1. FC Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Roger Lutz: Der Stand-by-Profi mit den Sonderaufgaben

Schattenmann: Beim Spiel in Dortmund bewachte Roger Lutz (rechts) Andreas Möller.
Schattenmann: Beim Spiel in Dortmund bewachte Roger Lutz (rechts) Andreas Möller.

Lauterer Fußballmärchen: Roger Lutz war in der Meisterelf von 1998 keine Stammkraft. Otto Rehhagel aber hielt ihn für ungemein wichtig. Heute ist Lutz ein Alltagshelfer.

Ende 1997. Winter. Eigentlich hatte Roger Lutz vor, den 1. FC Kaiserslautern zu verlassen. Zu Beginn der Saison, welche die Roten Teufel erstmals in ihrer Historie in der Zweiten Liga bestreiten mussten, hatte der Abwehrspieler noch eine realistische Einsatzchance und spielte auch, dann verletzte er sich am Meniskus – und fand keinen Weg mehr in die Truppe, die einfach zu erfolgreich war, als dass es personeller Impulse bedurft hätte. Zwei Einsätze in der Hinserie, das war Lutz einfach zu wenig. Otto Rehhagel aber legte ein Wechselveto ein. Lutz sei zu wichtig. „Trainer, hab ich gesagt: Für was soll ich wichtig sein? Ich spiele ja nie“, erzählt der heute 58-Jährige. Rehhagel aber schätzte Lutz’ Einfluss auf die Teamhygiene und blieb hart. Lutz gab sich geschlagen.

„Otto hatte ein Händchen, Mannschaften zusammenzustellen. Er hatte einen unheimlich guten Führungsstil. Wir waren wie seine Jungs“, sagt Lutz. Am Samstag, als die Meister von 1998 auf dem Betzenberg geehrt wurden, chauffierte Lutz die 84-jährige Trainerikone von seinem Domizil im Seehotel ins Stadion. „Ich war irgendwie richtig stolz, ihn im Auto zu haben. Und es fühlte sich jetzt nicht an, als hätte man sich ein paar Jahre nicht gesehen“, sagt Lutz und berichtet von einer Begebenheit, als er kurz davor war, Vater zu werden und dennoch im Training erschien. Rehhagel habe nur gefragt, was er denn bitte auf dem Platz mache und ihn sofort ins Krankenhaus geschickt. Er könne wiederkommen, wenn das Kind auf der Welt sei, habe Rehhagel ihm mit auf den Weg gegeben.

Rehhagels Bedingung: einmal Training am Tag

Am Ende der vom Wiederaufstieg gekrönten Runde stellte sich für den nun 33-jährigen Lutz erneut die Sinnfrage. Die Einsatzzeiten in der Bundesliga würden gewiss nicht mehr werden, aber Lutz fühlte sich noch zu fit, als dass er seine Laufbahn hätte beenden wollen. Er mochte nicht nur trainieren. So landete er bei den eigenen Amateuren. Als Stand-by-Profi, der „oben“ einspringen sollte, falls Not am Mann war. Rehhagel machte zur Bedingung, dass Lutz einmal am Tag üben musste. Ob bei ihm oder in der Regionalliga-Truppe bei Stefan Majewski, das war egal.

Ab September, sagt Lutz, habe er komplett wieder mit der Berufstruppe trainiert und sei relativ oft auch im Kader gewesen. Für die Amateure spielte er dennoch, was einmal in einem Desaster endete. Am 18. Oktober gastierte der FCK in Leverkusen, nach 24 Minuten kam Lutz für Miroslav Kadlec in die Partie. Tags darauf lief er 90 Minuten für die zweite Garde gegen Rot-Weiß Oberhausen auf. Der 1:0-Erfolg wurde am Grünen Tisch in ein 0:2 verwandelt, da Lutz’ Mitwirken regelwidrig war. Entsprechende Hinweise vor der Partie wurden ignoriert.

„Wir waren eine besondere Truppe“

Lutz kam in der Meisterspielzeit 1997/98 auf sechs Einsätze. Stets betraute Otto Rehhagel ihn mit Sonderaufgaben. „Ich will den Möller heute nicht sehen“, verlangte er vor der Partie in Dortmund – und sah Andi Möller nicht. In Leverkusen kümmerte Lutz sich um Ulf Kirsten, den späteren Torschützenkönig, in Mönchengladbach um „Kalla“ Pflipsen, in Bremen um Regisseur Andreas Herzog. Letzteres allerdings nicht zur Zufriedenheit Rehhagels. Nach 22 Minuten war die Begegnung für den Defensivspieler vorüber.

„Otto hat immer recht schnell reagiert, wenn etwas nicht funktioniert hat“, sagt Lutz, „aber da war nie einer beleidigt. Es gab eine ganz enge Verflechtung bei uns in der Mannschaft. Wir waren eine besondere Truppe, wie die von 1991.“ Auch beim dritten deutschen Titel des FCK hatte Lutz mitgeholfen, ebenso bei den Pokalerfolgen 1990 und 1996.

Rechte Hand: Roger Lutz als „Co“ von Cheftrainer Maerco Kurz (links).
Rechte Hand: Roger Lutz als »Co« von Cheftrainer Maerco Kurz (links).

Im Jahr 2000 verließ er den Klub als Spieler. Von 2002 bis 2004 gehörte er dem Aufsichtsrat an. 2007 kehrte er an den Betzenberg zurück und bekleidete etliche Positionen rund um das Profiteam, etwa die des „Co“ von Trainer Marco Kurz. Zuletzt (und für viele Jahre) war er Teammanager.

Glücklich über freie Wochenenden

Mittlerweile bewegt Lutz sich auf völlig anderem Terrain. In Frankfurt leitet er die dortige Dependance der „Alltagshelfer“, deren Hauptsitz in Kaiserslautern ist. 33 Angestellte betreuen in „Mainhattan“ aktuell 200 Menschen. Sie gehen einkaufen, erledigen Hausarbeiten, Arzt- und Botengänge, bereiten Mahlzeiten vor – und stehen als Gesprächspartner zur Verfügung. In Zeiten, in denen immer weniger Familien nah beieinander wohnen, ist der Bedarf riesig.

Eine Aufnahme vom vorigen Samstag: Roger Lutz und Meistertrainer Otto Rehhagel.
Eine Aufnahme vom vorigen Samstag: Roger Lutz und Meistertrainer Otto Rehhagel.

Das Unternehmen wächst und wächst und wächst. „Ich muss keine Autos mehr bekleben und keine Werbung mehr schalten“, sagt Lutz, „es vergeht kein Tag, an dem wir nicht neue Anfragen bekommen.“ Fehlt ihm der Profifußball? Das Adrenalin im Stadion? Ein bisschen, klar. „Am Anfang war es schon eine Umstellung“, sagt Lutz. Das Wichtigste für ihn ist aber, dass er selbst noch spielen kann; in der Lotto-Elf, der AH des FC Kalbach, dessen A-Junioren er mitbetreut. Flexibel, ohne stetes Muss. „Ich bin ganz happy, wenn ich am Wochenende Ruhe habe.“ Mal sehen, wie lange das so bleibt.

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