch denken, als er Olaf Klöckner, den Betreiber der Internetseite kult-kicker.de kennenlernte und mit ihm zusammen überlegte, wie sich seine Seite aufpeppen lässt, die sich mit den Typen im Fußball befasst, die Kult sind und von denen es heute nicht mehr allzu viele gibt. Die Idee eines Podcasts wurde geboren, und Dütschke, der in Rodgau lebt, unter anderem für Magenta TV, Sport1 und DSF arbeitete, Livesport, Beiträge im Bereich Basketball, Eishockey und Fußball liefert, war klar, dass sich der erste Teil um Michael drehen muss. Den Kicker, der dem FCK als Aufsteiger mit seinem Tor am ersten Spieltag einen Sieg gegen die Bayern bescherte. Der den entscheidenden Elfmeter zum Pokalsieg für Hannover 96 geschossen hatte. Der der erste Feldspieler war, der in der Bundesliga einen Elfmeter gehalten hat.
Von wegen Wandervogel
Der Däne, der wieder in seiner alten Heimat lebt und mit benachteiligten Jugendlichen arbeitet, musste nicht lange überlegen, als der Hesse ihn anrief. Gerade an den FCK erinnert er sich nur zu gern. „Ich bin nicht der Wandervogel, der ständig die Vereine wechselt. Die Vereine, bei denen ich war, habe ich immer noch im Herzen“, sagt er. 54 ist er inzwischen, war bisher nur in Esbjerg, seiner Geburtsstadt, ist 1990 zu Hannover 96 gewechselt, 1993 zu Odense BK und war 1996 bis 2001 beim FCK, war dort später auch Sportdirektor und U17-Trainer.
Nach Kaiserslautern geholt hat ihn „der große Otto Rehhagel“. „Er hat angerufen, zuerst mit meiner Schwiegermutter gesprochen. Sie kann kein Wort Deutsch, aber sie haben über zehn Minuten gesprochen. Dann hat sie gesagt, da ist ein Herr dran, der ist sehr nett.“ Schjönberg sprach mit Rehhagel, kam nach Kaiserslautern und hat den Schritt nie bereut. „Vor so einer tollen Kulisse seine Heimspiele zu haben, das war Wahnsinn“, schwärmt er.
Das Ärgertor
Sein Tor im Spiel der Spiele hat er sich inzwischen „ziemlich oft angekuckt“, auch wenn er deswegen ein paar Leute ziemlich verärgert hat. Erst mal seine Frau. „Vivian ist riesiger Bayernfan. Sie war hochschwanger. Ich war schon bei der Geburt der ersten beiden Kinder nicht dabei und hatte ihr versprochen, beim nächsten bin ich dabei.“ Seine Frau versprach, „ich kann warten“. Michael Schjönberg trat als Innenverteidiger an. Als Lizarazu Marco Reich von den Beinen holte, tickte er aus. „Ich war so wütend, weil er schon eine Gelbe Karte hatte und bei diesem Foul davongekommen ist“, erklärt er, warum er einfach nach vorne stürmte, während Otto Rehhagel draußen richtig wütend wurde, als der Innenverteidiger seinen Posten verließ. „Ein Unentschieden wäre auch schon gut gewesen“, so die Meinung des Trainers.
Als Schjönberg dann traf, war alles anders. „Otto Rehhagel feierte in der Kurve, als wären wir Weltmeister geworden.“ Nur Schjönbergs Frau war sauer, dass er gegen die Bayern getroffen hatte.
20 Millionen Mark
Sie verzieh ihm. Die Familie fühlte sich wohl in der Pfalz und schlug sogar ein Angebot des AC Florenz aus, der 20 Millionen Mark für einen Wechsel zahlen wollte. Nicht ganz unschuldig daran war Otto Rehhagel, der den Dänen fragte, ob er sich nicht wohlfühle in der Pfalz. „Wir haben in Stelzenberg gelebt mit der Familie. Das war für uns wie zuhause. Wir haben überragende Nachbarn gehabt. Das waren für uns wie Freunde“, erinnert sich Schjönberg und gibt zu, dass er sich nach der Pfalz sehnt. „Ich will bald wieder hingehen. Das ist ein Stück von unserem Leben“, versichert er.
Der Podcast
Alle 14 Tage spricht Oliver Dütschke mit Kickern, die Kultstatus haben. Folge eins mit Michael Schjönberg ist 44 Minuten lang und wie die künftigen Teile zu finden unter www.kult-kicker.de. Der nächste Teil befasst sich mit „Didi“ Schacht, der übernächste mit Uwe Bein.