Höringen / Gehrweiler
Trotz bester Nachbarschaftshilfe: Höringer wollen wieder eine Feuerwehr
Das Einsatzfahrzeug ist längst abgerückt, das frühere „Gerätehaus“ dient heute dem Dorfladen als Lagerstatt: Als einziges Dorf in der Verbandsgemeinde Winnweiler kann die Gemeinde Höringen keine eigene Löscheinheit aufweisen. Das aber soll sich in absehbarer Zeit ändern: Immerhin 18 „junge bis mittelalte“ Frauen und Männer haben Bereitschaft bekundet, im Notfall vereint zur Einsatzstelle zu eilen.
Klar ist aber: Eine Wehr auf die Beine zu stellen, das geht nicht von heute auf morgen. „Bis die richtig einsatzfähig ist, das wird noch dauern“, weiß Rudolph Jacob. Selbst als aktiver Feuerwehrmann für höchste Führungspositionen qualifiziert, weiß der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Winnweiler – mithin kraft Amtes oberster Brandschützer der VG – am allerbesten, wie wichtig profunde Ausbildung ist. Zumindest die Grundausbildung muss absolviert sein. Dass jeder ab 16 einfach so ein Strahlrohr in die Hand nehmen darf, diese Zeiten sind ja längst vorbei.
Nachbar-Wehr schnell genug da
Aus diesem Grund wird auch die grenzübergreifende Nachbarschaftshilfe weiterhin hohe Bedeutung behalten. Wenn’s in Höringen brennt – oder die Hilfe der Brandschützer anderweitig gefragt ist – rücken stets als Erste die Wehrleute aus Gehrweiler an. Die sind ob der geringen Entfernung schnell genug, um der gesetzlich geforderten Einsatzgrundzeit zu genügen. Allerdings: Stünde im Ort eine einsatzfähige Wehr bereit, wäre sie eben doch ein paar Minütchen schneller. Schlimmsten- beziehungsweise bestenfalls könnte dieser Umstand durchaus mal lebensrettend sein.
Jacob kann jedenfalls Gründe zur Genüge aufzählen, welche Vorzüge eine örtliche Wehr hat. Der Bürgermeister ist Verfechter des Konzepts, die Kräfte nicht an wenigen Stützpunkten zu bündeln, sondern möglichst viele, gern auch mal kleinere, Einheiten in Bereitschaft zu sehen. Der Zeitfaktor ist das eine. Zudem sei – „trotz GPS und Navi“ – die Ortskenntnis nicht selten ein entscheidender Faktor. „Die Flächenlagen nehmen auch zu“, spricht Jacob einen weiteren Umstand an: Gerade zurzeit drohen Brände im Wald, auf Feld und Flur. Gut möglich, dass mehrere Wehren gleichzeitig ausrücken müssten; da könne es auf jede Einheit ankommen. Nicht zuletzt fülle die Feuerwehr neben ihren ureigenen Aufgaben auch eine nicht eben unbedeutende Rolle innerhalb der Dorfgemeinschaft aus.
Vorab einige Klinken geputzt
Dass stolze 18 „junge bis mittelalte“ Kräfte, wie es Jacob formulierte, ihre Bereitschaft bekundet hätten, findet der Bürgermeister erstaunlich. Sogar gut 30 waren zu einem Informationsabend gekommen, nachdem die Initiative für die Neu-Mobilisierung einer Ortsfeuerwehr angestoßen war. Treibende Kraft sei Ortsbürgermeisterin Brigitte Enders gewesen. Sie sei Klinken putzen gegangen, habe allerdings bei Christian Füllert die Klinke gar nicht erst zu fassen gekriegt, weil sie dem Vernehmen nach beim Wehrleiter der Verbandsgemeinde offene Türen eingerannt hat.
Weil die vereinten Anstrengungen schon früh zu fruchten scheinen, geben sich die Verantwortlichen denn auch recht optimistisch. Jacob ist sicher, dass es klappen wird. Ein Einsatzfahrzeug sei schnell zur Verfügung zu stellen. Im Zuge einer Neubeschaffung sei in der VG eins verfügbar geworden. Auch die Frage der Unterkunft sei leicht zu beantworten: Die Ortsgemeinde habe schon eine Unterstellmöglichkeit im Auge, die zumindest fürs Erste genüge. Auch die persönliche Ausrüstung der Wehrleute stellt ohnehin die Verbandsgemeinde.
Winnweilerer Fahrzeug bleibt in Gehrweiler
Vor zehn Jahren ist die Höringer Wehr offiziell aufgelöst worden. Doch schon zuvor war sie weitgehend entschlummert. Dass seither die Gehrweilerer verstärkt in die Bresche gesprungen waren, mag für die dortige Wehr selbstverständlich sein. Ist es aber letztlich nicht. Vor allem, weil die Nachbarschaftshilfe über VG-Grenzen hinweg reicht. Gehrweiler gehört ja zur Verbandsgemeinde Nordpfälzer Land, mithin zu einer anderen Feuerwehr. Probleme aber hat dies nie bereitet, zumal sich die Winnweilerer nicht nur mit Worten für die stete Hilfe dankbar zeigen.
Die VG Winnweiler hat den Gehrweilerern sogar ein Fahrzeug zur Verfügung gestellt: Den Unimog aus Bundeswehr-Beständen hat sie gratis erhalten – mit der Maßgabe, ihn zehn Jahre lang für Brand- und Katastrophenschutzzwecke zu nutzen, wie Jacob erläutert. Aufgemöbelt und einsatzfähig gemacht haben ihn in ungezählten Arbeitsstunden Wehrleute und Angehörige des Feuerwehr-Fördervereins Gehrweiler.
Im Hochwasser-Einsatz schon bewährt
Holt Winnweiler das Fahrzeuge jetzt zurück? „Natürlich nicht“, betont Jacob. Vielmehr soll es nach den zehn Jahren den Nachbarn übereignet werden. Bis dahin stemmt die VG Winnweiler auch noch die Unterhaltung des Einsatzfahrzeuges, das unter anderem auch schon im Flutkatastrophen-Gebiet wertvolle Dienste geleistet hat. „In Kordel bei Trier hat es sich bestens bewährt“, sagt Dominik Gebhardt, Stellvertretender Wehrführer in Gehrweiler, der dort mit von der Partie war.