Hockey RHEINPFALZ Plus Artikel Feld-Zweitligist TG Frankenthal nach Gans-Abgang im Umbruch

Tim Ehret, der zur Aufstiegsrunde vom Mannheimer HC nach Frankenthal kam, soll die Fäden im Mittelfeld ziehen.
Tim Ehret, der zur Aufstiegsrunde vom Mannheimer HC nach Frankenthal kam, soll die Fäden im Mittelfeld ziehen.

Die erste Herrenmannschaft der TG Frankenthal wird zum Start der Saison in der Zweiten Feldhockey-Bundesliga Süd ein anderes Gesicht haben. Was hauptsächlich daran liegt, dass mit Johannes Gans der Motor, Ideengeber und Torschütze vom Dienst nicht mehr mit an Bord ist. Das macht taktische Umstellungen notwendig. Richten sollen es ein gutes Kollektiv und eine bessere Eckenquote.

Wenn ein Verein bei einer Mannschaft einen Umbruch vollzieht, dann darf man in der Regel davon ausgehen, dass etwa die Hälfte der Spieler, die noch in der vergangenen Saison das Trikot getragen haben, in der nächsten Spielzeit nicht mehr auf dem Platz steht. Doch keine Regel ohne Ausnahme. Denn auch Timo Schmietenknop, Trainer der ersten Herren der TG Frankenthal, spricht vor dem Start in die Saison der Zweiten Feldhockey-Bundesliga Süd von einem Umbruch.

Die Fans auf dem Jahnplatz müssen sich allerdings nicht an ein Dutzend neue Akteure im grünen Trikot gewöhnen. Und doch wird die TG ein anderes Gesicht haben. Johannes Gans, Spitzname Bambi, hat sich zunächst aufgrund seines Studiums in Richtung Kanada verabschiedet. Danach zieht es ihn zum SC Frankfurt 1880 in die Erste Bundesliga. Und da auch Lauritz Fuchs zumindest in der Feld-Hinrunde aus beruflichen Gründen nicht zur Verfügung steht, tut sich auf einmal in der Offensive der TG ein riesiges Loch auf. Kein Wunder also, dass Timo Schmietenknop da von einem Umbruch spricht.

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Das Kollektiv soll es richten

„Ohne Bambi ist es anders. Wir haben viel an Qualität verloren“, räumt der Übungsleiter ein. Der Vorzug des technisch äußerst beschlagenen Gans lag vor allem darin, dass er sich im direkten Duell auch mal gegen zwei, drei Mitspieler gleichzeitig durchsetzen konnte und so Räume für sein Team schuf. Eins zu eins ist Gans in diesem Kader nicht zu ersetzen. „Das Team hat verstanden, dass die Verantwortung auf mehrere Schultern verteilt werden muss“, stellt Schmietenknop klar. „Jetzt müssen die anderen liefern.“

„Die anderen“, das werden in der Offensive Alexander Cunningham, Sandro Reinhard, Noah Frank, Vincent Martens und Dominik Seel sein. Das Kollektiv soll es im Sturm richten. Auch Lel Brugger steht auf der Kaderliste für den Angriff. Doch der Teenager braucht laut Schmietenknop noch ein, zwei Jahre, bis er soweit ist. Ein Einsatz in dieser Spielzeit sei trotzdem nicht ausgeschlossen. Man weiß ja nie, wann das Verletzungspech zuschlägt.

Mehr in die Räume

Davon hatte die TG in der Vorbereitung schon genug. Stürmer Richard Henk steigt nach viermonatiger Pause aufgrund eines Knöchelbruchs erst wieder ins Training ein. Tim Ehret hat Knieprobleme, Dominik Seel quälte sich mit einer Zerrung herum.

Der Abgang von Gans hat auch noch andere Folgen, zum Beispiel im taktischen Bereich. Die Bälle müssten jetzt mehr in die Räume gespielt werden, sagt Schmietenknop. Vor allem auf die Verbindung zwischen Mittelfeld und Sturm komme es an. „Wir müssen Überzahl schaffen, dafür konsequent nachrücken. Das war ein großer Trainingsinhalt. Dann muss im richtigen Moment die Ablage kommen“, beschreibt es der Trainer.

Neue Hierarchie bei den Ecken

Und bei den Ecken wird es zwangsweise jetzt eine neue Hierarchie geben müssen. Erste Schützen sind dem Coach zufolge Bastian Schneider und Manuel Eck. Aber auch Johannes Zurke und Noah Frank könnten die Aufgabe übernehmen.

Apropos Strafecken. Auf die werde es laut Schmietenknop für sein Team in der Saison noch mehr ankommen als ohnehin schon. Weshalb der Trainingsumfang in diesem Bereich auch um „30 bis 40 Prozent“ erhöht worden sei. Eine gute Ecke kann der Garant für viele Punkte sein. „Über einen guten Schuss können wir dann auch Varianten ins Spiel bringen“, erläutert der Coach.

Ballverteiler im Mittelfeld

So groß die Sorgen im Angriff womöglich sind, im Tor und in der Verteidigung ist die Lage entspannt, weil sich personell nichts Wesentliches getan hat. Thimo Bernet und Oliver Scharfenberger sind die ersten Ansprechpartner, wenn es um den Platz zwischen den Pfosten geht. Dahinter soll Julius Wagner Druck machen. Nachwuchsmann Luca Helbing stünde als Keeper Nummer vier bereit. In der Verteidigung läuft die Organisation nach wie vor über Bastian Schneider und Routinier Marc Beck.

Interessant wird es im Mittelfeld. Auch da haben die Abgänge von Fuchs und Gans Auswirkungen. Das wird die Chance für Tim Ehret sein, der zur Aufstiegsrunde vom Mannheimer HC nach Frankenthal kam, aber aufgrund des Saisonabbruchs nur ein Pflichtspiel absolvierte. Schmietenknop beschreibt Ehret als einen der motiviertesten Spieler im Training. Als Ballverteiler im Mittelfeld soll er eine Führungsrolle übernehmen. „Er hat sich viel vorgenommen und hat das spielerisch auch drauf. Er muss nur die Nervosität ablegen“, sagt der Coach. Schon längst in der Führungsrolle ist Sven Becker, der seit seinem Intermezzo beim Dürkheimer HC in Sachen Technik und Übersicht noch mal eine Schippe draufgelegt hat.

Bis zum Ende spannend

Auch einem Youngster traut Schmietenknop zu, in naher Zukunft eine tragende Rolle in der Schaltzentrale zu spielen. Yannick Koch werde ganz sicher seinen Platz im Team bekommen. „Er ist auf einem guten Weg. In ein paar Jahren kann er eine Führungsrolle übernehmen.“ Körperlich habe Koch noch zugelegt.

In der vergangenen Saison 19/20/21 qualifizierte sich die TG als Aufsteiger relativ souverän für die Aufstiegsrunde. Timo Schmietenknop peilt auch diesmal einen Platz „fünf oder besser“ an. Doch er geht auch davon aus, dass die Liga bis zum Ende spannend bleiben wird. „Alle sind sehr eng beisammen. Wenn wir an die Leistung der Vorsaison anknüpfen, sind wir aber absolut wettbewerbsfähig.“

100 Prozent zum Doppelwochenende zu Hause

Seine Devise lautet daher: „Früh punkten, um erst gar nicht unten reinzukommen!“ Zum Saisonstart beim Münchner SC am Samstag, 4. September, 13 Uhr, werde das aber schwierig. „Das ist ein Bonusspiel für uns“, sagt der TG-Trainer. Denn den MSC sieht er – wie die Zehlendorfer Wespen und den TuS Lichterfelde – als Aufstiegskandidaten. Beim Auftritt in München sei die TG vielleicht bei 70, 80 Prozent, mutmaßt Schmietenknop. Zum ersten Doppelwochenende zu Hause (11./12. September) wolle man dann bei 100 Prozent sein. „Es bringt nichts, wenn wir gegen München einen Punkt holen und dann vielleicht zu Hause gegen Blau-Weiß Berlin verlieren“, erläutert er. Vom Spielplan her habe es daher gar nicht besser kommen können.

Da es mit dem SC Frankfurt 1880 nur einen Aufsteiger, aber keinen Absteiger gab, und die Absteiger aus der Ersten Bundesliga alle in die Nord-Gruppe kamen, umfasst die Süd-Staffel diesmal nur neun Mannschaften. 18, 19 Punkte, so schätzt der TG-Trainer, seien am Ende für den Klassenverbleib nötig. „Alles über 20 reicht für den Nicht-Abstieg“, ist er sicher. Allerdings: „Wenn wir am Ende mit 16 drin bleiben, ist es mir auch recht.“

Der Kader der TG

Tor: Thimo Bernet, Oliver Scharfenberger, Julius Wagner, Luca Helbing.

Abwehr: Marc Beck, Fotios Dagas, Christian Dopp, Manuel Eck, Constantin Holzhauser, Bastian Schneider, Volker Schwindt, Simon Taubert.

Mittelfeld: Sven Becker, Alexander Eckert, Tim Ehret, Yannick Koch, Erik Kohlmann, Heinrich Reuss, Johannes Zurke.

Sturm: Lel Brugger, Alexander Cunningham, Noah Frank, Richard Henk, Vincent Martens, Sandro Reinhard, Dominik Seel, Luca Zerm.

Die Hinrundentermine

4. September, 13 Uhr: Münchner SC - TGF; 11. September, 14 Uhr: TGF - Zehlendorfer Wespen; 12. September, 13 Uhr: TGF - HG Nürnberg; 18. September, 13 Uhr: TGF - TC BW Berlin; 19. September, 14.30 Uhr: HC Ludwigsburg - TGF; 25. September, 12 Uhr: TuS Lichterfelde - TGF; 26. September, 12 Uhr: Berliner SC - TGF; 10. Oktober, 12 Uhr: TG Frankenthal - HTC Stuttgarter Kickers.

Auf Dominik Seel und Noah Frank (weiße Trikots, von rechts) kommt im Sturm mehr Arbeit zu.
Auf Dominik Seel und Noah Frank (weiße Trikots, von rechts) kommt im Sturm mehr Arbeit zu.
Youngster Yannick Koch (vorne) traut TG-Trainer Timo Schmietenknop zu, in naher Zukunft eine tragende Rolle in der Schaltzentral
Youngster Yannick Koch (vorne) traut TG-Trainer Timo Schmietenknop zu, in naher Zukunft eine tragende Rolle in der Schaltzentrale zu spielen.
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