Rockenhausen
Zum Herbstfest wird gefeiert – nur das Wie bleibt vorerst offen
„Wir geraten ja leider völlig aus der Übung“: Dennis Dörr hegt ein bisschen die Befürchtung, dem eingespielten Helfer-Team könnte nach drei Jahren Küchen-Abstinenz die Routine abhanden kommen. Geflutscht hat’s, wenn die Truppe von Feuerwehr-Förderverein und Basketballern alljährlich ungezählte Festgäste zu bewirten hatte.
Anno 2020 aber flutschte gar nichts. Flaute allenthalben hat im Zuge der Pandemie in puncto Großveranstaltungen geherrscht. Die Rockenhauser aber hatten aus der Not eine Tugend gemacht. Die obligatorische Weinverkostung in virtuelle Räume zu verlegen, erwies sich sogar als Volltreffer. Weil es die neue Form der Präsentation erlaubt, sozusagen in aller Welt am Geschehen teilzunehmen. Dem Vernehmen nach haben Familien sogar mit Zeitverzögerung noch mal heimische Tröpfchen gemäß Herbstfest-Auswahl und -Anleitung goutiert. Bei der virtuellen Weinprobe waren sogar die Vorschusslorbeeren üppig: Eine Woche vor „Streaming-Beginn“ waren um die 200 Weinpakete geordert.
Was lag da näher, als nun erneut auf die Trumpfkarte Online-Verkostung zu setzen. Dass die nun wieder den Start ins Fest-Geschehen markiert, ist seit Montag zementiert. Stadtspitze und Organisations-Mitstreiter haben nach so einigen Gesprächen und Gedankenspielen einen Grundsatzbeschluss gefasst.
Michael Vettermann war hörbar erfreut, als er die Nachricht übermittelt hat: „Das Herbstfest wird nicht ausfallen.“ Der Stadtbürgermeister ist sich selbstredend nur allzu bewusst, dass die 72. Auflage längst nicht die Rückkehr zur Normalität bedeuten kann – ganz gleich, wie sich das Pandemie-Geschehen entwickelt. Aber: Auf all jene Festprogramm-Bestandteile, die nach aktueller Lage nicht als unmöglich realisierbar erscheinen, will man sich bis zum letzten Moment eine Option sichern.
Mit Open-Air liebäugeln
Sicher ist schon jetzt: Die Weinverkostung steigt in der Premiere-bewährten Form. Ziemlich gewiss auch: Es wird wohl Live-Musik geben. Die Formation „Allgäu Power“, die beim 70. Herbstfest 2019 für Furore gesorgt hat, soll aufs Neue für gewaltig gute Stimmung sorgen. Auf Brettern, die für ein Open-Air eigens errichtet werden.
An welchem Tag das Freiluft-Konzert stattfinden soll, ist noch nicht entschieden. Dies ist eines von noch vielen Fragezeichen, die hinterm Unterhaltungsangebot stehen. „Triathlon – unter Vorbehalt. Entenrennen – unter Vorbehalt“, formuliert es der Stadtbürgermeister mit Vorsicht. Weindorf und Showauftritte von Rohau und VTR, selbstverständlich Rummelplatz: Vieles ist denkbar, nur eins eben unmöglich. Wenngleich es genau das ist, was die meisten vorrangig mit einem Volksfest verbinden. Das Beisammensein, die Enge, das ungetrübte Vergnügen, sich’s in geselliger Runde gut gehen zu lassen, einen zu heben.
Mit der – alternativlosen – Abkehr vom Zeltbetrieb gehen indes auch Unannehmlichkeiten einher, vor allem finanzieller Art. Für die Stadt als Ausrichter, die bei der Fest-Finanzierung auch auf Einnahmen aus dem Erlös im Festzelt angewiesen ist, auch für diejenigen, die die Erlöse wesentlich mit erarbeiten.
Kassen klingeln sicher nicht
Erstmals haben Feuerwehr-Förderer und Fastbreakers-Sportfreunde – unterstützt noch von Rohau-Fastnachtern – die Verköstigung hungriger Festgäste 2012 gestemmt. Letztmals hat die eigens dafür installierte Bewirtungsgesellschaft bei der 70. Auflage in der Küche gewerkelt und schmackhafte Portionen vor allem montags regelrecht im Akkord an die Zelttische geschleppt.
Wenn nun ein veritables Festzelt in der Brühlgasse fehlen wird, kann auch nicht im großen Stil getafelt werden. Für jene, die an den Festtagen für gewöhnlich harte Arbeit stemmen, während andere feiern, bedeutet dies nicht zuletzt auch weitere Löcher in der Kasse. „Wir können seit Corona vieles nicht mehr leisten, was wir vorher gemacht haben“, verweist Dennis Dörr auf den Negativ-Effekt: Eine der ureigenen Aufgaben des Feuerwehr-Fördervereins – auch mal Anschaffungen tätigen, die über das zwingend Notwendige, vom Träger Bereitzustellende hinausreichen – leidet ohnehin momentan Not.
Das ob fehlender Festeinnahmen erneut gähnende Finanzloch in der Vereinskasse macht auch dem Basketballclub zu schaffen, wie Vorsitzender Jürgen Manz einräumte. „Das beim Herbstfest erwirtschaftete Geld ist für uns schon sehr wichtig.“
Abgesehen vom Festzelt wird wohl auch der Umzug flachfallen. Schon aus praktischen Gründen: Es fänden ja rundherum keine Kerwen statt, also fehlen auch die Motivwagen, die eigens dafür gestaltet und dann beim Herbstfest noch einmal eingesetzt würden, nannte Christian Dietz von den Herbstfest-Freunden den Grund. Dass es aber zumindest ein „Herbstfest light“ geben wird, stößt überall auf Zustimmung und Freude. Gut denkbar, dass auch die kleinere Variante wie gewohnt von einem Feuerwerk gekrönt wird.