Rockenhausen
Adient: Verhandlungen über Stellenabbau beginnen
Über den Beginn der Verhandlungen zwischen Unternehmensleitung und Arbeitnehmervertretung haben am Dienstag der Betriebsrat und die IG Metall Kaiserslautern in einer Pressemitteilung informiert. Der weltweit größte Hersteller von Autositzen (220 Standorte; Umsatz 2019: 16,5 Milliarden Dollar) hatte im April angekündigt, binnen der nächsten beiden Jahre die Anzahl der Mitarbeiter in der Nordpfalz von derzeit rund 1200 auf unter 900 reduzieren zu wollen. Ursächlich seien nicht die „Corona-bedingten Produktionsverringerungen“, hatte eine Adient-Sprecherin betont. Zwar läuft seit März im Rockenhausener Werk Kurzarbeit, aber auch zuvor seien die geplanten Einschnitte „schon unvermeidbar“ gewesen. Die Pandemie habe die Entwicklung dann allerdings verschärft und beschleunigt.
Die Gründe für den vorgesehenen Stellenabbau seien vielmehr „ein verändertes Produktportfolio, herausfordernde Marktbedingungen und anhaltend rückläufige Umsätze“. Ziel der „nachhaltigen Restrukturierung“ sei daher „die Anpassung der Beschäftigungssituation an die rückläufige Auftragslage, um den Standort mittel- bis langfristig wieder profitabel bewirtschaften zu können“, so die Sprecherin. Dabei hatte das Unternehmen betont, den Wegfall der Arbeitsplätze sozialverträglich gestalten zu wollen. So sei denkbar, für Mitarbeiter eine neue Beschäftigung im Werk zu finden, indem externe Dienstleistungen „ingesourct“ würden. Auch Frühverrentung sei als Modell im Gespräch. Das und mehr sei Bestandteil der nun folgenden Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretern.
„Plan rein nach Punkten“
Von diesen im April getätigten Aussagen spiegele sich im aktuellen Vorschlag kaum etwas wider, sagte Joachim Böttcher, Betriebsratsvorsitzender am Standort Rockenhausen, am Dienstag auf Nachfrage der RHEINPFALZ. Das Papier, mit dem die Konzernführung in den ersten Verhandlungstermin am Montag gehen will, sei „ein Sozialplan, der rein nach Punkteschema entworfen wurde“. Dessen Umsetzung würde bedeuten, „dass die jungen Mitarbeiter gehen müssen und ältere Mitarbeiter dableiben. Das wäre mittelfristig der K.O. für das Werk Rockenhausen“, so Böttcher in der Pressemitteilung.
Stattdessen wolle der Betriebsrat möglichst betriebsbedingte Kündigungen vermeiden sowie lukrative Arbeitszeitmodelle und ein freiwilliges Ausscheidungsprogramm anbieten. „Auch könnte durch Insourcing wieder Arbeit ins Werk zurückgeholt werden, was die Anzahl des Personalabbaus reduzieren würde.“ Ohnehin bleibe abzuwarten, ob dieser „durch die wirtschaftlichen Folgeschäden der Corona-Pandemie noch höher ausfallen könnte“, befürchtet Böttcher. Über den Sachstand und die eigene Position vor dem Start der Gespräche nächste Woche habe man die Belegschaft im Werk Rockenhausen am Dienstag in drei Versammlungen informiert.
Kampf um jede Stelle
Für die IG Metall Kaiserslautern forderte deren 2. Bevollmächtigter Alexander Ulrich, „dass das Unternehmen uns klare Zukunftsperspektiven für das Werk vermittelt“. Das bedeute unter anderem, „dass neben einer Standortsicherung auch zukünftig ausreichend Ausbildungsplätze angeboten werden“. Sollte eine Verminderung der Belegschaft unvermeidbar sein, so müsse dieser „sozialverträglich organisiert werden“, verlangt Ulrich. Vorerst halte es die IG Metall für notwendig, die Möglichkeiten der Kurzarbeit solange wie möglich zu nutzen. Abschließend kündigt der Bevollmächtigte an: „Wir werden nicht dabei zusehen, wie das ganze Werk gefährdet wird. Wir werden um jeden Arbeitsplatz kämpfen.“