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Samstag, 12. Januar 2019 Drucken

Bad Dürkheim

Bad Dürkheim: Kleinsägmühlerhof fehlen FSJ-Bewerbungen für 2019

Auch andernorts schwankt die Nachfrage

Von Anja Benndorf

und Sonja Hoffmann

Der 18-jährige Robin Franke absolviert seit April 2018 ein Freiwilliges Soziales Jahr auf dem Kleinsägmühlerhof. Er will seinen Dienst bis August verlängern.

Der 18-jährige Robin Franke absolviert seit April 2018 ein Freiwilliges Soziales Jahr auf dem Kleinsägmühlerhof. Er will seinen Dienst bis August verlängern. ( Foto: Benndorf)

„Es wird zunehmend schwieriger, die Stellen für Freiwilligendienstler in unserem Betrieb zu besetzen.“ Das sagt Richard Danner, Leiter des Kleinsägmühlerhofs der Lebenshilfe Bad Dürkheim in Altleiningen. Bei anderen Stellen in der Region sieht es ähnlich aus. Mit einem neuen Konzept will das Bundesfamilienministerium nun mehr junge Leute für einen ehrenamtlichen Dienst begeistern.

Die Lebenshilfe Bad Dürkheim hat mehrere Bereiche, in denen Stellen im Freiwilligendienst angeboten werden. „Im Bereich Werkstatt gibt es die Kleinmontage, den Garten-Landschaftsbau, den Bauernhof, den Weinbau, die Schreinerei und den Leprima-Lebensmittelladen“, informiert Ingrid Hemmer, Ansprechpartnerin für Freiwilligendienst bei der Lebenshilfe. Im sozialpädagogischen Bereich gebe es Stellen in der Siegmund-Crämer-Schule, der Tagesförderstätte und dem Wohnheim – im Kindergarten werde derzeit kein Freiwilligendienst angeboten. „Aktuell sind 33 Stellen belegt, das ist deutlich weniger als noch vor einigen Jahren“, bilanziert Hemmer. Die Anzahl an zu vergebenen Stellen variiere über das Jahr. Mehr Helfer würden eigentlich immer gebraucht – zum Beispiel im Wohnheim. „Dort sind derzeit vier Freiwillige im Einsatz. Wir könnten aber noch zwei oder drei weitere brauchen. In der Tagesförderstätte sind es aktuell drei. Auch hier hätten wir noch Bedarf.“

Wertvolle Erfahrungen prägen Freiwillige

Im Kleinsägmühlerhof, der Außenstelle der Lebenshilfe in Altleiningen, beschäftigt Richard Danner knapp 60 Mitarbeiter. Neben mehr als 30 behinderten Menschen sind darunter auch vier junge Leute im Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) und dem Freiwilligen Ökologischen Jahr (FÖJ). Aus dem Bundesfreiwilligendienst sei derzeit niemand da, für 2019 habe er noch keine Bewerbungen. Als Gründe für die Schwierigkeit, die Stellen zu besetzen, sieht er den Trend, möglichst ohne Umwege eine Ausbildung zu absolvieren. Auch die recht spärliche Entlohnung der Freiwilligen sei ein Grund.

Danner erklärt: „Bei uns sind die jungen Ehrenamtlichen im Außen- und Innenbereich beschäftigt, etwa im Garten, auf der Weide und im Stall, wobei sie zum Beispiel auch Kühe melken und Schlepper fahren sowie bei der Milchverarbeitung, in der Küche und im Hofladen helfen.“ Der Agraringenieur hält die Erfahrungen, die dabei gemacht werden, für sehr wertvoll, denn diese prägten die Freiwilligen. „Weg vom Elternhaus lernen sie, auf eigenen Beinen zu stehen und erleben, dass die Welt nicht nur aus leistungsfähigen, gut ausgebildeten, finanziell und sozial abgesicherten Menschen besteht“, sagt er.

Softer Einstieg in Beruf

Bei der Stadt Bad Dürkheim gibt es fünf FSJ-Stellen. Drei FSJler seien in den Kindertagesstätten im Einsatz, berichtet Stadtsprecherin Petra Wurm. Freiwillige seien nicht immer einfach zu finden. So seien auch die beiden Stellen im Jugend- und Kinderbüro der Stadt aktuell unbesetzt. „Da können sich jederzeit gerne Freiwillige bei uns melden.“

Beim Deutschen Roten Kreuz (DRK) variiere die Anzahl freier Stellen über das Jahr, informiert Lena Bouman, die in Mainz für die Öffentlichkeitsarbeit für den Freiwilligendienst zuständig ist. „Im Sommer hören mehr Leute auf, da gibt es dann auch wieder mehr Stellen zu besetzen.“ Im Kreis Bad Dürkheim bietet das DRK laut Bouman derzeit rund 20 Stellen in den Bereichen Ganztagsschule, Altenpflege, Altenbetreuung, Krankenpflege und Rettungsdienst an. Davon seien derzeit vier Stellen unbesetzt. „Grundsätzlich ist die Lage auf dem Ausbildungsmarkt besser“, sagt Bouman. Allerdings werde der Freiwilligendienst auch häufig dafür genutzt, um vor einer möglichen Ausbildung schon mal in den jeweiligen Bereich reinzuschnuppern. „Viele sehen so ein Jahr als soften Einstieg in den Beruf. So können sie vorab sehen, ob das überhaupt etwas für sie ist.“ Generell könne man beim DRK nicht über zu wenig Bewerber für den Freiwilligendienst klagen. „Was sich verändert hat, ist, dass die Bewerbungen oft kurzfristiger eingereicht werden“, sagt Bouman.

Bewunderung der Einsatzbereitschaft

„Man muss schon suchen“, sagt auch Verena Brunner, Schulleiterin der Ganztags-Grundschule in Kallstadt. Eigentlich gibt es zwei Freiwilligendienst-Stellen an der Schule. Seit zwei Jahren wird eine allerdings mit einem Anerkennungspraktikanten aus dem Bereich Erziehung besetzt. „Der Vorteil dabei ist, dass die Erzieher schon mehr Erfahrung mit Kindern mitbringen.“ Aber es gebe auch einige, die das FSJ für eine erste Berufserfahrung nutzten. „Die letzten beiden Freiwilligen haben danach ein Studium für Grundschullehramt begonnen“, berichtet Brunner. Wer sich für ein FSJ in der Grundschule entscheide, müsse zuerst drei Tage hospitieren. Danach werden die jungen Leute als Unterstützung im Unterricht oder in Arbeitsgruppen eingesetzt oder helfen beim Mittagsessen. Generell bewundere sie die hohe Einsatzbereitschaft der Freiwilligen, sagt Brunner. „Die sind hier den ganzen Tag auf den Beinen und bekommen dafür nicht gerade viel Geld.“

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