Pfälzer Künstler RHEINPFALZ Plus Artikel Zum 100. Geburtstag des Bildhauers Erich Koch

Eine Hommage an die Pfälzer Heimat: Erich Kochs Bronze-Wolf auf dem Marktplatz von Wolfstein.
Eine Hommage an die Pfälzer Heimat: Erich Kochs Bronze-Wolf auf dem Marktplatz von Wolfstein.

Im allgemeinen Kunstbetriebsgetöse war er einer der Leisen: der am 24. März 1924 in Roßbach im Lautertal geborene Erich Koch. Dabei gehört er zu den ganz Großen der deutschen Bildhauerei. Zum 100. Geburtstag und zehn Jahre nach seinem Tod in der Wahlheimat München ist mal wieder Zeit, daran zu erinnern.

Spät, als 30-Jähriger erst, hat Erich Koch sich aufgemacht, den Weg zum Erfolg zu gehen. Der führte noch in den 1950ern für Pfälzer zuerst nach München, wo der nicht mehr ganz so junge Student aus dem Lautertal 1954 an der Akademie der Bildenden Künste in die Bildhauerklasse von Josef Henselmann aufgenommen wurde. Über die zwölf Jahre, die vergangen waren, seit der Sohn des Holzbildhauers Karl Koch beim Vater und bei Otto Rumpf seine Ausbildung an der Kaiserslauterer Meisterschule für Handwerk begonnen hatte, sprach er nicht gerne.

Drei Jahre Krieg und neun Jahre Gefangenschaft in russischen Lagern: Sie hinterlassen Spuren in der Seele. Vielleicht wirken die Bronzeskulpturen, die Erich Koch später schuf, auch deshalb nie „aus einem Guss“, sondern wie zerrissen und neu zusammengefügt. „Alles lag in Scherben“, erzählte er einmal von der Rückkehr in die Heimat. „Aber man kann die Scherben zusammensetzen. Und warum soll man die Narben nicht sehen?“

Erich Koch (links) mit Galerist Wolfgang Thomeczek in Sausenheim.
Erich Koch (links) mit Galerist Wolfgang Thomeczek in Sausenheim.

Skulpturen von Erich Koch wirken nie glatt und makellos – und dennoch, auch als Torso, auf berührende Weise klassisch perfekt. „Perfekt“, hatte Lehrer Henselmann bereits dem Neuen aus der Pfalz bescheinigt, als dieser das nach einer frühen Zeichnung modellierte Porträt der Großmutter präsentierte: „Das können Sie gießen lassen.“ Aus Erich Koch wurde schnell ein Meister der Bronze: von 1964 bis 1974 selbst Lehrer für Erzguss, von 1975 bis 1990 ordentlicher Professor für Bildhauerei an der Münchner Akademie der Bildenden Künste. Zu seinen Schülern dort gehörten unter anderen auch die Pfälzer Gernot Rumpf, Martin Schöneich und Bernd Decker. Aber nicht nur das frühe Großmutter-Bild oder eine Stadtansicht von Wolfstein aus den 1940ern, sondern auch meist in einem Schubladenschrank verborgenen Zeichnungen aus der Kriegsgefangenschaft zeigen Erich Koch ebenso als Meister des Zeichenstifts und des Aquarells.

Ein Wolf für Wolfstein – als Zeichnung.
Ein Wolf für Wolfstein – als Zeichnung.

Scheinbar flüchtig dahingeworfen – und doch perfekt. So wie die Ansicht von St. Pierre-aux-Nonnains, der ältesten Kirche von Metz: Metz, die lothringische Heimat von Paulette, die 50 Jahre sein Leben teilte und die er mannigfach abbildete. Seinen Tod am 1. Januar 2014 als Folge eines unglücklichen Sturzes im Münchner Atelier hat die treue Gefährtin nicht lange überlebt. Aus dem wie aus der Zeit gefallenen Schwabinger Künstlerreich ist der Nachlass mittlerweile wieder in die Pfalz zurückgekehrt, gehütet vom Neffen.

Seinen letzten „großen Auftritt“ in der alten Heimat hatte der leise Star Erich Koch 2010 in einer von Galerist Wolfgang Thomeczek gestalteten und in Grünstadt-Sauensheim sowie im Speyerer Feuerbachhaus gezeigten Ausstellung, in der man auch den Zeichner bewundern kann. So wie in diesen Wochen anlässlich seines 100. Geburtstags im Stadt- und Heimatmuseum Kusel, wo 60 seiner meist aus Privatbesitz stammenden Arbeiten zu sehen sind.

„Paulette mit Hund“ in der aktuellen Kuseler Ausstellung.
»Paulette mit Hund« in der aktuellen Kuseler Ausstellung.

Im öffentlichen Raum trifft man ebenfalls mancherorts auf Erich Koch oder seine Figuren – ob Mensch oder Tier. Auf dem Ludwigshafener Ludwigsplatz etwa wächst aus einem zerklüftet wirkenden Pflanzengebilde eine zierliche Frauengestalt empor: die „Ludwina“. Auf dem Marktplatz von Wolfstein, zu dem sein Heimatort Roßbach seit 1969 gehört, steht seit 2009 ein bronzener Wolf. Tiere und Menschen waren seine zentralen Themen. Manchmal auch Tier mit Mensch, wie etwa „Mann und Hund“, entstanden nach der Lektüre der gleichnamigen Novelle von Thomas Mann, oder „Paulette mit Hund“ ... und immer wieder Paulette, deren Keramik-Arbeiten ebenfalls Platz im Schwabinger Atelier gefunden hatten.

Fritz Wunderlich: Koch-Büste im Kuseler Benzino-Park.
Fritz Wunderlich: Koch-Büste im Kuseler Benzino-Park.

Und da ist auch Fritz Wunderlich, dessen Büste im Kuseler Benzino-Park steht und in einer zweiten Version im Foyer des Pfalztheaters Kaiserslautern. Dort wäre auch noch eine zweite Koch-Bronze zu bewundern, hätte nicht ein dreister Dieb einst aus dem Vorgängerbau die Giuseppe-Verdi-Büste hinausgetragen, als beim Großputz nach der Sommerpause die Türen weit offen standen. 32 Jahre ist das her. Wer wissen will, wie sie aussah, muss ins Münchner Nationaltheater gehen, wo ein etwas kleinerer Zweitguss steht. Sein Schöpfer Koch sah das damals mit Humor: „So lange ich gestohlen werde, gelte ich noch etwas“.

Was gilt er heute? Es ist an der Zeit, sich das zu fragen und zu handeln. Denn: Ohne Zweifel haben der stille Jahrhundert-Zeuge Erich Koch und seine Kunst auch heute noch viel zu sagen – in einer Zeit, in der wieder so vieles in Scherben zu gehen droht.

Die Ausstellung

„Erich Koch zum 100. Geburtstag“, bis 7. April im Stadt- und Heimatmuseum Kusel; dienstags bis sonntags von 14-17 Uhr.

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