Jakobsweiler RHEINPFALZ Plus Artikel Eine fast 300 Jahre alte Glocke kehrt in ihr Dorf zurück

Vorerst steht sie in Dannenfels trocken und sicher: die 70 Zentimeter hohe frühere Jakobsweilerer Kirchenglocke.
Vorerst steht sie in Dannenfels trocken und sicher: die 70 Zentimeter hohe frühere Jakobsweilerer Kirchenglocke.

Es war einmal eine Kirchenglocke, die hatte ausgedient. Drei neue Klangkörper sollten sie ersetzen, sie passte akustisch nicht mehr in das Ensemble und wurde deswegen in ein Museum gebracht. Dort stand sie für eine sehr lange Zeit ohne Beachtung im Fundus. Läuten durfte sie nicht mehr. Nun soll sie bald wieder im Dorf zu bewundern sein.

Ein Märchen um eine Glocke? Höchstens ein kleines. Da muss man – im wahrsten Sinne des Wortes – die Kirche schon im Dorf lassen! Und die steht in diesem Fall in Jakobsweiler, einem überschaubaren Ort am Fuße des Donnersbergs. 1954 war das Jahr, das das Schicksal der Glocke besiegelte. Sie wurde aus dem Kirchturm entfernt; drei neue Glocken erklingen seitdem für die Gemeinde. Die alte Glocke fand im Fundus des damaligen Heimatmuseums in Kirchheimbolanden Platz.

So weit, so gut. Bewegung kam erst vor ein paar Jahren in die Geschichte. Walter Hahn, von 1989 bis 2004 Bürgermeister von Jakobsweiler, wurde auf die Existenz dieser Glocke aufmerksam. „Ältere Mitbürger haben mir davon erzählt, und auch über meine Kontakte, die ich als Vorstandsmitglied des Puppenstubenmuseums pflege, kamen Informationen zu mir“, erzählt der 72-Jährige. „Die Glocke ist nämlich schon etwas Besonderes. Eingraviert am unteren Rand findet sich folgende Inschrift: ,Goss mich Johann Michael Steiger Mannheim vor die Gemein Jakopsweiler Anno 1748’. Sie ist also fast 300 Jahre alt!“ In dieser Zeit kam die Glocke im Dorf zum ersten Mal zum Einsatz, und zwar in einem ehemaligen Wehrturm aus dem Mittelalter, der mit einer danebenliegenden Kapelle verbunden worden war. Zwischen 30 und 40 Familien wohnten damals in „Jacopsweiler“.

Walter Hahn fand: „Die Glocke muss wieder zurück in ihre Heimat, zur Kirchengemeinde Jakobsweiler.“ Das sah bei einer Rücksprache die zuständige Pfarrerin Jessica Rust-Bellenbaum genauso. Und als 2018 der Fundus des Museums in Kirchheimbolanden umstrukturiert wurde, ergab sich eine gute Gelegenheit. Ein Leihvertrag für mindestens zehn Jahre wurde unterschrieben, und die Glocke konnte mit Hilfe des Dannenfelser Unternehmens Marhoffer näher herangeholt und in dessen firmeneigene Halle transportiert werden. Hier steht sie - ein Bronzeguss, knapp 70 Zentimeter hoch und zirka 250 Kilogramm schwer – erst einmal trocken und sicher.

Altbürgermeister hofft auf Spenden

„Dort kann und soll sie aber nicht bleiben“, fährt Hahn fort. „Ein angemessener Ort wäre das Gelände der Kirchengemeinde in der Nähe des Kriegerdenkmals. Hier müsste man sie so platzieren, dass sie gut gesehen, aber auch nicht entfernt werden kann.“ Das bringt natürlich Kosten mit sich. „Ich hoffe“, sagt Hahn, „dass einige Mitbürger bereit sind, sich hier zu engagieren und wir das Geld für die notwendigen Arbeiten zusammenbekommen“. Bis jetzt ist es das Ziel, die Rückkunft der Glocke an Pfingsten 2021 zu feiern. So die finanzielle Situation und Corona es zulassen.

Die Aufgaben, die Friedrich von Schiller in seinem Gedicht „Das Lied von der Glocke“ vorsieht, wird sie nicht mehr wahrnehmen können: Hoch überm niedern Erdenleben soll sie im blauen Himmelszelt, die Nachbarin des Donners, schweben und grenzen an die Sternenwelt.

Aber die Glocke wird sicherlich auch erdverbunden ein Anblick sein, der den Einwohnern von Jakobsweiler Freude bereitet.

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