Leininger Nachlese RHEINPFALZ Plus Artikel Realitätsverweigerer unter sich

Placeholder-Image

Kopf in den Sand ...

In unserer Ausgabe vom Mittwoch hat ein Bericht über Corona-Selbsttests an diversen Schulen im Leiningerland und in Eisenberg gestanden. Wer den aufmerksam las, konnte einiges über die Strategien in den unterschiedlichen Einrichtungen erfahren und – irgendwo Richtung Ende –, dass es eine Schule im Verbreitungsgebiet gibt, in der sich zwei Kurse des elften Jahrgangs geschlossen weigerten, solche Tests zu machen. Mit der spektakulär einleuchtenden Begründung, dass sie bei positiven Ergebnissen ja in Quarantäne müssten.

Stellen Sie sich den letzten Halbsatz bitte mit einem kleinen Tusch und einer darauffolgenden, bedeutungsschweren Pause vor. Und dann sei mir die Frage erlaubt: Im Ernst jetzt? Es gibt unter den 16- bis 18-jährigen Schülern im Leiningerland also tatsächlich geschätzt (mindestens) 40, die nach mehr als einem Jahr Corona noch nicht begriffen haben, dass das Ganze kein Kasperle-Theater ist, sondern eine reale, ziemlich kritische Situation? Und zwar nicht nur für Leute über 80, sondern auch für junge Menschen, unter denen nach und nach immer mehr mit schweren Langzeitfolgen zu kämpfen haben?

Bei allem Verständnis dafür, dass die Situation von Schülern gerade unvorstellbar ätzend ist und sie vielleicht einfach keine Lust mehr haben, wegen der „falschen“ Kontakte im Präsenzunterricht alle naselang weggesperrt zu werden: Den Superspreader zu geben, weil Quarantäne irgendwie saugt, ist nun wirklich die dümmst-mögliche Variante, mit der Angelegenheit umzugehen.

... ist ja allerhand!

In unserer Ausgabe vom Freitag prangte auf Seite zwei ein Bild des Hauses der Deutschen Weinstraße, hinter dem recht deutlich ein paar Rotorblätter aufragten. Die Visualisierung der Firma Gaia sollte Bürgern und Politikern verdeutlichen, wie die Aussicht aus Bockenheim in Richtung Wachenheim im Zellertal wäre, wenn drei Windräder gebaut würden. Der Anblick war für einige Mitglieder des Bauausschusses offenbar derart schockierend, dass sie spontan entschieden, das Vorhaben lieber doch nicht unterstützen zu wollen.

Stellen Sie sich den letzten Halbsatz bitte mit einem kleinen Tusch und einer darauffolgenden, bedeutungsschweren Pause vor. Und dann sei mir die Frage erlaubt: Im Ernst jetzt? Es gibt unter den Erwachsenen im Leiningerland tatsächlich welche, die nicht von allein auf die Idee kommen, dass drei 245 Meter hohe Windräder aus einem Dorf auch dann noch zu sehen sein könnten, wenn sie mehr als 1000 Meter entfernt in einem Tal hinter einem Hügelchen stehen? Und die der Anblick bewiegt, den in ihrer Gemeinde erst 2020 gefällten Grundsatzbeschluss für mehr Windenergie in Frage zu stellen?

Gut, uns wurde gesteckt, dass der Anblick am Ortsausgang noch „hässlicher“ sei als aus dem Herzen Bockenheims. Aber mal im Ernst: Von da aus sieht man mit Blickrichtung Wachenheim heute bereits den Zellertaler Windpark. Soll da jetzt also wirklich die Aussicht geschützt werden, oder ist das nur ein Vorwand?

Ein traumhaft schönes Wochenende

wünscht Nina Schellhas

x