Kirchheimbolanden RHEINPFALZ Plus Artikel Villa Kunterbunt: Neue Kita-Leitung ab Juli

Wuchs in Eisenberg auf und lebt heute in Wachenheim an der Weinstraße: Tobias Hase.
Wuchs in Eisenberg auf und lebt heute in Wachenheim an der Weinstraße: Tobias Hase.

In ungewöhnlicher Stille wurde in Kirchheimbolanden unter den derzeitigen Einschränkungen der Corona-Krise ein Wechsel vollzogen: Die Leiterin der Kita Villa Kunterbunt, Inge Strauß, wird Anfang Juli in den Ruhestand gehen. Seit 1. Juni wissen Kinder und Erzieherinnen, wer den städtischen Kindergarten mit sechs Gruppen in Zukunft leiten wird: Tobias Hase. Im direkten Austausch mit seiner Vorgängerin arbeitet er sich derzeit ein. Auf die Frage, was ihn bewogen hat, Erzieher zu werden, antwortet Hase: „Kinder sind unsere Zukunft, sie sind das Schützenswerteste was wir haben. Mit jeder Generation kommen neue Erfahrungen von Kindern, weil sie die Welt mit anderen Augen sehen“ . Vor allem möchte er dazu beitragen, dass Kinder ihre Kreativität so lange wie möglich behalten können, denn sie sei das wichtigste Potenzial unserer Gesellschaft.

Tobias Hase ist in der Donnersbergregion verwurzelt und wuchs in Eisenberg auf. Heute lebt der 30-Jährige in Wachenheim an der Weinstraße, wo er seiner kleinen Tochter zuliebe auch weiterhin wohnen möchte. Nach der Schulzeit beschloss Hase, ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) beim Diakonischen Werk zu machen und entschied sich für die Kita Bockenheim. Danach begann er die Ausbildung zum Sozialassistenten in Eisenberg. „Meine Praxisanteile waren heilpädagogisch geprägt, weil ich in der Lebenshilfe in Bad Dürkheim arbeitete. Vor allem war ich in der Freizeitgestaltung tätig.“

Beteiligung von Kindern als Herzensangelegenheit

Zwar hätte Tobias Hase sich vorstellen können, in diesem Bereich auch nach der Erzieherausbildung in Rockenhausen weiter zu arbeiten. Aber es kam anders. Zur Ausbildung gehörte nämlich auch ein Kita-Praktikum, das Hase in einer Friedelsheimer Einrichtung absolvierte, die mit einem offenen Konzept arbeitete: „Das hat mein Interesse geweckt, vor allem weil die Beteiligung der Kinder so groß geschrieben wurde. Jeder Tag war flexibel gestaltet; und da habe ich mein pädagogisches Vorbild entdeckt, Janusz Korczak, dem die Partizipation der Kinder sehr am Herzen lag.“

Dann wurde Hase gebeten, im angeschlossenen Hortbereich auszuhelfen. „Dort hatte es zuvor viele Personalwechsel gegeben und die Kinder fragten mich ganz ängstlich, ob ich denn auch bald wieder gehen würde.“ Manche Kinder habe er kontinuierlich begleitet; sie bereits als Zweijährige im Kitabereich kennengelernt und später im Hort als Schulkinder wieder getroffen. Da sei ihm die Endlichkeit seiner Wirkung bewusst geworden: „Bestimmte Eigenschaften der Kinderpersönlichkeiten bleiben. Wir Erzieher sind nicht die Macher, die Eigenmotivation der Kinder ist das A und O“, so Hase.

Studium Bildungs- und Sozialmanagement

Als Nummer drei im Leitungsteam habe er in Friedelsheim mitunter Vertretungsaufgaben übernommen, als Vorsitzender des Personalrates Einblick in die Abläufe gewonnen und dabei ein neues Bedürfnis entdeckt: „Ich wollte mehr gestalten und versuchen, die Einrichtung gemeinsam im Team weiterzuentwickeln.“ Hases Bewerbung für die damals intern ausgeschriebene Leitung der Kita war zwar nicht erfolgreich, doch er blieb am Ball und absolvierte eine Weiterbildung in Leitungskompetenz. Auch nahm er 2018 ein berufsbegleitendes Studium Bildungs- und Sozialmanagement in Koblenz auf: „Ich hatte so einen Drang nach theoretischem Input.“ Sein Vorstellungsgespräch in Kibo habe er im Januar gehabt und, so Hase: „Seit 1. Juni bin ich hier.“

Zunächst einmal wolle er sich einen Überblick verschaffen, in Kontakt mit den Erzieherinnen und den Kindern kommen und lieber Fragen stellen als Antworten vorgeben, erklärt er. Beim Namen „Villa Kunterbunt“ denke man natürlich auch an Pippi Langstrumpf, sagt Hase. Er persönlich sieht sie als Inspiration für starke Frauen. Und weitergedacht bis in seinen Berufsstand hinein: „Jetzt mit Corona hat es sich gezeigt: Kinder haben keine Lobby. Alle redeten über die Wirtschaft, aber es gab nur einen Kindergipfel.“ Den Kindern fehle das soziale Lernen, glaubt Hase. Und die Krise habe gezeigt, dass ein Drittel der Erzieher und Erzieherinnen derzeit aus Altersgründen nicht arbeiten können. „Das heißt doch, dass wir dringend Nachwuchs brauchen“, sagt der neue Kita-Leiter, „und dafür müssen wir Ausbildung und Beruf lukrativer machen.“ l

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