Vorderpfalz
Supermarkt, Gemüseladen, Wochenmarkt: Der Einkaufsvergleich
Immer dienstags und freitags bauen rund 40 Händler ihre Stände auf dem Frankenthaler Rathausplatz auf. Einer von Ihnen: Sascha Becker, Juniorchef des gleichnamigen Obst- und Gemüsehandels in Hettenleidelheim. Der 42-Jährige hat immer einen Spruch parat, ihn bringt so schnell nichts aus der Ruhe. „So regional wie möglich“ ist sein Motto. Eingekauft wird auf dem Großmarkt und bei Erzeugern in der Gegend, Äpfel und Pfirsiche kommen aus eigenem Anbau. Wer auf heimische Produkte achtet, bekommt bei Becker und bei anderen Gemüseständen für unter fünf Euro Zutaten für ein Familienessen, zurzeit etwa Blumenkohl und Kartoffeln.
Acht verschiedene Salate – alle aus der Pfalz – hat Becker an diesem Morgen im Angebot: Kopfsalat, Lollo rosso und bianco, Eichblatt hell und dunkel, Endivie, Eisberg- und Feldsalat. Für 1,40 Euro landet der Lollo rosso im mitgebrachten Beutel. Verpackungsmüll gibt es beim Marktkauf – bis auf den Eierkarton, der beim nächsten Besuch wieder aufgefüllt wird – nicht. 30 Cent kostet das Freilandei aus Herxheim im Zellertal in Größe L, die XL-Bodenhaltungsvariante ist zehn Cent teurer. Kartoffeln? Nö. Becker hat nur „Grumbeere“, fest oder mehlig ist hier die Frage. Beide Varianten stammen aus der Speyerer Gegend, für 1,20 Euro das Kilo gibt’s Annabelle, goldgelb und festkochend.
Rot, grün, gelb und orange: Die dickfleischigen Paprika in Beckers Auslage kommen aus den Niederlanden, Kilopreis 5,80 Euro. Direkt daneben die Pfälzer Spitzpaprika, mit elf Euro pro Kilo fast doppelt so teuer. Dünnhäutig und fein im Aroma: „Die beiden Sorten sind nicht zu vergleichen“, sagt Becker. Mit 3,54 Euro schlagen die drei einheimischen Paprika zu Buche – eine Delikatesse, die beim Abendessen ratzeputz wegkommt. Milch gibt es bei Beckers Marktstand nicht. Zu aufwendig wären Einkauf und Kühlung. Doch für 1,40 Euro wandert der Liter Biomilch aus dem Schwarzwald beim benachbarten Käsewagen über die Theke. Die Fachsimpelei über Salzkristalle und Fettstufen in der Warteschlange gibt es gratis dazu. 8,34 Euro stehen am Ende auf dem Zettel für frische, regionale Lebensmittel – und ein Einkaufserlebnis, das unbezahlbar ist.
Scharfe Schoten als Ersatz
Der „Khoja-Markt“ in Speyer ist bestens gelegen. Zur Maximilianstraße und zur Galeria Kaufhof ist es nur ein Steinwurf. Für viele führt der Weg zu Speyers Prachtboulevard durch die Heydenreichstraße, in der Mustafa Khoja im Januar sein Ladengeschäft eingerichtet hat. Der Syrer hat eine üppige Gemüse-Auslage vor seinem großen Schaufenster – da müsste die RHEINPFALZ-Einkaufsliste gut abzuarbeiten sein. Ruckzuck packt der freundliche Geschäftsinhaber fast alle Wünsche in eine blaue Plastiktüte.
Nicht alles gibt’s jedoch einzeln: Für die Kartoffeln muss es statt einem Kilo das 2,5-Kilogramm-Netz für 3,75 Euro sein. Bei den Paprika muss Khoja an diesem Tag passen und bietet stattdessen Chili an – zehn feuerrote Schoten für 1,75 Euro. Der Kopfsalat kostet 1,50 Euro, sechs Eier werden einzeln in einen Plastikbehälter gezählt und mit 1,20 Euro abgerechnet. Milch ist nicht im Sortiment. Khoja verweist auf die Supermärkte im Umfeld und erläutert achselzuckend: „Wird nicht genügend nachgefragt.“ 7,70 Euro kostet es also in der Summe ohne Milch und mit megascharfem Paprika-Ersatz. Khoja schreibt die Posten in arabischer Schrift auf einen Zettel, bevor er die Rechnung präsentiert.
Es war ein verhaltener Start, als Khoja im Winter sein Geschäft eröffnete, aber inzwischen sei er zufrieden, so der Inhaber. „Normal“ laufe der Betrieb. Spürt er bereits Konsumzurückhaltung? Nein, die Nachfrage nach seinen Grundnahrungsmitteln gestalte sich „normal“, sagt er. Weitere Erklärung gibt’s nicht: „Kein Deutsch“, sagt der Inhaber lächelnd. Arabisch und türkisch sei das feste Sortiment in seinen Regalen, berichtet er noch. Das sind Alleinstellungsmerkmale in der Speyerer Innenstadt, die sich mit Blick auf die heutige Einkaufsliste aber nicht auszahlen. Noch eine Besonderheit sind die Öffnungszeiten in dem kleinen Geschäft: von 8 bis 22 Uhr ist offen. Und dass es nicht alles gibt, versüßt Khoja mit einem Geschenk: Ein Paket mit drei Schokokeksen legt er in die blaue Tüte dazu.
Annabelle oder Berber?
Es gibt echte Lust-Einkäufer. Oder solche Kunden, die eher dem Zwang gehorchend den Kühlschrank füllen. Bei einem wilden Mix beispielsweise aus Käse, Klopapier, Zahnpasta, neuen Notizblöcke und einem guten Rum für den Schluck nach Feierabend, ist es praktisch, alles an einem Fleck zu haben. Fürs Abarbeiten des RHEINPFALZ-Einkaufszettels geht es zum Edeka-Markt in der Saarlandstraße in Ludwigshafen-Süd.
Große Auswahl, gute Übersicht – und die meisten der benötigten Lebensmittel stehen gleich direkt am Eingang. „Edeka hat schon seit Jahren ein Bio-Segment. Aber es wurde mit den Jahren immer ein bisschen größer“, erklärt Andreas Scholz, der in Ludwigshafen und Frankenthal fünf Märkte betreibt. Das Segment sei auch aktuell gefragt, „obwohl die Menschen mehr auf das Geld achten müssen“. Deshalb bewerbe der Konzern verstärkt das Discounter-Angebot auch bei den Bio-Lebensmitteln. Denn Bio allein macht nicht glücklich. „Die Kunden müssen es auch annehmen – und es sich leisten können.“ Im Übrigen legt Scholz Wert auf Regionalität. „Wenn wir nicht die Produzenten und Lieferanten aus der Region nutzen würden, wären wir ja selbst schuld.“ Das gelte nicht nur für die Kartoffeln aus dem Anbaugebiet Vorderpfalz.
Annabelle und Berber stehen zur Auswahl zum selbst Abwiegen. Preislich kein Unterschied für 2,45 Euro und zwei große Hände voll Annabelle, die sich besonders für Bratkartoffeln eignen, wie auf dem Preisschild zu lesen ist. Deutsche Paprika liegen bei 1,99 je Stück, wobei es aus der Discountabteilung auch für 1,79 Euro gehen würde. Allerdings vier Stück und bereits abgepackt. Trotzdem in diesem Fall das Produkt der Wahl. Das ist im Übrigen auch der abgepackte Kopfsalat.
Milch und Eier sind hingegen ein Problem. Die große Auswahl kostet Zeit. Pfeddersheimer Freilandeier, Regionale Pfalzeier, Freddys Hühnerhof oder doch der Hühnerhof Kraut? Und dann sind da ja auch noch Eigenmarken. Die Sechserpacks liegen zwischen 1,79 und 3,49 Euro. Oder bei 0,29 Euro je Einzel-Ei. Der vielfältige Inhalt des gut anderthalb Meter langen Milchregals macht es nicht einfacher. Die Preisspanne liegt zwischen 0,99 und 2,69 Euro. Der Mittelweg wird’s: eine Bio-Vollmilch der Eigenmarke für 1,45 Euro. Auf dem Kassenzettel stehen am Ende 10,17 Euro.