1. FC Kaiserslautern
Mit viel Ruhe zu deutlich besseren Finanzzahlen
Diese Jahreshauptversammlung ist zunächst einmal ein Novum. Denn erstmals findet sie als hybride Veranstaltung statt. Mitglieder können wahlweise in die Halle auf dem Betzenberg kommen oder sich mit einem vorab erhaltenen Code via Internet zuschalten – und auch abstimmen. Denn die wichtigen Gremien des Hauptvereins werden gewählt.
Man habe sich für diese Variante entschieden – obwohl viele andere Profivereine die Versammlung nur in Präsenz organisieren –, um allen Mitgliedern die Chance zu geben, sich zu beteiligen, sagen Vorstandsvorsitzender Wolfgang Erfurt und Verwaltungsratsvorsitzender Rainer Keßler. Also auch den vielen Mitgliedern außerhalb der Pfalz, also auch jenen Fans, die die Mannschaft zum wegweisenden Spiel am Samstag in Magdeburg begleiten.
Über 10.000 neue Mitglieder
Dass der FCK ausgerechnet auch noch das Spätspiel hat, hat zudem dazu geführt, dass die Versammlung erst um 13.30 Uhr beginnt, nicht um 11 Uhr. Das gibt den Verantwortlichen aber auch die Gelegenheit, vormittags an einer Gedenkveranstaltung für den exakt vor zwei Jahren verstorbenen 54er Weltmeister Horst Eckel teilzunehmen.
Die Verantwortlichen werden – abgesehen von einer möglichen Debatte nach dem Rauswurf von Trainer Dirk Schuster – mit einem guten Gefühl in die Versammlung gehen. Denn die im Frühjahr vergangenen Jahres gestartete Werbekampagne hat dem Verein seither mehr als 10.000 neue Mitglieder zugeführt. Die genaue Zahl will Erfurt erst am Sonntag den Mitgliedern mitteilen.
Schulden reduziert
Ebenso hält er es mit Zahlen zur Finanzsituation des Vereins, obwohl die dank des enormen Mitgliederzuwachses ausgesprochen positiv ausfallen werden. „1000 neue Mitglieder bringen uns 100.000 Euro. Deshalb ist die Mitgliederwerbeaktion auch so wichtig“, betont Erfurt. Die Kurve hat sich inzwischen zwar etwas abgeflacht, aber dennoch steigt die Mitgliederzahl weiter.
In der Konsequenz bedeutet dies, dass der immer noch hochverschuldete eingetragene Verein – quasi die Mutter im FCK-Konzern – einen sechsstelligen Jahresgewinn zum 30. Juni mitteilen kann. Und zudem den Abbau der Schulden durch Sondertilgungen auf rund 5,5 Millionen Euro.
FCK hat immer die Stimmenmehrheit
Zugeknöpfter bei den Zahlen ist Thomas Hengen, Geschäftsführer der Tochterfirma 1. FC Kaiserslautern Management GmbH, die für den Profibereich und das Nachwuchsleistungszentrum zuständig ist und die von der Kommanditgesellschaft auf Aktien juristisch ergänzt wird. Letztere ist das finanzielle Herzstück des umstrukturierten FCK, denn hier bringen sich die Investoren ein.
Zwar hält der FCK selbst nur noch rund 45 Prozent der Anteile an der KGaA (100 Prozent bei der GmbH), für die Gremien ist jedoch festgeschrieben, dass der Verein in Beirat und Aufsichtsrat die Stimmenmehrheit behält. Selbst dann, wenn der Verein weitere Anteile verkauft oder eine Kapitalerhöhung vornimmt.
Richtig Geld erst ab dem Viertelfinale
Hengen will erst den Mitgliedern mitteilen, wie das Geschäftsjahr 2022/23 im Lizenzspielergeschäft gelaufen ist. Dem Vernehmen nach soll aber das weiterhin defizitäre Profigeschäft auch dank einmaliger Sondereffekten halbwegs gut abgeschlossen worden sein.
Hengen widerspricht aber der unter Fans weit verbreiteten Ansicht, dank eines deutlich über der Kalkulation liegenden Zuschauerschnitts und dank des Erreichens des Pokal-Achtelfinales sei eine ganze Menge zusätzliches Geld da. Tatsächlich, so erklärt Hengen, seien die ersten Runden im Pokal zwar kein Zuschussgeschäft, aber übermäßig viel bleibe auch nicht hängen. Erst ab dem Viertelfinale werde richtig Geld verdient. Und: Mehr Zuschauer bedeuteten im Gegenzug beispielsweise auch höhere Kosten etwa für Ordner und Sicherheit.
Lieferstau bei Fanartikeln wird abgearbeitet
Dass sich der FCK so ganz langsam wieder etabliert, zeigen andere Zahlen. Hatte der Verein früher in der Zweiten Liga rund 50 Mitarbeiter, in der Dritten Liga nur noch etwa 30, so ist diese Zahl inzwischen wieder auf knapp über 40 gestiegen – und die Tendenz zeigt weiterhin leicht nach oben. Es gelte aber weiterhin, dass die Mitarbeiter sehr flexibel sein müssten, auch mal an anderer Stelle mit anzupacken. Aktuell beispielsweise bei der Auslieferung von Fanartikel. Hier muss der FCK einen kleinen Stau abarbeiten, der durch Probleme in den Lieferketten in den vergangenen Jahren entstanden war.
Auch der eingetragene Verein erhöht langsam die Anzahl seiner bezahlten Mitarbeiter. Aktuell sind es zehn, davon vier hauptberuflich. Doch die inzwischen rund 27.000 Mitglieder bedürfen ja auch der Betreuung.
Keine Störfeuer mehr
Am Sonntag stehen nicht nur die Berichte der Verantwortlichen an, sondern auch die Wahlen für alle Vereinsgremien. Für den Vorstand gibt es genau drei Bewerber – jene, die jetzt schon im Vorstand sind. Für den fünfköpfigen Verwaltungsrat haben sich neun Mitglieder beworben. Gewählt sind jene mit den meisten Stimmen.
Dass alle Amtsinhaber wieder antreten, werten Erfurt und Keßler ebenso als gutes Zeichen wie die Tatsache, dass in den vergangenen drei Jahren jede Menge Entscheidungen zwar intern durchaus auch mal kontrovers diskutiert worden sind. Dass es aber keine Indiskretionen oder andere Störfeuer mehr gegeben hat. Und auf dem Weg der Gesundung sei Ruhe ein ganz wichtiger Faktor.
