Lohnsfeld
Hitzige Storchen-Kämpfe um die besten „Bauplätze“
Seit sich 2014 beziehungsweise 2017 zwei Storchenpaare nahe der Pulvermühle niedergelassen haben, gab es für ihre vielen Nordpfälzer „Fans“ eine Menge Grund zur Freude: Jedes Jahr haben in den beiden Nestern mehrere Babys das Licht der Welt erblickt, wurden von ihren Mamas und Papas gefüttert, sind dann flügge geworden und schließlich im Herbst mit ins südliche Winterquartier geflogen. Hier bleiben die Jungtiere üblicherweise drei, vier Jahre bis zum Erlangen der Geschlechtsreife. Ihre Eltern kehrten dagegen im folgenden Frühjahr stets in unsere Region zurück. Der Kreislauf der Natur, nicht nur von der Donnersberger Nabu-Gruppe mit lachendem Herzen begleitet, begann von Neuem.
Die Begeisterung im selbst ernannten Storchendorf (diese Aufschrift ziert Schilder am Ortseingang) für ihre Ehrenbürger war jedenfalls so groß, dass die Lohnsfelder in eigener Regie weitere drei Masten haben aufstellen lassen: Einer ersetzte den maroden Hochsitz, auf dessen Dach eines der beiden Pärchen zunächst genistet hatte. Der zweite wurde ebenfalls auf diesem Areal errichtet, während der dritte am entgegengesetzten Ortseingang an der „alten“ Straße nach Winnweiler platziert worden ist. Insgesamt stehen damit vier potenzielle Brutstätten zur Verfügung, von denen bislang nur zwei besetzt gewesen sind. Weshalb einheimische und auswärtige Vogelfreunde stets der Hoffnung waren, dass sich weitere Exemplare hier ansiedeln wollen.
Nachwuchs aus dem Nest geworfen
Nun geht es aber nicht nur bei den Menschen, sondern auch und gerade im Tierreich keineswegs immer friedlich zu. Erste Risse hatte die heile Storchen-Welt schon 2019 erhalten, als einer der beiden männlichen Störche – vermutlich bei einer Kollision mit einem Fahrzeug auf der nahe vorbeiführenden A 63 – ums Leben gekommen ist. Allzu lange trauerte die Witwe allerdings nicht: Nur wenige Tage darauf setzte sich ein neuer Partner im wahrsten Wortsinn ins gemachte Nest. Den Nachwuchs seines Vorgängers akzeptierte er allerdings nicht und warf diesen – nachdem er ihn mit seinem Schnabel traktiert hatte – kurzerhand aus seinem neuen Domizil. Dabei ist einer der Jungvögel gestorben, zwei wurden verletzt.
In der vergangenen Woche ist es nun erneut zu handfesten Streitigkeiten im Adebar-Revier gekommen. Denn offenbar hat es für die beiden noch freien „Bauplätze“ gleich mehrere Interessenten gegeben. So hat die Lohnsfelderin Claudia Kube, die zu den regelmäßigen Storchen-Kiebitzen zählt, ein neues Pärchen auf dem dritten Pulvermühlen-Mast entdeckt, das von zwei weiteren Vögeln heftig attackiert worden ist – offensichtlich mit dem Ziel, die beiden Bauwilligen von dort zu vertreiben. Das ist ihnen aber wohl nicht gelungen: Gemäß dem bekannten, leicht abgewandelten Motto „Wer zuerst kommt, nistet zuerst“ haben die beiden Mast-Hocker ihr neues Domizil verteidigt. Wie der Hochsteiner Manfred Benner beobachtet hat, treiben sie dort den Bau ihres Eigenheims und anscheinend auch bereits die Nachwuchsplanung voran. So etwas nennt man bei uns Nägel mit Köpfen machen …
Das Recht des Stärkeren
Das war allerdings nicht die letzte Nachricht, die in den vergangenen Tagen von der Storchen-Front in unsere Redaktion hineingeflattert ist. Denn kurz darauf ist auch um den letzten freien Masten am Ortsausgang Richtung Winnweiler eine vehemente Auseinandersetzung entbrannt. Ob in den Kampf auch das Paar involviert gewesen ist, das zuvor im Scharmützel an der Pulvermühle den Kürzeren gezogen hatte? Reine Spekulation. Klar ist hingegen, dass die „Bauplatz-Vergabe“ hier anders als bei Menschen keine Frage des Geldes oder der Reihenfolge ist. Sie folgt vielmehr einem im wahrsten Sinn des Wortes natürlichen Gesetz: dem Recht des Stärkeren.
Die Geschichte ist damit aber noch nicht zu Ende: Denn Benner hat kurz darauf entdeckt, dass der so hart erkämpfte Einzel-Mast am nördlichen Ortsausgang samt dem noch rudimentären „Rohbau“ schon wieder verwaist ist. Stattdessen hat nun ein Storchen-Duo begonnen, in einem Baum nahe den drei Masten bei der Pulvermühle sein Lager zu errichten. Vielleicht war es das Paar, das zuvor gewaltsam von der anderen Brutstätte vertrieben worden ist. Oder den Siegern ist es am Einzel-Standort zu langweilig geworden und sie haben die Gesellschaft ihrer Artgenossen in den Lohnsbach-Auen gesucht.
„Gar nicht sooo lieb“
Wie auch immer: Jedenfalls ist es gut möglich, dass demnächst alle potenziellen Horste in und um den Ort „ausverkauft“ sind – was eindrucksvoll dessen Beliebtheit als „Storchendorf der Nordpfalz“ untermauert. Und möglicherweise gibt es ja in diesem Sommer viele hungrige Schnäbel zu stopfen. Wenn sich die Eltern rührend um die Jungen kümmern, sie beschützen und auf Nahrungssuche gehen, dann wirken die Vögel auf ihren staksigen Beinen bestimmt wieder harmlos und friedlich. Aber sie können auch anders, wie die vergangenen Tage eindrucksvoll gezeigt haben. Oder wie Manfred Benner in seiner E-Mail an die RHEINPFALZ geschrieben hat: „Diese Störche sind gar nicht sooo lieb, wenn es um etwas geht .“ So ist sie eben, die Natur…