1. FC Kaiserslautern
Polizei verteidigt ihr Einsatzkonzept für Heimspiele des FCK
Lang und umfangreich war die Liste der Kritikpunkte, die von den Fans nach dem letzten Heimspiel der Saison im Internet veröffentlicht worden war. So seien die Polizisten beispielsweise aggressiv gegen Fans auf dem Rückweg vom Betzenberg vorgegangen, hätten grundlos Pfefferspray eingesetzt. Den Einsatz des Pfeffersprays an einer Stelle bestätigt Klein im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Aber dieses sei erst eingesetzt worden, als Fans aggressiv gegen die Polizisten vorgegangen seien und nicht den Anweisungen gefolgt seien.
Dass die Lage des Stadions mitten in der Stadt und mit nur wenigen Wegen auf den Betzenberg vor Probleme stellt, darauf weist der Leiter der Polizeidirektion Kaiserslautern gesondert hin. „Wir haben halt hier kein Stadion auf der grünen Wiese wie andere Standorte. Das ist eine Besonderheit hier in Kaiserslautern.“ Daher sei der Abgang von fast 50.000 Zuschauern vom Betzenberg, möglichst noch unter Trennung rivalisierender Fangruppen, nicht leicht zu regeln – und zudem in Teilen durch Rahmenbedingungen vorgegeben, an denen die Polizei nichts ändern könne.
„Wir brauchen die Drohnen“
Ein Beispiel: Züge für die Abreise der Gästefans. „Diese Züge stellt die Bahn zu einer bestimmten Abfahrtszeit bereit; und wir müssen dafür sorgen, dass die Fans ihre Züge auch erreichen.“ Folglich könne das Nadelöhr Elf-Freunde-Kreisel immer mal wieder vorübergehend für FCK-Fans gesperrt werden, um den Gästefans den pünktlichen Gang zum Bahnhof zu ermöglichen. Auch das war in der „Resolution“ kritisiert worden.
Und, weiterer Kritikpunkt: Fans fühlten sich durch den Einsatz von Drohnen bedroht. „Wir brauchen die Drohnen, um das Gesamtgeschehen im Auge zu behalten und gegebenenfalls reagieren zu können“, betont Klein. Dazu gehört nicht nur der Bereich Stadion, sondern die ein bis zwei Drohnen helfen auch dabei, den Verkehrsfluss vom Betzenberg Richtung Stadtausgang/Autobahn zu beobachten. Rund 20 Beamte sind pro Spieltag in der Stadt unterwegs, um beispielsweise Ampeln an neuralgischen Kreuzungen manuell zu regeln. Dass sich Fans durch den Einsatz der Drohnen bedroht fühlen, kann Klein nicht nachvollziehen: „Wir weisen ja im Vorfeld auch immer darauf hin, dass wir sie einsetzen.“
Auch interessante Punkte gefunden
Dass FCK-Fans im Vergleich zu anderen Fangruppierungen benachteiligt werden, wie ebenfalls gemutmaßt wurde, sieht der Einsatzleiter nicht so. Gleichwohl sagt er, er habe die „Resolution“ interessiert zur Kenntnis genommen und darin Punkte gefunden, wo der Spieltagseinsatz optimiert werden könne. Welche dies sind, dazu will er derzeit nichts sagen – zumindest solange nicht, wie die Polizei nicht gemeinsam mit ihren Partnern – darunter natürlich auch der FCK – die Saison analysiert und Überlegungen zur nächsten Spielzeit angestellt habe. Die stehen in den nächsten Wochen an, wobei Klein das sehr gute Miteinander von Verein, Behörden und Hilfsorganisationen hervorhebt: „Das ist nicht in jeder Bundesliga-Stadt so der Fall.“
Dass es kleinere Änderungen beim Einsatzkonzept geben könnte, will Klein nicht ausschließen. „Das ist ja ein dynamischer Prozess. Aber wir machen Bundesliga-Fußball in Kaiserslautern auch nicht zum ersten Mal. Da gibt es schon ganz viele Erfahrungen“, betont er.
Klein: Alkoholverbot bei KSC-Spiel war richtig
Kleins Saisonbilanz fällt bereits recht positiv aus. Die Polizei habe nur wenige Straftaten registriert, habe auch in keinem einzigen Fall dem FCK empfehlen müssen, ein Stadionverbot gegen einen der Anhänger auszusprechen. Aber er stellt auch fest, dass seit Ende der Corona-Beschränkungen das Thema alkoholisierte Fans zunehmend auffällig wird: „Sowohl in der Quantität als auch in der Qualität.“ Und dass Aggressivität oft Folge einer Alkoholisierung ist, ist kein Geheimnis. Nicht zuletzt deshalb ist Klein auch sehr zufrieden mit dem erstmaligen Alkoholverbot, das beim Risikospiel gegen den Rivalen Karlsruher SC verhängt worden war.
Stichwort KSC. Die Begegnung mit den Nordbadenern war eines von drei Risikospielen des FCK – offiziell verwendet wird hier die Klassifizierung nach Ampelfarben. Neben dem KSC-Spiel waren auch noch die Gastspiele von Hansa Rostock und des 1. FC Nürnberg mit der Farbe Rot markiert. Auftritte von Teams wie Heidenheim oder Fürth hingegen gelten als grün, problemlos. Und das Spiel gegen Fortuna Düsseldorf hatte im Vorfeld die Einstufung Gelb erhalten – nicht zuletzt deshalb, weil die Fortuna selbst hier Rot gesehen und das Verhältnis der Fans nach dem Hinspiel als „feindselig“ klassifiziert hatte.
Auch der Spielstand fließt ein
Diese Klassifizierung fließt ebenso in das Einsatzkonzept ein wie beispielsweise die Brisanz der Begegnung für die Tabelle. „Als Bielefeld kam, hätte es sein können, dass bei einer Niederlage der Abstieg schon fast feststeht. Darauf muss man sich vorbereiten. Bei uns blieb es ruhig, aber wir haben ja gesehen, was dann in Wiesbaden passiert ist.“
Anderes Beispiel: der Auftritt des Hamburger SV, der im Aufstiegsrennen unter dem Druck des Gewinnen-Müssens stand. „Auch da haben wir noch in der Halbzeitpause angesichts des Spielstands in einer Besprechung überlegt, wie wir unsere Maßnahmen für den Fall anpassen müssen.“ Der Spielstand findet also quasi in Echtzeit Eingang in die polizeiliche Planung.
