Grünstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Baugenehmigung erteilt: Kunststoff-Recycling der Zukunft

Die Firma Kunststoff Recycling Grünstadt baut derzeit um. Hier sollen künftig 38.000 Tonnen Plastikmüll im Jahr recycelt werden.
Die Firma Kunststoff Recycling Grünstadt baut derzeit um. Hier sollen künftig 38.000 Tonnen Plastikmüll im Jahr recycelt werden.

Es hat länger gedauert als geplant, jetzt ist es aber so weit: Die Firma Kunststoff Recycling Grünstadt (KRG) hat die behördliche Genehmigung für den Bau einer modernen Wasch- und Sortieranlage erhalten. Seit Februar wird mit Hochdruck an der Umsetzung des 28 Millionen Euro schweren Projekts gearbeitet.

Ein Jahr und zwei Tage länger als ursprünglich vorgesehen hat KRG-Geschäftsführer Jörg Berbalk auf die Genehmigung für sein Großvorhaben gewartet – immer wieder nachgehakt, verhandelt, ein zusätzliches Gutachten beauftragt und seine Pläne angepasst. Die Erleichterung darüber, dass diese Zeit nun vorbei ist, kann man ihm förmlich ansehen. Schließlich ist er überzeugt von seinem Projekt: dem Bau einer hochmodernen Wasch- und Sortieranlage für Plastikmüll aus dem Gelben Sack.

Eigentlich hätte die schon im vergangenen Sommer in Betrieb gehen sollen, aber es hakte in der Abstimmung mit den Behörden. Genauer gesagt: mit der Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd. Die sah zwar keine Probleme im Bereich Geruchs- und Lärmbelästigung, wohl aber beim Wasser. Tatsächlich sei es so, dass die städtische Kläranlage aktuell nicht genug Kapazitäten für das Abwasser hat, das die neue Anlage verursachen wird, erklärt Berbalk. Deshalb ist für den Übergang eine Containerlösung mit regelmäßigem Abtransport via Lkw zur BASF in Ludwigshafen vorgesehen.

Müll wird sortiert und zerkleinert

„Das liegt nicht etwa daran, dass die Stoffe, die sich in unserem Abwasser befinden, besonders gefählich sind, sondern an der schieren Menge“, betont der KRG-Geschäftsführer. In der Anlage wird grob vorsortierter Müll aus Gelben Säcken nach Material und Farbe sortiert und zerkleinert, bevor er mit heißem Wasser gereinigt und zu kleinen Plastikkügelchen verarbeitet wird, aus denen man neue, hochwertige Kunststoffprodukte herstellen kann. „Da geht es zum Beispiel um Waschmittel-Flaschen oder Joghurtbecher“, erklärt Jörg Berbalk.

Das alles komme bei jedem im Hausmüll vor, aber natürlich nicht in dem Ausmaß und dadurch auch nicht in der Konzentration, die durch die große Anlage verursacht wird. Berbalk rechnet für den Beginn mit 120.000 Litern Abwasser am Tag, die drei bis vier Lkw-Fahrten nötig machen werden. Das gilt solange, bis das Grünstadter Klärwerk ausgebaut wurde und die Aufbereitung übernehmen kann. Die 120.000 Liter machten allerdings nur rund zehn Prozent des Wassers aus, das zum Einsatz kommt. Der Rest verbleibe in einem dauerhaften Kreislauf in der Anlage.

Die wiederum bezeichnet Berbalk als einen „technologischen Quantensprung“, denn sie nehme sich eines Problems an, das bislang recht wenig Beachtung fand: der qualitativ minderwertigen Wiederverwendung von Plastik. Erst in den vergangenen Jahren gerate die durch Druck von Seiten der Verbraucher immer mehr in den Fokus und finde jetzt auch in Politik und Wirtschaft zunehmend Aufmerksamkeit.

Das Problem sei, dass althergebrachte Maschinen nicht in der Lage sind, verschiedene Plastikkarten zuverlässig voneinander zu unterscheiden und zu trennen. Auch eine farbliche Sortierung sei bisher nicht möglich gewesen. Wenn Granulate aus Plastikmüll hergestellt wurden, waren die deshalb nicht sortenrein und vor allem wegen der Vermischung der Farben nur in Grau und Schwarz zu haben. Das wiederum mache sich im Supermarkt – beispielsweise als Waschmittel-Flasche – nicht so gut. Aus dem Grund wurde das recycelte Material aus Gelben Säcken bislang vor allem für minderwertige Produkte wie Rohre oder Erdtanks genutzt.

Die Anlage soll durchlaufen

Die neue Anlage sortiert nun aber nach Material und nach Farbe und eröffnet damit ganz neue Anwendungsmöglichkeiten für das recycelte Plastik. So könnten die alten Weichspüler-Flaschen künftig genutzt werden, um neue herzustellen, versichert Berbalk.

Das hat seinen Plänen die Aufmerksamkeit einiger großer Unternehmen eingebracht: Der Entsorger PreZero, der zur Schwartz-Gruppe gehört, die wiederum Kaufland und Lidl kontrolliert, ist mittlerweile Gesellschafterin und hält 50 Prozent der Firmenanteile. Werner & Mertz, zu dem die Marken Erdal und Frosch gehören, hat Interesse an einer Zusammenarbeit bekundet, sagt Berbalk.

Die große Anlage könne Ende dieses Jahres in Betrieb gehen – wenn nicht noch einmal etwas Unerwartetes dazwischen kommt. Bis dahin gibt es allerdings noch viel zu tun. Neben zwei großen Tanks mit jeweils 125 Kubikmetern Fassungsvermögen für das Abwasser und der Wasch- und Sortieranlage selbst, werden ein Blockheizkraftwerk und ein 3000 Quadratmeter großes Dach für das Lager des angelieferten Plastikmülls aus den Gelben Säcken gebaut.

Letzteres soll dafür sorgen, dass bei Regengüssen nicht irgendwelche unerwünschten Stoffe in den Abwasserkanal und damit ins Klärwerk gelangen. In Sachen Druckausgleich und Geruchsbelästigung ist die Maßnahme angeordnet worden, die für die Grünstadter wohl am besten sichtbar sein wird: Durch einen 19 Meter hoher Abluftkamin sollen unter anderem Gerüche, die bei der Verarbeitung des Kunststoffmülls entstehen könnten, weit über die Dächer der Stadt verfrachtet werden, wo sie niemanden belästigen können.

Alles in allem wird KRG voraussichtlich 28 Millionen Euro investieren – das sind acht Millionen mehr, als ursprünglich vorgesehen. Die zusätzlichen Kosten ergeben sich aus Auflagen beim Bau, aber auch aus Entscheidungen des Unternehmens für andere und mehr Anlagenteile als anfangs geplant. Fest steht: In Grünstadt sollen künftig 38.000 Tonnen Plastikmüll im Jahr recycelt werden – in einer Anlage, die 24 Stunden am Tag und sieben Tage die Woche läuft. In dieser Größe und mit der Technik sei das in Deutschland aktuell ohne Beispiel.

Geschäftsführer Jörg Berbalk.
Geschäftsführer Jörg Berbalk.
 Außenlager der Firma.
Außenlager der Firma.
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