Sippersfeld
Familienwald: Kinder begleiten ihren Baum beim Wachstum
Noch stehen nur wenige Bäume auf der Lichtung. Auf der einst von Fichten bewachsenen Fläche soll bald ein neuer Mischwald entstehen. „Jeweils 200 Esskastanien, Kiefern und Eichen sollen gepflanzt werden“, sagt der Betreuer des Projekts, Walfried Herrmann vom Kulturverein Sippersfeld (KVS).
Mit der Aufforstung sollen alle Bürger aus Sippersfeld und Umgebung, in erster Linie jedoch Familien angesprochen werden. Daher trägt das Projekt den Namen „Familienwald“. Für Kinder ist dabei eine besondere Aktion geplant: Je ein gepflanzter Baum darf mit einem Namensschild ausgestattet werden. „Mit dem Vornamen des Kindes“, präzisiert Herrmann. Doch obgleich pro Kopf nur ein Baum so ausgestattet werden kann, „dürfen natürlich mehrere Bäume gepflanzt werden“, fährt Herrmann fort – dann eben ohne Schild. So sollen die Kinder das Entstehen eines Waldes erleben und die von ihnen gepflanzten Bäume beim Wachstum begleiten können. An Hinweistafeln werden zudem die verschiedenen Baumarten erläutert.
Wärmende Verpflegung
Da der Familienwald unter freiem Himmel entsteht, ist die Pflanzaktion auch vom Wetter abhängig. „Bei einem Sturm müssen wir das Ganze verschieben“, sagt der Forstwirtschaftsmeister der Gemeinde, Valeri Ruks. Regen sei für die Teilnehmer zwar nicht das beste Wetter, aber: „Bei Regen herrschen die besten Pflanzbedingungen“, weiß Ruks. Falls es kalt wird, könne die Verpflegung vor Ort helfen. „Es gibt zwei Suppen“, sagt Walfried Herrmann.
2020 hatte die Witterung dem Vorhaben noch einen Strich durch die Rechnung gemacht. Da hätte die Aktion ursprünglich starten sollen. „Es hat zu selten geregnet“, erinnert sich Ruks. „Wir hätten die Pflanzen künstlich bewässern müssen.“ Das wäre jedoch nicht wirklich nachhaltig gewesen. Die Corona-Pandemie kam dann auch noch hinzu.
Fichten wurden gerodet
Dabei ist die Trockenheit mit dafür verantwortlich, dass der Familienwald überhaupt entstehen wird. „Die Fichten, die hier standen, mussten nach und nach gefällt werden“, schildert Ruks. Der Klimawandel hat sich bemerkbar gemacht. Ein Befall mit Borkenkäfern tat dann das Übrige. „Nur ein paar haben das überstanden“, fährt Ruks mit Blick auf die wenigen verbliebenen Bäume auf der Lichtung fort. Nun sollen sie bei der Aufforstung mithelfen. „Sie werfen Samen“, erläutert der Forstwirtschaftsmeister. Neben den Setzlingen sollen so auch auf natürliche Art und Weise neue Bäume entstehen.
Damit am 6. November dann auch losgepflanzt werden kann, müssen zunächst 600 Löcher ausgehoben werden. Das erledigen rund 15 Freiwillige am Tag zuvor. „Das sind Freunde des Kulturvereins“, sagt Walfried Herrmann. Neben Hacken und Schaufeln kommt dann bei schwierigeren Geländeabschnitten auch ein benzinbetriebener Erdbohrer zum Einsatz. „Der wird dann aber nur vom Profi bedient“, sagt Valeri Ruks lachend. Sollten die Arbeiten nicht rechtzeitig abgeschlossen werden, stehe das Forstamt bereit.
Verbissschutz hält Wild fern
Damit die frisch gepflanzten Setzlinge ungestört wachsen können, wird vorgesorgt. Ein Teil der jungen Bäume soll mit einem Bissschutz versehen werden. Der verhindert, dass sich beispielsweise Rehe an den jungen Pflanzen sattfressen. „Hier kommt ein Hordengatter zum Einsatz“, sagt Ruks mit Blick auf den oberen Teil des Geländes. Der dann umzäunte Bereich umfasst den größeren Teil der Aufforstungsfläche. So soll ebenfalls verhindert werden, dass sich Wild an den Pflanzen zu schaffen macht.
Finanziert wird das Projekt zum größten Teil mit Geld des Donnersbergkreises. „Wir haben die Förderung für nachhaltige Projekte erhalten“, berichtet Walfried Herrmann. „Am Anfang hatten Forst und Kulturverein Mittel zur Verfügung gestellt.“
Waldrand ist als nächstes dran
Auch ein weiteres Projekt wurde bereits bewilligt. Nachdem sich nun dem inneren Wald gewidmet wird, ist als nächstes der Waldrand dran. Dort sollen kleinere Bäume und Sträucher gepflanzt werden. „Wir haben das schon abgesprochen“, sagt Herrmann. „Der Landbesitzer ist einverstanden.“ Durch diese Maßnahme soll auch das Innere des Waldes geschützt werden. „Durch die kleiner werdenden Bäume und Sträucher entsteht eine Art Stufenform“, weiß Herrmann. „Diese fängt den Wind etwas ab.“ So sollen dann schwerere Sturmschäden an den Bäumen weiter hinten und somit auch weiterer Kahlschlag vermieden werden.
Auf lange Sicht soll sich die Aufforstung des Familienwaldes finanziell lohnen. „In der Zukunft könnte man das Holz verkaufen“, sagt Herrmann. Bis es jedoch so weit ist, werden wohl noch viele Jahrzehnte vergehen. „Ich pflanze den Baum, aber ernten werde ich ihn nicht mehr“, prognostiziert Ruks. Eine Kiefer brauche 50 bis 60 Jahre, um auszuwachsen. „Das dauert fast ein ganzes Menschenleben.“
Info
Die Pflanzung beginnt am Samstag, 6. November, um 10 Uhr an der Aufforstungsfläche „Buchwald-Kiefern“ im Gemeindewald Sippersfeld. Teilnehmer werden gebeten, sich frühzeitig anzumelden. Anmeldungen und weitere Informationen bei Walfried Herrmann unter Telefonnummer 06357 7335 oder per E-Mail an walfried.herrmann@t-online.de.