Hintergrund RHEINPFALZ Plus Artikel Bemerkenswertes Fair Play bei der Partie SV Studernheim gegen DJK Eppstein II

Auf dem Sportplatz des SV Studernheim ging es am Sonntag bemerkenswert fair zur Sache.
Auf dem Sportplatz des SV Studernheim ging es am Sonntag bemerkenswert fair zur Sache.

Auch in den unteren Fußballklassen wird verbissen um Punkte gekämpft. Keiner verliert gerne. Und wie überall in den Ligen geht es um Auf- und Abstieg. Dass trotzdem der Fair-Play-Gedanke gepflegt werden kann, zeigte sich am Sonntag in der Partie zwischen dem SV Studernheim und der DJK Eppstein II in der Fußball-B-Klasse Nord - Süd.

Ein Studernheimer Spieler lag verletzt am Boden, ein Mitspieler schoss den Ball ins Seitenaus. Ein Eppsteiner warf ein und dessen Mitspieler wiederum schoss das Leder Richtung Studernheimer Tor. Das allerdings war nach übereinstimmender Aussage beider Trainer, Jeremy Koch (Studernheim) und Carsten Krick (Eppstein), noch gar nicht wieder mit dem Torwart besetzt, weil sich dieser um den verletzten Spieler gekümmert hatte. So kullerte der Ball ins verwaiste Tor.

Dem Schiedsrichter blieb nach Aussagen von Gästetrainer Carsten Krick gar nichts anderes übrig, als das Tor anzuerkennen. 1:0 für die DJK Eppstein II. „Ich glaube, dem Eppsteiner Spieler war das selbst peinlich“, sagt der Studernheimer Trainer Jeremy Koch auf RHEINPFALZ-Nachfrage. Absicht wollte dem Spieler keiner unterstellen.

Keine langen Diskussionen

Es gab demnach nach übereinstimmenden Aussagen auch keine langen Diskussionen. Krick sagt, er habe sofort seinen Spielern signalisiert, die Studernheimer im direkten Gegenzug ein Tor schießen zu lassen. Das geschah, ohne dass die DJK eingriff. Kevin Klein erzielte postwendend den 1:1-Ausgleich. Am Ende gewann Studernheim mit 4:2.

Das Fair Play der Eppsteiner ist um so bemerkenswerter, weil kein Team in der Partie etwas zu verschenken hatte. Die DJK Eppstein II steht nach fünf Spieltagen noch sieglos am Tabellenende. In der ersten Saison von Trainer Carsten Krick bei den Eppsteinern läuft es noch gar nicht. Krick macht das auch an der personellen Situation fest. Zwei Spieler fallen jeweils mit Kreuzbandriss aus, einer steht aufgrund einer Meniskusverletzung langfristig nicht zur Verfügung. Zudem ist Krick nicht mit der Zuverlässigkeit von allen Akteuren zufrieden. Absagen am Sonntagmorgen nerven ihn. Trotzdem macht er dem großen Teil der Mannschaft keine Vorwürfe: „Sie ziehen gut mit.“

Bei der DJK II stimmt die Mischung nicht

Die Mischung stimme aktuell in der Mannschaft jedoch nicht ganz. Neben einer ganzen Reihe von jungen Spielern kämen 50-Jährige zum Einsatz. „Uns fehlt gerade das Alter zwischen 25 und 35“, resümiert Krick. Immerhin: Drei Neuzugänge für den Winter seien schon festgemacht. Bei weiteren Interessenten würde sich die DJK sicher nicht wehren.

Für ihn sei die Reaktion auf das kuriose Tor seiner Mannschaft selbstverständlich gewesen, sagt Krick. Er sei auch Schiedsrichter und ein Gerechtigkeitsfanatiker. Deshalb habe er sich auf diese Art keinen Vorteil verschaffen wollen. Der Schiedsrichter der Partie habe sich nach der Aktion bedankt.

Dünner Kader in Studernheim

In Studernheim ist der Kader nach Aussagen von Jeremy Koch ebenfalls dünn. Auch der SV will in der Winterpause nachlegen und hofft auf Interessenten. Der 34-jährige Koch, der in Frankenthal wohnt, hat kurz nach Saisonbeginn die Mannschaft übernommen. Nach eigener Aussage hat er 2012 den FC Mannheim-Scharhof gegründet und war dort fünf Jahre lang tätig. Danach war er bei Alemannia Worms Trainer, dann bei Blau-Weiß Mannheim. Die Vorbereitung auf die Saison hatte beim SV Studernheim noch Giuseppe Amato geleitet.

Koch lobt das Eppsteiner Verhalten ausdrücklich: „In dieser Situation hätte sich bestimmt nicht jede Mannschaft so verhalten.“ Zumal eben beide Teams ein wenig unter Druck stünden. Es sei für beide Mannschaften kein einfaches Spiel gewesen. Für Studernheim war es der erste Sieg nach drei Niederlagen. Zwei Siege und vier Niederlagen stehen für den SV jetzt zu Buche. Koch lobt seine Spieler, die sich nicht hätten hängen lassen. Für Studernheim sei in der aktuellen Situation der Klassenverbleib das erklärte Ziel. In den kommenden Spielzeiten wolle sich der Verein Schritt für Schritt weiterentwickeln.

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