Kirchheimbolanden
Rund um das Thema Geburt gelten am Westpfalz-Klinikum derzeit besondere Regeln
Es sei ein großer Luxus, dass in Kirchheimbolanden an der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe Väter zu jeder Zeit – selbst während der striktesten Phase des Corona-Lockdowns – bei der Geburt ihres Kindes dabei sein können. „Ich finde das auch sehr wichtig“, sagt Cindy Paulus, „nicht zuletzt wegen der mentalen Unterstützung für die werdende Mutter“.
Paulus hat am Kirchheimbolander Klinik-Standort die Kreißsaalleitung inne und erklärt die aktuell dort geltenden Regeln: Zwar sei es den Vätern untersagt, bei Kontrolluntersuchungen im Vorfeld der Geburt dabei zu sein. Ab regelmäßigem Wehenbeginn oder wenn die Frauen Unterstützung brauchen, dürfen sich werdende Väter aber im Krankenhaus aufhalten. Insbesondere zu Beginn der Corona-Krise habe es diesbezüglich jede Menge Verunsicherung gegeben, erzählt Paulus. „Das Telefon hat bei uns überhaupt nicht mehr still gestanden.“ Kein Wunder: Die Krankenhäuser hatten das Thema Geburt und Anwesenheit der Väter durchaus unterschiedlich gehandhabt. „Auch die Auswirkungen des SARS-CoV-2-Erregers auf Neugeborene waren ja alles andere als klar und bekannt“, betont Paulus. Ein paar Fragezeichen gebe es diesbezüglich auch immer noch, doch gehe man derzeit davon aus, dass die Wahrscheinlichkeit der Ansteckung eines Neugeborenen bei der Geburt – sollte die Mutter positiv auf das Coronavirus getestet worden sein – nicht allzu hoch ist.
Angst vor „Corona-Geburt“
„Bei uns im Kreißsaal hatten wir einen solchen Fall bisher nicht“, sagt Paulus. Diejenigen Fälle, von denen bundesweit in den Medien berichtet wurde, hätten allerdings bei vielen werdenden Müttern ein Horrorszenario ausgelöst: dass sie nämlich in solch einem Fall über Wochen von ihrem neugeborenen Kind getrennt würden. „Mittlerweile haben sich die Schwangeren aber an die Situation gewöhnt und sind entspannter geworden“, berichtet Paulus. „Die Panik hat sich gelegt.“
Wenn sie dies möchten, dann dürfen Väter nach der Geburt ihres Kindes im Westpfalz-Klinikum in einem Familienzimmer bei Frau und Kind bleiben. Und zwar solange sie wollen. Bis vergangene Woche war eines allerdings verboten: die kurze Stippvisite zu Hause mit anschließender Rückkehr zu Frau und Kind. „Das war nicht erlaubt, und wir mussten da leider sehr strikt sein“, sagt Paulus. Insbesondere dann, wenn es zu Hause bereits ältere Geschwister gab, hätten deshalb viele Väter nach der Geburt den Heimweg angetreten.
Dass es auf der Wochenbettstation keinerlei „Publikumsverkehr“ gab, habe aus medizinischer Sicht allerdings auch positive Effekte gehabt: „Es war viel ruhiger auf unserer Station, und es gab weniger Probleme beim Stillen. Weil die Frauen einfach weniger gestört wurden.“ Mittlerweile seien die Beschränkungen allerdings gelockert worden: Eine Stunde Besuch von nahen Verwandten ist auf der Wochenbettstation derzeit erlaubt, und Väter erhalten nach der Geburt ihres Kindes nur noch die Empfehlung, möglichst durchgängig im bezogenen Familienzimmer zu bleiben.
Online-Angebote gern genutzt
Geburtsvorbereitungskurse kann Cindy Paulus aktuell nur online als Videokonferenz anbieten. Bei insgesamt zehn Teilnehmern könne man den geforderten Mindestabstand von 1,5 Metern in den am Westpfalz-Klinikum zur Verfügung stehenden Räumen nicht gewährleisten. Und kleinere Kurse rechneten sich für sie als Hebamme nicht, erklärt Paulus. Anfangs sei sie bezüglich eines digitalen Angebotes skeptisch gewesen. Die Vorgaben der Krankenkassen: Der Kurs muss „live“ sein und die Teilnehmerinnen müssen die Möglichkeit haben, Fragen zu stellen.
Das Ganze funktioniere aber besser als gedacht, berichtet die 27-jährige Hebamme, und auch in diesem Fall sei ein positiver Effekt zu verzeichnen: „Wenn der Online-Kurs um 18.30 Uhr beginnt, dann öffne ich die Plattform schon eine halbe Stunde früher, sodass ein Austausch der Schwangeren untereinander stattfinden kann.“ Das werde auch sehr gerne genutzt, denn aufgrund von Kontaktbeschränkungen könne man die eigene Schwangerschaft und damit einhergehende Sorgen und Nöte nur eingeschränkt mit anderen teilen.
Cindy Paulus ist auch als freiberufliche Hebamme tätig. Wenn sie frischgebackene Mütter zu Hause besucht, dann muss sie sich aktuell an einige Vorgaben halten: Vermeidbare Hausbesuche, etwa für eine Beikostberatung, sollen ebenfalls als Videoberatung stattfinden; bei unvermeidbaren Hausbesuchen sind Hebammen angehalten, so gut es geht Abstand zu halten. In der Konsequenz heißt das: Die Eltern sollen so viele Handgriffe wie möglich selbst machen. Einen Mund-Nasen-Schutz müssen Hebammen bei ihrer Arbeit derzeit immer tragen, bei einem Covid-19-Verdachtsfall in einer zu besuchenden Familie ist Schutzkleidung vorgeschrieben: ein Schutzkittel, eine FFP-2-Maske, Handschuhe und eine Schutzbrille oder ein Schutzvisier.
Familienhebammen unterstützen
Anlaufstelle für alle Schwangeren, Mütter und (werdende) Familien, die sich in einer besonderen belasteten Lebenssituation befinden, sind die sogenannten Familienhebammen. Bis zu einem Jahr nach der Geburt eines Kindes gehen sie in Familien; die Unterstützung findet zusätzlich zur regulären Hebammenbetreuung statt. „Unsere Aufgabe ist die Beratung und Vermittlung, sollten individuelle Probleme oder auch partnerschaftliche Sorgen bestehen“, erklärt Julia Gaab. Als Familienhebamme hat sie ihr Büro in der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe in Kirchheimbolanden. „Das Angebot ist kostenlos“, fügt Gaab hinzu und betont vor allem eins: „Gespräche mit einer Familienhebamme finden immer in einem vertraulichen Rahmen statt. Das Gesagte taucht weder in einer Patientenakte auf, noch verlässt es mein Büro.“