Donnersbergkreis
Schulstart am Montag: „Es wird nicht einfach werden“
Geprägt sein werden dieser Schulstart und die sich anschließenden Wochen von einer ganzen Staffel an Schutz- und Vorsichtsmaßnahmen. Abstandsregeln, eng begrenzte Gruppengrößen, Wegeführungen für die Bewegung in den Schulhäusern und vieles andere mehr. Von massiven Vorbehalten bei Eltern, Schülern und Lehrern gegen den Neustart mit den Abschlussklassen war in den drei Schulen, mit denen die RHEINPFALZ gesprochen hat, nicht die Rede. Es herrscht Zuversicht, aber auch die Gewissheit, dass ein Erfolg an der strengen Beachtung aller Schutzvorkehrungen hängt.
WEG startet erst am Dienstag
Das Wilhelm-Erb-Gymnasium in Winnweiler kann sich den Schulneustart im Umland noch einen Tag länger von außen ansehen. Dass am WEG der Unterricht erst am Dienstag beginnen wird, hat aber laut Schulleiter Ralf Schäfer nichts mit der Pandemie zu tun. Für den Montag wird ein beweglicher freier Tag eingesetzt, mit dem der letzte „Tag der offenen Tür“ der Schule abgegolten wird – Erinnerung an normale Zeiten, als das noch möglich war. „Das steht aber schon seit November fest“, so Schäfer zu diesem einen Tag. Als weitere Besonderheit kündigt er an, den Hygieneplan zu erweitern: Vorm Eingang wird ein Spender für Desinfektionsmittel aufgebaut. Angeschafft habe die Schule ihn aus ihrem Budget, da der Landkreis es nicht habe finanzieren wollen, merkt der Schulleiter kritisch an. „Überall steht so was“, hält er eine solche Hilfe, das Virus über Händedesinfektion draußen zu halten, gerade bei einer Schule für sehr angebracht.
Kommen werden am Dienstag erstmal rund 125 Schülerinnen und Schüler, etwa 35 aus den zehnten Klassen, die übrigen aus den Jahrgangsstufen 11 und 12. In der Zehnten werde mit Halbklassen gearbeitet, die wöchentlich wechseln – 15 Schüler sind die Obergrenze pro Klassensaal und Gruppe. In der Oberstufe sei es insofern einfacher, da ein Großteil der Grund- und Leistungskurse unter dieser Grenze liege. Sind die Kurse größer, müssten sie auf zwei Räume verteilt werden.
E-Learning läuft weiter
Starten werde dieser erste Schultag seit dem Shut-Down Mitte März mit Klassenleiterstunden, in denen die jungen Leute vor allem zu den strengen Hygieneregeln instruiert werden – Abstandsgebote, Maskenpflicht in den Pausen und auf den Fluren, die Frage, wie man sich im Haus bewegt, und ähnliches.
Dass sich eine so vergleichsweise geringe Zahl an Schülern durch das Kollegium gut handeln lasse, sei ein Trugschluss. „Das E-Learning für die Klassen fünf bis neun läuft ja weiter“, betont Schäfer, dass ein Großteil des Kollegiums gebunden sei an die Betreuung ihrer Klassen via Internet. Hinzu komme die Rücksicht auf Lehrer über 60 Jahre und in gesundheitlichen Risikogruppen. Darunter falle etwa ein Fünftel des Kollegiums, „die können nur im E-Learning eingesetzt werden und fehlen mir im Unterricht“. Auch bei anderen Stellschrauben setzen die Hygieneregeln Grenzen. Könne man in „normalen“ Zeiten bei Ausfällen auch mal zwei Klassen zusammenlegen, so seien solche Lösungen jetzt völlig ausgeschlossen. Und die Schwierigkeiten würden nicht geringer, wenn später weitere Klassen dazukämen. „Wir werden auf dem flachen Land auch ein Problem mit dem ÖPNV kriegen“, fügt er an mit Blick auf versetzte Unterrichtszeiten.
„Wir werden in diesem Schuljahr nur noch Flickschusterei machen können“, meint Schäfer. Aber es gebe auch Chancen, gerade das E-Learning habe einen Schub bekommen und die Kompetenzen von Schülern wie Lehrern im Umgang mit virtuellen Unterrichtsplattformen und Geräten spürbar erweitert. Die Plattform „Moodle“ sei zuvor ein „Stiefkind“, gewesen. „Ich kann sagen, dass Moodle sehr vernünftig läuft“, bewertet Schäfer die intensiven Erfahrungen der letzten Wochen. Datenschutz sei allerdings bei manchen eingesetzten Programmen schon ein Problem.
„Ich glaube, alle sind froh, dass es wieder losgeht“, so Schäfers Eindruck von der Stimmungslage. Beim Blick auf die Unterrichtsverordnungen geht Schäfer davon aus, dass in diesem Schuljahr jeder das Klassenziel erreichen werde, zumal bis dato E-Learning auch nicht bewertet werden könne.
„Erwartungen und Hoffnungen“
„Wir freuen uns sehr, haben Erwartungen und Hoffnungen, doch es ist auch ein großes Wagnis, und es wird nicht einfach werden“, sagt Jörg Oeynhausen, Rektor der Kirchheimbolander Georg-von-Neumayer-Schule. Sein Appell: Dass alle sich streng an die Regeln halten, damit die Erwartungen und Hoffnungen sich erfüllen können.
Zwischen 70 und 80 Schüler der neunten und zehnten Jahrgangsstufen werden am Montag in seiner Realschule plus zurückerwartet, auch hier in Teilgruppen. Für die spezielle Situation hat die Schule ihre Hausordnung angepasst, ein eigenes Hygienekonzept erstellt mit besonderen Vorgaben für die Reinigung neuralgischer Stellen wie der Toiletten, der Türklinken, der Tische. Ein Wegekonzept soll das Abstandhalten unterstützen: „Rechts gehen, hintereinander gehen, Abstand halten, Maske tragen“. Maskenpflicht gilt auf den Fluren und in den Pausen, nicht aber im Unterricht. Verstärkt werden die Aufsichten.
Es werde nicht einfach, betont Oeynhausen. Vier seien Kollegen gehörten zu Risikogruppen und stünden für den Präsenzunterricht nicht zur Verfügung, auch bereite ihm Sorge, dass die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion zur Zeit keine Vertretungsverträge zulasse, für die es nach der Stellenreduzierung einer Lehrerin im Haus Bedarf gebe. Und die von Bundesbildungsministerin Karliczek eröffnete Perspektive, dass E-Learning auch im nächsten Schuljahr notwendig sein werde, ist für Oeynhausen Anlass, auf die Glasfaseranbindung seiner Schule zu drängen. Damit solle nicht auf den für nächstes Jahr angekündigten Ausbau der Heinrich-von-Brunck-Straße, an der die Schule liegt, gewartet werden. Höhere Bandbreiten müssten aus seiner Sicht schon ab Sommer verfügbar sein.
Pausen zeitlich versetzt
Los geht es auch an den Grundschulen – wie etwa in Göllheim. Dort wird am Montag, zusätzlich zu den bislang vier bis fünf Kindern in der Notbetreuung, mit 30 Viertklässlern gestartet. Von jeder der drei „Vierten“ in der Grundschule am Königspfad werde je die Hälfte zu diesem Rückstart in den Präsenzunterricht kommen. „Die andere Hälfte kommt dann in der Woche darauf“, so Schulleiterin Heike Keller. Um die Aufteilung der Gruppen hätten sich die jeweiligen Lehrer gekümmert, „die kennen die Kinder und wissen, wie es am besten passt.“
Was die Hygienevorgaben angeht, werde alles getan, was organisatorisch möglich ist. Auf die Abstandsregeln werde geachtet, die Klassen beginnen zeitlich versetzt – die ersten kämen schon um 7.15 Uhr –, die Kinder gingen auch zeitlich versetzt in die Pausen, so dass nie mehr als zehn Kinder in der Pause seien, dann müsse auch Mundschutz getragen werden. Falls Kinder keinen Mundschutz mitbrächten, könne ausgeholfen werden. „Die Verbandsgemeinde hat uns mit Einmalmasken ausgestattet“, so die Rektorin, am Montag bekomme man zudem Masken, die das Land zur Verfügung stellt.
Aber bei allen Vorsichtsmaßnahmen bleibe zu bedenken: „Das sind Kinder! Die sind nicht leicht auf Abstand zu halten.“ Da werde entsprechender Personaleinsatz in der Schule erforderlich. Für eine gebotene pädagogische Gestaltung der Pausen habe sich die Sportlehrerin im Kollegium etwas ausgedacht.
Keller kann auf ihr ganzes Team zurückgreifen. Auch Kollegen in Risikogruppen wollen freiwillig kommen. Im Kollegium werde der Start begrüßt, auch von Eltern habe sie keine Vorbehalte vernommen, so Keller. Im Hinblick auf den weiteren Aufwuchs, mit dem sich die Schule auf längere Sicht wieder stärker füllen und die Regeln schwieriger einzuhalten werden, hätte sie es indes begrüßt, wenn man, so wie jetzt mit den Vierten, die anderen Jahrgangsstufen nur abwechselnd und gruppenweise im Haus hätte.