Rockenhausen RHEINPFALZ Plus Artikel Straftaten: Im Westkreis höchster Stand der letzten zehn Jahre

2023 haben sich im westlichen Kreisteil die Verstöße gegen die sexuelle Selbstbestimmung verdoppelt. Häufig handelt es sich um T
2023 haben sich im westlichen Kreisteil die Verstöße gegen die sexuelle Selbstbestimmung verdoppelt. Häufig handelt es sich um Taten im Zusammenhang mit der Erstellung und/oder Verbreitung von kinderpornografischen Schriften. Allerdings steht der Anstieg der Fallzahlen auch im Zusammenhang mit der Gründung einer entsprechenden Fachabteilung bei der Polizei. Dadurch werden mehr Delikte als zuvor aufgedeckt.

Durchschnittlich vier Straftaten pro Tag hat die Polizei Rockenhausen 2023 im westlichen Kreisteil registriert. Das ist der höchste Wert in den vergangenen zehn Jahren. Nicht immer lässt sich der Anstieg erklären. Und es gibt auch Erfreuliches zu berichten.

1494 Delikte wurden voriges Jahr im Zuständigkeitsbereich der Polizeiinspektion (PI) Rockenhausen – den Verbandsgemeinden Nordpfälzer Land und Winnweiler – zur Anzeige gebracht. Das sind 190 mehr als 2022, was einem Anstieg von fast 15 Prozent entspricht.

Zahlen die der stellvertretende PI-Leiter Erik Dörr relativiert: Zum einen seien jährliche Schwankungen in einem gewissen Rahmen normal und oft auch dem Zufallsprinzip geschuldet. Zum anderen bedeute eine höhere Anzahl an Straftaten in der Statistik nicht automatisch, dass die Kriminalität in diesem Bereich zugenommen hat – sondern zunächst einmal nur, dass mehr Vergehen gemeldet beziehungsweise entdeckt worden sind. Was daher unter Umständen auch positiv gedeutet werden kann.

Kinderpornografie: Ursprung oft nicht in unserer Region

Dennoch: Im Zehn-Jahres-Vergleich bedeuten die knapp 1500 Fälle Rekord, gefolgt von den Jahren 2014 (1480) und 2018 (1419). Vor allem drei Zuwächse fallen ins Auge. So haben sich die Verstöße gegen die sexuelle Selbstbestimmung mit 62 gegenüber 2022 verdoppelt (31). Bei fast der Hälfte der Fälle (30) handelt es sich laut PI um Taten im Zusammenhang mit der Erstellung und/oder Verbreitung von kinderpornografischen Schriften. Häufig handelt es sich um strafbare Handlungen, die im Zuge bundesweiter oder internationaler Ermittlungen den vor Ort zuständigen Polizeipräsidien gemeldet werden. Die illegalen Fotos und Videos werden von PC zu PC, von Handy zu Handy weitergegeben, bis sie irgendwann in unserer Region „landen“.

Der starke Anstieg der Fallzahlen im Vorjahr sei nicht zuletzt der Gründung einer entsprechenden Fachabteilung bei der Kriminaldirektion Kaiserslautern geschuldet, so die PI. Dort kümmern sich Beamtinnen und Beamte verstärkt um Taten gegen die sexuelle Selbstbestimmung, speziell Kinderpornografie. Mit Beschlagnahmung des Beweismaterial ist in den meisten Fällen auch der Täter überführt – das zeigt die Aufklärungsquote, die mit 95,2 Prozent nochmal höher als 2022 (90,3) liegt.

Mehr Rohheitsdelikte und Rauschgiftkriminalität

Keine direkte Erklärung hat Dörr für die Zunahme der Rohheitsdelikte – dazu zählen etwa Raub, Körperverletzung, Nötigung oder Bedrohung – um 56 auf 304. Höchstens, dass der Umgang in der Gesellschaft miteinander nicht nur verbal rauer wird – das sei aber ein Stück weit Spekulation und nicht empirisch zu belegen.

Auf der Hand liegt hingegen, dass die Verkehrs- und Personenkontrollen in einem weiteren Sektor Früchte tragen: 133 Fälle von Rauschgiftkriminalität hat die PI 2023 festgestellt – 27 mehr als im Jahr zuvor. Überwiegend wurden Verstöße mit Cannabis – hier ist Dörr angesichts der gesetzlichen Legalisierung auf die künftige Entwicklung gespannt – und Amphetamin entdeckt. Die Aufklärungsquote ist auch hier nochmal gestiegen: von 92,4 auf 97,7 Prozent.

Hohe Aufklärungsquote

Apropos: Insgesamt hat die Rockenhausener Polizei bei fast drei von vier Straftaten den oder die Verursacher ausfindig machen können. Mit 73,6 Prozent lag die Quote etwas über dem Vorjahr (72) und sogar deutlich höher als die Vergleichswerte des Landes (64,5) und des Polizeipräsidiums Westpfalz (69,8). Ebenfalls erfreulich: Eine Straftat gegen das Leben hat die PI 2023 nicht verzeichnet.

Nicht zuletzt ist trotz der allgemeinen Zunahme der Fälle die Wahrscheinlichkeit, im Westkreis Opfer einer Straftat zu werden, deutlich geringer als in anderen Gegenden. Das zeigt die sogenannte Häufigkeitszahl: Sie besagt, wie viele Straftaten in einer Gegend (hochgerechnet) auf 100.000 Einwohner entfallen. Landesweit sind das 5834, für das Polizeipräsidium Westpfalz (6622) sowie die Polizeidirektion Kaiserslautern (7348) liegt das Verhältnis noch darüber. Dagegen lebt es sich im Bereich der PI Rockenhausen noch relativ sicher: Hier beträgt der Wert 4838.

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