1. FC Kaiserslautern
Saarbrücken und Berlin – aber auch Hannover: Der FCK zwischen Traum und Realität
„Das wird für uns ein sehr schwerer Gegner“, dachte sich Jean Zimmer am späten Dienstagabend. Der Kapitän des 1. FC Kaiserslautern saß bei Freunden und schaute sich in entspannter Atmosphäre die Partie zwischen dem 1. FC Saarbrücken und Borussia Mönchengladbach an, in der ausgespielt wurde, mit wem es die Roten Teufel im Halbfinale des DFB-Pokals zu tun bekommen werden. In der Nachspielzeit eines für den Bundesligisten Mönchengladbach „ekligen Spiels“ (Zimmer) entschied sich, dass die Lauterer am 2. April eine kurze Anreise haben werden. Der Pokalschreck aus dem Saarland stellt sich dem FCK und seinem Traum vom Endspiel in Berlin in den Weg.
Chance ist greifbarer geworden
Der 1. FC Saarbrücken hat nacheinander den Karlsruher SC, den FC Bayern München, Eintracht Frankfurt und die Gladbacher aus dem Wettbewerb geworfen – und zweifellos die Ambition, auch den FCK aus dem Weg zu räumen. Ebenso unbestritten werden die Lauterer gewillt sein, den Pokaltraum des Drittligisten humorlos zu beenden. Seit Dienstagabend ist die Chance, die sich dem Traditionsklub aus der Pfalz kurz nach Ostern bietet, greifbarer geworden – weil nun der Kontrahent feststeht. „Wir haben leider kein Heimspiel vor 50.000“, sagte Zimmer am Mittwoch. Hätte sich die Borussia durchgesetzt, wäre der Betzenberg der Schauplatz des großen Duells gewesen. Nun müssen die Lauterer zum Nachbarn ins Saarland.
Jan Elvedi war am Dienstagabend die kurze Strecke nach Saarbrücken schon mal gefahren, um sich das Viertelfinalduell live im Stadion anzuschauen, in dem sein Bruder beteiligt war. „Wenn Nico verliert, werde ich ihn versuchen zu trösten“, hatte der Lauterer Verteidiger noch in der Halbzeitpause beim TV-Sender Sky erklärt – und darauf gehofft, dass er den Gladbacher Abwehrspieler zum Halbfinaleinzug würde beglückwünschen können. Doch aus dem Familientreffen auf dem Platz wird vorerst nichts, weil Nico Elvedi den Sieg der Saarländer nicht abzuwenden vermochte. Jan, der am Mittwoch fidel mit seinen FCK-Kollegen über den Trainingsplatz sauste, hat nun die Aufgabe, die Ehre der Elvedis wieder herzustellen.
Funkel: Saarbrücken ist der Favorit
Das wird schwer, und wenn man Friedhelm Funkel hört, nahezu unmöglich sein. „Die Favoritenrolle liegt ganz klar beim 1. FC Saarbrücken“, sagte der FCK-Trainer und begründete seine Meinung wie folgt: „Sie haben mit dem FC Bayern eine der besten Mannschaften in Europa geschlagen. Außerdem Eintracht Frankfurt, den Tabellensechsten der Bundesliga, und den Karlsruher SC besiegt, gegen den wir zuhause 0:4 verloren haben.“ Das sei kein Pessimismus, sondern eine realistische Einschätzung, führte der FCK-Coach weiter aus. Der erfahrene Fußballlehrer startete knapp drei Wochen vor dem Duell mit dem FCS mit den in seiner Branche üblichen psychologischen Spielchen.
Wenn die Logik von Funkel stimmt, reisen die Lauterer am Wochenende als klarer Favorit zum nächsten Zweitligaspiel nach Hannover (Anpfiff: Samstag, 20.30 Uhr, Liveblog auf rheinpfalz.de). Schließlich hat der FCK gerade erst den VfL Osnabrück 3:2 geschlagen, der wiederum zuvor Hannover 96 besiegt hatte.
Ritter fehlt im Training und in Hannover
Nun, schon der einstige Bayern-Grande „Kalle“ Rummenigge hatte vor vielen Jahren festgestellt, dass Fußball „keine Mathematik“ sei – und deshalb ist das Ende beider Begegnungen offen. Dass die Lauterer zunächst einmal im nächsten Ligaduell in der niedersächsischen Landeshauptstadt ganz unbeachtet von mathematischen Gesetzmäßigkeiten die Möglichkeit haben, dem Ligaverbleib ein Stück näher zu kommen, liegt laut Zimmer in der Fokussierung der FCK-Profis begründet. Natürlich sei der nun feststehende Pokalgegner im Moment ein Thema, aber „am Samstag, wenn in Hannover das Flutlicht angeht, denkt da niemand dran“.
Bei der Trainingseinheit am Mittwoch war keine Zeit, sich mit Eventualitäten im Pokal zu beschäftigen. Es ging intensiv zur Sache. Marlon Ritter, der in Hannover gelbgesperrt nicht mitspielen kann, fehlte bei der Einheit und trainierte individuell. Ansonsten waren mit Ausnahme des Rekonvaleszenten Hendrick Zuck (Kreuzbandriss) alle Profis dabei.
Funkel hat viele Optionen, mit welchem Kader er in Hannover den dritten Ligasieg in Serie einfahren möchte.
