Hettenleidelheim RHEINPFALZ Plus Artikel Verbaute Wege zum Acker: Vor wessen Tür sollen Rübenlaster dann rumpeln?

6,6 Hektar für neue Häuser: das künftige Baugebiet „Am Schulwiesengraben“ blockiert die Verbindung zu den Äckern am Margarethenh
6,6 Hektar für neue Häuser: das künftige Baugebiet »Am Schulwiesengraben« blockiert die Verbindung zu den Äckern am Margarethenhof. Dabei rollen dort während der Zuckerrübenernte täglich bis zu 50 Lastwagen, warnte ein Ratsmitglied.

Ein Hettenleidelheimer Baugebiet wird landwirtschaftliche Wege kappen. Also werden andere Routen gebraucht. Nun sollte der Rat entscheiden, wem er Traktoren- und Rübenlaster-Verkehr aufbürdet: eher den Häuslebauern im neuen Quartier? Oder doch Menschen, die innerhalb der bisherigen Ortsgrenzen leben?

Seit mehr als zwei Jahrzehnten beschäftigt sich Hettenleidelheim mit dem geplanten Neubaugebiet „Am Schulwiesengraben“. 72 Bauplätze sollen dort entstehen, die Nachfrage ist hoch – doch es gibt ein neues Problem. Silke Obenauer von der Bauabteilung der Verbandsgemeinde Leiningerland erläuterte dem Ortsgemeinderat und dem Bauausschuss in einer Sitzung am Mittwochabend: Zur verkehrlichen Erschließung in dem 6,6 Hektar großen Areal sei eine Stellungnahme der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz eingegangen.

Drei Varianten zur Auswahl

Sie poche darauf, dass die in Richtung der Reitanlage Margarethenhof liegenden Agrarflächen „ausreichend und in geeigneter Weise“ erreichbar bleiben. Das lasse sich auf verschiedenen Wegen realisieren, sagte Obenauer und stellte drei Optionen vor.

  • Variante 1: Der landwirtschaftliche Verkehr rollt durchs Neubaugebiet.
  • Variante 2: Traktoren und Zuckerrüben-Laster werden über die südwestlich gelegene Kreuzung Ramser Straße/Lauberweg/Feldweg und damit durch den Ort in seinen bisherigen Grenzen auf ein bestehendes Wegenetz geleitet.
  • Variante 3: Die nach Westen führende Verlängerung des Staufer Wegs wird genutzt, dafür entsteht gegebenenfalls eine neue Fahrspur auf dem Feld an der Nordgrenze des Baugebiets.

Letzteres wäre die kürzeste Verbindung zu den landwirtschaftlichen Nutzflächen, allerdings habe der Vorschlag extrem viele Nachteile. Unter anderem wäre eine Umplanung erforderlich, wodurch es zu einem erheblichen Verlust an Nettobaufläche käme. Auch seien die anschließenden Feldwege zu schmal und eine Verbreiterung schwierig, weil dadurch in den Uferschutzstreifen des Schulwiesengrabens eingegriffen werden würde. Das zöge ein langwieriges wasserrechtliches Verfahren nach sich.

Eine Variante fällt gleich durch

Da die Hettenleidelheimer mit dem Neubaugebiet endlich vorankommen wollen, fiel Variante 3 fraktionsübergreifend durch. An den anderen beiden Optionen scheiden sich die Geister. Dominik Wellstein (SPD) etwa befand: „Variante 2 mag am Reißbrett schön sein, aber vor Ort zeigen sich dann die Probleme.“ Er verwies auf Engstellen und „sportliche“ Herausforderungen in den Schleppkurven. Für ihn sei Modell 1 das einzig denkbare.

Daniel Kaiser (CDU) gab zu bedenken, dass sich die Grundstücke aufgrund des Verkehrs durchs Baugebiet eventuell schlechter vermarkten lassen. Für Parteifreund Johannes Peter Schwalb ist Vorschlag 1 deshalb nicht akzeptabel. Die Bürger, die in ein reines Wohngebiet ziehen, hätten einen Anspruch auf eine gewisse Ruhe. Von den Sozialdemokraten kam der Einwurf: Es könne nicht sein, dass man Laster und Traktoren durch das halbe Dorf lenke, um Häuslebauer am Schulwiesengraben zu entlasten.

Übers Gebiet der Nachbarn lotsen?

Christdemokrat Manfred Kany blickte auf die Zuckerrübenernte: „Dann sind täglich 50 Lkw unterwegs.“ Es gebe bessere Routen als die drei vorgeschlagenen: kürzere Strecken, bei deren Nutzung niemand gestört werde. „Wir sind früher an der Mülldeponie vorbeigefahren“, erinnerte er sich. Es sollten weitere Optionen über das bestehende Wegenetz geprüft werden. Das forderte auch Kanys Fraktionskollege Bastian Schwalb. Er fragte, ob nicht Zuwegungen über die Gemarkung angrenzender Kommunen denkbar wären.

David Kafitz, Projektleiter des Erschließungsträgers WVE aus Kaiserslautern, stellte klar: „Nach einem Ortstermin, zu dem wir nicht eingeladen waren, wurden die vorgestellten Lösungsvorschläge erarbeitet.“ Obenauer drängte darauf, einem davon nun zuzustimmen. Bastian Schwalb wollte wissen, ob alternative Varianten von der Verwaltung wirklich unter die Lupe genommen werden, auch wenn der Rat jetzt eine der drei Optionen absegne. Das wurde bejaht.

Letztendlich fiel eine Entscheidung für Variante 1 – unter der Bedingung, dass die Verwaltung weitere Routen prüft.

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