Donnersbergkreis
Wie Corona dem Musikkreis Donnersberg zu schaffen macht
Der stellvertretende Vorsitzende des Kreismusikverbandes im Donnersbergkreis (genannt Musikkreis), Dirk Schneider, repräsentiert einen Verband mit 22 Mitgliedsvereinen und ist in Personalunion auch zugleich Vorsitzender bei seinem Heimatverein, dem Musikverein Steinbach. Wie die Corona-Pandemie die Kulturarbeit der Vereine verändert hat, berichtet er auf Anfrage: Nach der ersten Fermate im Frühjahr setzte der Steinbacher Musikverein seine Probenarbeit unter detailliert ausgearbeiteten Hygiene-und Abstandsregelungen mit dem Erfassen von Personaldaten erst im Juni fort und probte bis Oktober einschließlich im Freien. Größere Abstände und ungewohnte akustische Rahmenbedingungen hätten das Einhören erheblich erschwert.
Am 28. August demonstrierten die Vereine des Verbandes Solidarität, als sie in Rockenhausen am Marktplatz bei einem Treffen gemeinsam Kostproben ihres Können gaben. Ansonsten erlegten sich nach Schneiders Kenntnisstand die Vereine in der Öffentlichkeit Beschränkungen auf, probten in weiten Abständen in Hallen (Musikvereine Winnweiler oder Zellertal) und organisierten auch keine örtlichen Veranstaltungen wie Wald-, Grill- oder Dorffeste, sodass ihnen die üblichen Einnahmen entgingen. Positiv sei gewesen, dass viele Dirigenten Solidarität gezeigt hätten, wie zum Beispiel die Dirigentin in Steinbach, die bei Ausfall von Proben und Konzerten keine Honorare forderte.
Trotz Corona neue Mitglieder
Schneider zitiert aus den Proben- und Auftrittsbeschränkungen des Landes, räumt gleichzeitig aber ein, dass Musikunterricht unter Auflagen möglich ist. Er befürchtet jedoch beim Schließen von Bürgerhäusern wie Vereinsheimen eine weitere Verlagerung in den privaten Bereich. Was den gleichzeitigen Lockdown für die Gastronomie anbelangt, sieht Schneider eine schicksalhafte Verknüpfung in den örtlichen Gemeinden: Die Musikvereine profitieren bei Proben und Konzerten von der Bewirtung in den bewirtschafteten Bürgerhäusern und Gemeinschaftshallen und umgekehrt.
Trotz Corona hatte der Musikverein Steinbach 20 neue Vereinsmitglieder gewinnen können, kann sich ergo bei einem Gesamtjahresbeitrag von aktiven und passiven Mitgliedern von fast 4000 Euro noch etwas über Wasser halten. Fünf neue Schlagzeugschüler, eine Neuanmeldung in Saxophon und weitere Absolventen der vereinseigenen Blockflötengruppe mit Beginn von Hauptinstrumenten (ebenfalls in Saxophon und Querflöte) lassen zusammen mit einer neu gegründeten Blockflötengruppe mit sieben Kindern hoffen. Sie belegen, so Schneider, dass Vereinsarbeit im musikalischen Sektor Zukunft hat. Nach Wilhelm Busch wird die Musik oft störend empfunden, weil stets sie mit Geräusch verbunden. In Zeiten von Corona befürchtet man dagegen die Verbreitung von Aerosolen; allerdings widerlegen nach Schneiders Kenntnisstand Studien der Freiburger Uni, dass diese sich bei fast allen Instrumenten im Windkanal verlieren und haften bleiben.
Keine Auftritte, keine Einnahmen
Der ebenfalls traditionsreiche und künstlerisch erfolgreiche Musikverein Bolanden hatte sich kaum nach der Wiederaufnahme der Proben am 9. Juli etwas erholt und gefestigt, trifft ihn jetzt der zweite Stopp. Auch die Bolander hatten nicht resigniert, sondern mit Proben im Freien, Anwesenheitslisten und Hygienemaßnahmen akribisch die Vorgaben umgesetzt. Der Vorsitzende Werner Kanoffsky akzeptiert die neue Zwangspause für die Kulturträger – nicht nachvollziehbar ist für ihn allerdings die Pause für das Gastronomiegewerbe. Anstelle des öffentlichen Raums macht er mehr den privaten Rahmen für die steigenden Zahlen verantwortlich.
Auch zuvor seien die Organisation von Proben im Freien und ab September in der Halle sehr aufwendig gewesen. Das geplante und inzwischen wieder abgesagte Konzert am 29. November in der Konzerthalle an der Orangerie Kirchheimbolanden hätte ohnehin durch die Auflagen zu einer Platzreduktion auf höchsten 150 Besucher geführt, die wirtschaftlich zu nicht mehr vertretbaren Einbußen geführt hätte. Keine Auftritte heuer und keine Einnahmen, so sieht die ernüchternde Bilanz des Kulturträgers aus, der aber auf den Zusammenhalt im Verein baut und dass sich bislang noch niemand dauerhaft abgemeldet hat.
Zur Sache: Der Musikkreis
Die 22 Mitgliedsvereine (darunter mit Mauchenheim, Sembach und Schallodenbach auch einige aus benachbarten Landkreisen) repräsentieren eine große Vielfalt von Stilrichtungen bei fast 1000 Musikern: Zum Beispiel zeigen die Trachtenkapelle Ramsen, der Fanfarenzug Imsbach, der Spielmannszug Eisenberg oder die Kolpingkapelle Zell sowie aus Gesangvereinen entstandene Orchester unterschiedliche Traditionslinien und gesellschaftliche Aufgaben.
Die Musikjugend wurde im Jahr 2000 zusätzlich im Rahmen des Verbandes ins Leben gerufen, veranstaltet eigene und gemeinsame Konzerte, wirkt im Kreisjugendblasorchester zusammen und veranstaltet Weiterbildungen sowie Freizeiten. Insgesamt schließt der Musikkreis mit seinen Lehrgängen, den Projektorchestern und den Konzerten Lücken, etwa im sinfonisch-konzertanten Musikbereich, und bietet vielerlei Unterstützung.