Höringen / Morschheim
So geht es mit den letzten beiden Dorfläden im Kreis weiter
Die verbliebenen Dorfläden im Donnersbergkreis stünden vor einer sehr schwierigen Zukunft, hatte es zuletzt immer wieder geheißen. Inzwischen aber ist in Höringen und Morschheim die Zuversicht zurückgekehrt. Hartnäckig suchten die Verantwortlichen nach Lösungen, und eine außergewöhnliche Kooperation eröffnet den Läden nun neue Möglichkeiten.
Dabei tun es die Mitarbeiter der beiden Dorfläden künftig zunächst einmal ihren Kunden gleich – sie gehen einkaufen. Denn nachdem Ende 2023 die bisherige Zusammenarbeit mit dem Zulieferer und Großhändler Edeka Foodservices geendet hatte, weil dieser die Preise um durchschnittlich 30 Prozent erhöht hatte, brauchte es neue Lösungen. Die fand man jeweils bei lokalen Edeka-Märkten, die letztlich nur bedingt etwas mit dem vorherigen Partner zu tun haben. In Morschheim kooperiert man künftig mit Franz Röss und dessen Märkten in Kirchheimbolanden und Albisheim. Die Höringer arbeiten mit Markus Daigle zusammen, der die Edeka-Märkte in Winnweiler und Enkenbach-Alsenborn führt. Beide Kaufmänner gehen gemeinsam neue Wege mit den Dorfläden, gewähren diesen Rabatte, während die Mitarbeiter der Läden – fast wie normale Kunden – mit dem Einkaufswagen durch die Märkte fahren, um für die Dorfläden einzukaufen.
Busch: „Dorfladen erstmal gesichert“
„Die Preise sind für uns akzeptabel und ermöglichen es uns, ohne Preiserhöhungen unser Angebot im Laden aufrechtzuerhalten“, freut sich Klaus Busch, Zweiter Vorsitzender des Vereins „Lebensraum Dorf Höringen“ und verantwortlich für den Dorfladen. Er berichtet von einer intensiven Lösungssuche, nachdem man die Zusammenarbeit mit dem Großhändler nach dessen heftiger Preiserhöhung gekündigt hatte. Eine bessere Lösung als die nun gefundene gebe es aktuell schlicht und einfach nicht, sagt Busch. „Wir haben mit unserer Idee bei Herrn Daigle allerdings offene Türen eingerannt“, erklärt er. Mehrmals wöchentlich fahren nun Mitarbeiter nach Winnweiler und besorgen das, was im Laden benötigt wird. „Bei größeren Anschaffungen, wie beispielsweise Getränkekisten, können wir auch direkt mit einem Anhänger zum Markt kommen, und die Waren werden aufgeladen“, schildert Busch. Abgerechnet werde dann immer zum Ende des Monats. Daigles Edeka-Markt habe davon wenig, verliere aber auch nichts. Für den Dorfladen in Höringen jedoch sei die Unterstützung enorm. „Denn der ist damit erstmal gesichert“, freut sich Klaus Busch.
Ähnlich zufrieden zeigt sich Timo Wahl, der Morschheimer Ortsbürgermeister. Im November hatte er davon gesprochen, dass man bis zum Jahresende dringend eine Lösung brauche, um den Dorfladen zu retten. Diese scheint nun gefunden – in gemeinsamen Gesprächen mit Kreisverwaltung, Dorfläden und Marktbetreiber Franz Röss. „Und da muss man auch mal ein großes Lob aussprechen. Es ist ein toller sozialer Zug, uns auf diese Art zu helfen“, freut sich Timo Wahl. Wie die Höringer fahren nun auch die Mitarbeiter aus Morschheim mindestens einmal pro Woche zum Einkaufen in einen der Edeka-Märkte, besorgen das, was eben gerade benötigt wird. „Klar ist das für unser Personal auch ein gewisser Mehraufwand, und manche Abläufe mussten umstrukturiert werden“, erklärt Wahl. Vorteile gebe es aber eben auch. „Wir können nun Produkte auch in geringeren Mengen kaufen, sind nicht an große Gebinde gebunden.“ Das sei besonders bei schnell verderblichen Lebensmitteln, wie etwa Molkereiprodukten, ein wichtiger Schritt. Schließlich gehe es ja auch darum, weniger Waren zu entsorgen.
Mehr Kunden – bessere Perspektiven
„Ich bin selbst ein Dorfmensch, für mich ist das Thema Dorfladen auch eine Herzenssache“, sagt Franz Röss, der aus Biedesheim stammt. Daher stünden bei einer solchen Entscheidung die wirtschaftlichen Aspekten nicht im Vordergrund. „Ich weiß, wie wichtig eine Grundversorgung für die Dörfer ist“, fügt er an. Zudem gebe es keinen wirklichen Mehraufwand für seine eigenen Mitarbeiter. Die Morschheimer kaufen mit einer Rabattkarte ein, am Monatsende wird abgerechnet – fertig. Timo Wahl will dieses Modell nach ein paar Monaten nochmal analysieren. Wie in Höringen ist man aber auch in Morschheim optimistisch, mit dieser außergewöhnlichen Kooperation einen Weg gefunden zu haben, die letzten Dorfläden im Donnersbergkreis am Leben zu halten.
„Das ist natürlich besonders für unsere Stammkunden, vorwiegend Senioren, enorm wichtig“, freut sich Timo Wahl. Doch auch weitere Kunden würden helfen, die Perspektive der Läden zu verbessern. „Viele kaufen morgens ihre Backwaren im Laden. Wer da noch eine, zwei Kleinigkeiten mehr für den täglichen Bedarf einkauft, würde uns schon sehr helfen“, betont Wahl. Dazu merkt der Höringer Klaus Busch an: „Viele glauben ja, dass der Dorfladen deutlich teurer wäre als die Supermärkte, aber das stimmt so gar nicht.“ Beispielsweise hätten die Weine die gleichen Preise wie bei den Winzern, das Brot sei auf dem Preisniveau wie beim Bäcker. „Unser Angebot ist wenn, dann nur unerheblich teurer“, so Busch. Und für diesen geringen Aufpreis spare man ja unter anderem einen weiteren Anfahrtsweg und damit auch Zeit.
