Leiningerland
Kritik bei Feuerwehr-Ehrung: Auf wen der Bürgermeister gezielt hat
„Die Versammlung heute steht ganz im Zeichen der Helden des Alltags“, sagte der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Leiningerland, Frank Rüttger (CDU), bei der Wehrführerdienstbesprechung in Ebertsheim – der ersten seit 2019. Er lobte die „starke und schlagkräftige Truppe, in der jeder Einzelne gebraucht“ werde. 2020 mussten sie 301-mal ausrücken (107 Brände, 146 Technische Hilfeleistungen, 42 Gefahrstoffeinsätze, 6 Fehlalarme). 2021 waren es 296 Einsätze (78, 173, 45, 3). 203 Notrufe erreichten die Wehren bereits im laufenden Jahr.
Derzeit 415 Wehrleute
Aktuell gibt es in der VG 415 Freiwillige Feuerwehrleute, von denen viele bereits sehr lange dabei sind. Allein 14 Männer haben schon ihr 35. Dienstjubiläum begangen, drei sogar ihr 45.: Georg Blum (Neuleiningen), Valentin Noll (Hettenleidelheim-Wattenheim) und Michael Wohninsland (Dirmstein). „Dass sich Menschen in sehr hohem Maße über einen so langen Zeitraum ehrenamtlich für das Gemeinwohl engagieren, ist nicht hoch genug zu bewerten“, sagte Rüttger. „Unsere Gesellschaft lebt von Leuten, die nicht lange fragen, sondern anpacken.“
So entstünden soziale Netze, die Halt, Sicherheit und ein Gefühl der Geborgenheit gäben. Besonderen Dank sprach der Verwaltungschef für die selbstlosen Einsätze im Ahrtal nach der Überschwemmung im vergangenen Sommer aus, von denen etliche Rettungskräfte psychisch stark belastet zurückgekehrt seien. Das Hochwasserereignis habe wie ein Brennglas die Defizite im Katastrophenschutz aufgedeckt, so Rüttger.
Streit um Zuständigkeit
Zum einen müsse man zwischen den verschiedenen Stellen deutlich intensiver zusammenarbeiten. Zum anderen habe Rheinland-Pfalz hausgemachte Probleme. Die Verantwortlichkeiten seien unklar, immer wieder gebe es Streit darum, ob das Land oder der Kreis etwas tun müsse. Und es fehle an Ausrüstung, beispielsweise an Rettungshubschraubern. Rüttger kritisierte Vorgaben des Landes, die keine Rücksicht auf die örtlichen Gegebenheiten nähmen. „Gerade wir hier benötigen wegen der Topographie mehr Fahrzeuge mit Allradantrieb und wegen der engen Straßen in den Dörfern mehr Drehleitern mit Gelenkarmen.“ Dafür flössen aber keine Fördermittel. Das müsse sich ändern, zumal Geschehnisse wie der plötzliche Schneebruch am 8. April, Starkregen mit Überflutungen, Waldbrände und Stromausfälle zunähmen.
Die VG bemühe sich sehr, ihre Wehren gemäß einem Bedarfsplan adäquat auszustatten. Die VG steuere mit Zisternen und Tanks bei der Löschwasserversorgung nach. „Wir haben ein Sirenenkonzept erstellt, sodass wir nicht nur auf Katwarn angewiesen sind. Auch wollen wir Durchsagen machen können, die überall gehört werden“, erklärte er. Sämtliche Feuerwehrgerätehäuser würden überprüft, in Bockenheim und Carlsberg stünden Anbauten an. „Wichtig ist uns zudem, den relativ alten Fuhrpark zu erneuern, wobei wir immer lange in Vorleistung treten müssen, weil die Landeszuschüsse auf sich warten lassen.“
220 PS und ein 1000-Liter-Tank
Übergeben wurde am Freitag ein Mittleres Löschfahrzeug. Es ersetzt ein Auto aus dem Jahr 1994, welches nun gegen Höchstgebot veräußert wird. Der neue Wagen für einen sechsköpfigen Trupp der Wehren Ebertsheim und Mertesheim, die eine Ausrückegemeinschaft bilden, trägt den 1000. Aufbau des Herstellers Rosenbauer. Er hat 220 PS, einen 1000-Liter-Tank und ist mit einem hydraulischen Rettungssatz bestückt. Von den Gesamtkosten in Höhe von 366.734 Euro ist eine Landesförderung von 51.000 Euro zugesagt.
