Leingerland RHEINPFALZ Plus Artikel Zum zweiten Mal: So hat sich die VG gefeiert

 Schenken beim zweiten Verbandsgemeindefest aus: die Verwaltungs-Azubis Celine Ciepieniak (links) und Kira Keidel.
Schenken beim zweiten Verbandsgemeindefest aus: die Verwaltungs-Azubis Celine Ciepieniak (links) und Kira Keidel.

Nach holpriger Premiere im Vorjahr hat das Leiningerland in Mertesheim sein zweites Verbandsgemeindefest gefeiert. Ehrenamtspreise erhielten diesmal drei Gruppen. Es ging auch darum, was engagierte Bürger frustriert.

Ab dem späten Samstagnachmittag war die Resonanz beim zweiten VG-Fest gut. Nach und nach füllten sich die großen Zelte am Dorfgemeinschaftshaus in Mertesheim, wo einiges an Unterhaltungsprogramm geboten wurde. Landrat Hans-Ulrich Ihlenfeld (CDU) schaute zufrieden ins Publikum und stellte fest, dass „Besucher aus allen Ecken der Verbandsgemeinde Leiningerland“ angereist seien. „Damit erfüllt die Veranstaltung ihren Zweck, nämlich einen Beitrag dazu zu leisten, zusammenzuwachsen“, sagte er. Gerade in den aktuell schweren Zeiten mit Krieg, Energieknappheit, Inflation, hoher Flüchtlingsanzahl und steigenden Zinsen sei es wichtig, zusammenzustehen. Die Kommunen könnten allerdings quasi fast nichts mehr bewirken, weshalb kaum jemand noch die Geschicke der Ortsgemeinden lenken möchte. Ihlenfeld will jedoch die Hoffnung auf bessere Zeiten nicht aufgeben.

Unterhält die kleinen Gäste: Clown Kuni.
Unterhält die kleinen Gäste: Clown Kuni.

Die Klagen des Bürgermeisters

Auch VG-Bürgermeister Frank Rüttger (CDU) wünscht sich, dass bei der Kommunalwahl 2024 ausreichend Personen für die Ämter als Ortschef und Beigeordneter kandidieren – trotz schlechter Rahmenbedingungen. „Es ist auf Ortsgemeindeebene kaum noch leistbar, was an Aufgaben, Anforderungen und Bürokratie zu bewältigen ist“, schaute er auf einengende Vorgaben und inzwischen extrem strengere Auflagen zum Erreichen eines Haushaltsausgleichs. „Letztendlich führt der unzureichende Finanzausgleich des Landes zu einer deutlich höheren Belastung der Bürger. Das Ende der Fahnenstange ist noch lange nicht erreicht – und unsere Gemeinden werden vor Ort dafür verantwortlich gemacht. Das haben alle ehrenamtlich Tätigen nicht verdient, es sorgt für weiteren Frust und Verdrossenheit“, beklagte er und erntete kräftigen Applaus.

Band der Leiningerland-Musikschule: die Allrounders.
Band der Leiningerland-Musikschule: die Allrounders.

Seit seinem Rück- und Ausblick auf dem ersten VG-Fest sei eine Menge durch gesetzliche Neuerungen dazugekommen, so Rüttger. Zahlreiche Änderungen und geschaffene Rechtsansprüche im Kita- und Schulbereich erforderten bauliche Anpassungen, für die oft der Platz und meist die finanzielle Ausstattung in den unteren Ebenen fehle, das Erarbeiten von Konzepten, was viel Zeit koste, und Personalaufstockungen, was während des aktuell massiven Fachkräftemangels sehr schwierig sei. Der Konkurrenzdruck mit Überbietungswettbewerben nehme zu, und Arbeitgeber müssten sich noch attraktiver aufstellen. Arbeitsminister Alexander Schweitzer (SPD) habe gerade erst wieder die Vier-Tage-Woche ins Gespräch gebracht.

Mehr über die 21 Dörfer erfahren

Auf jeden Fall soll es bald eine Verbesserung hinsichtlich der Informationen über die 21 Ortsgemeinden der VG geben, wie Rüttger ankündigte: „Wir möchten das, was sich im Leiningerland tut, künftig noch passgenauer und moderner präsentieren.“ Mit einer „Mein-Ort-App“ könnten die Bürger Interessantes über die Dörfer erfahren. „Das Schöne daran ist, dass Gemeinden, Institutionen und Vereine ihre Mitteilungen direkt und unkompliziert selbst eingeben können“, so der Verwaltungschef, der anschließend die Ehrenamtspreise verlieh. Die drei, jeweils mit 1000 Euro dotierten und mit einem Gemälde des Leipziger Künstlers Heinrich Mauersberger garnierten Würdigungen gingen diesmal nicht an Einzelpersonen, sondern an größere Gruppen. Mit der Auszeichnung soll außergewöhnliches unentgeltliches Engagement nach außen sichtbar gewürdigt werden. Zum Abschluss wurde noch an einer frisch gepflanzten Moorbirke, Baum des Jahres 2023, ein Schild mit den Namen der Preisträger enthüllt.

Mit spitzen Hüten und Besen: Hexen aus dem Leiningerland.
Mit spitzen Hüten und Besen: Hexen aus dem Leiningerland.

Stellvertretend für alle besenreitenden Damen im Leiningerland erhielt Inge Imblan von den Hettrumer Grubenhexen den Preis. Ihre Gruppe war die erste ihrer Art im Leiningerland (im Eistal gab es davor schon Hexen) und wird 2024 zum 30. Mal auf die Straße gehen, um Maut für den guten Zweck zu kassieren. In all der Zeit haben sie mehr als 40.000 Euro gespendet. 2005 hat Imblan den Nachtumzug in ihrem Heimatdorf eingeführt. Rüttger würdigte auch die Dirmsteiner Hexen, die 2024 ihr 20. Jubiläum feiern, die Bockrumer Wingertshexen, die es seit 1996 gibt, die 2007 gegründeten Matzeberjer Berghexen, die noch sehr jungen Diefedahler Deiwelsweiber, die Altleininger Waldhexen, die seit 1998 selbstständig sind, und die Wattrumer Guggux-Hexen.

Stellvertretend für alle Hexen im Leiningerland: VG-Bürgermeister Frank Rüttger ehrt Inge Imblan von den Hettrumer Grubehexen.
Stellvertretend für alle Hexen im Leiningerland: VG-Bürgermeister Frank Rüttger ehrt Inge Imblan von den Hettrumer Grubehexen.

Jährlich rund 1000 Kinder geschult

Stellvertretend für alle Freiwilligen von der gemeinnützigen Kreisverkehrswacht Bad Dürkheim-Nord bekam der Vorsitzende Jürgen Kemp den Ehrenamtspreis. Der Bockenheimer wisse wie kein anderer Ordnungshüter Kinder zu begeistern, sagte Rüttger über den pensionierten Polizeihauptkommissar, der bis Februar 2022 das freundliche Gesicht der Inspektion in Grünstadt gewesen und noch immer als Verkehrserzieher aktiv sei. Seit 1987 übt Kemp mit angehenden Erstklässlern den Schulweg, bringt jährlich rund 1000 Neun- bis Zehnjährigen das Radfahren bei, bildet ältere Kinder zu Schülerlotsen aus, bereitet Jugendliche auf den Führerschein vor. Die Verkehrswacht bietet auch verschiedene Kurse an und unterweist die Fahrer des Bürgerbus-Teams.

Auch im Ruhestand Verkehrserzieher: Jürgen Kemp.
Auch im Ruhestand Verkehrserzieher: Jürgen Kemp.

Letzteres ist der Empfänger des dritten Ehrenamtspreises, den stellvertretend Gaby Müller aus Gerolsheim entgegennahm. Sie koordiniert die Einsätze der mehr als 40 Fahrer der Bürgerbusse Max und Moritz, die seit November 2016 beziehungsweise August 2017 unterwegs sind. Kostenlos bringen sie Leute zum Arzt oder zum Einkaufen, ermöglichen dabei wichtige soziale Kontakte. „Trotz großer Einschränkungen während der Corona-Krise haben sie bis heute rund 9000 Menschen befördert und circa 200.000 Kilometer zurückgelegt“, bilanzierte der Bürgermeister. Damit gehörten die Bürgerbusse der VG zu den erfolgreichsten in Rheinland-Pfalz. Rüttger: „Dass im Bus oft und viel gelacht wird, ist ein deutliches Zeichen dafür, wie sehr sich die Fahrgäste wohlfühlen.“

Fürs Team der Bürgerbusse Max und Moritz: Gaby Müller bekommt von Bürgermeister Frank Rüttger die Ehrung.
Fürs Team der Bürgerbusse Max und Moritz: Gaby Müller bekommt von Bürgermeister Frank Rüttger die Ehrung.
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