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Donnerstag, 13. Juni 2019 Drucken

Landau

Landau: Projekt für Artenvielfalt

Im Goethepark sollen Flora und Fauna untersucht werden. Foto: van

Im Goethepark sollen Flora und Fauna untersucht werden. Foto: van

„Vögel brauchen Insekten, Insekten brauchen Pflanzen, Pflanzen brauchen Zeit und Raum zum Wachsen.“ Das sagt Kai Riess, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Uni Landau. Und das ist auch die Essenz des Projekts „Bunte Wiesen“ in Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung Landau. Es geht darum, die Vielfalt an Fauna und Flora in Landau zu erhöhen.

Anhand von zwei fünf mal fünf Meter großen Grünflächen im Goethepark und einer am Spionskopf beim Westbahnhof möchten die Akteure beweisen, dass schon kleine Flächen reichen, um die Artenvielfalt gezielt zu erhöhen. Die drei ausgewiesenen, 25 Quadratmeter großen „bunten Wiesen“ werden nur noch zweimal im Jahr gemäht. Der Rasenschnitt wird entfernt , die Flächen werden nicht gedüngt. Drei gleich große Wiesenflächen werden als Kontrollflächen genutzt. An der Universität gibt es bereits eine „Bunte Wiese“, und nach wenigen Wochen haben sich auf dieser Wiese zehn neue Pflanzen angesiedelt, berichtet Riess.

Mit im Boot sind der bisherige Umweltdezernent Rudi Klemm und Sabine Klein, Leiterin der städtischen Grünflächenabteilung, außerdem die Studenten Nadine Hellwig und Jannik Angele. „Der Natur ihren Lauf lassen, fördert die Vielfalt von Pflanzen und Tieren“, erklärt Sabine Klein. „Nicht alle Tiere, die sich hier tummeln, werden so geliebt wie die Bienen“, erläutert Riess schmunzelnd. So sind die ersten neuen Gäste auf den bunten Wiesen Zikaden, die mit ihrem Zirpen den Abend südländisch gestalten, viele unterschiedliche Spinnen- und Wanzenarten sowie zahlreiche kleine und größere Käfer. Sie alle sind auch Nahrung für Vögel.

Die „bunte Wiese“ im Goethepark entwickelt sich: Neben dem gelben Hahnenfuß, dem gelb-weißen Gänseblümchen, der Pusteblume, wächst hier auch schon der blaue Ehrenpreis. Diese Pflanzen gedeihen auf nährstoffarmen Böden; dies ist für die Entwicklung eines bunten Pflanzenwachstums wichtig, erläutert Jannik Angele, Student der Umweltwissenschaften, denn auf nährstoffreichen Böden breiten sich schnell Brennnessel und Disteln aus. Über den Sommer werden Studierende regelmäßig die Zahl der Pflanzen und Tiere erfassen. Kai Riess plant Ende des Jahres erste Ergebnisse zu veröffentlichen.

Rudi Klemm erwartet, dass mit dem „Experiment Bunte Wiese“ auch Skeptiker überzeugt werden können, die in bunten Wiesen eher ungepflegte Parkanlagen sehen. „Bunte Wiesen“ zu pflegen, ist mindestens so aufwendig wie einen Rasen regelmäßig zu mähen, erläutern Sabine Klein und David Elsässer vom städtischen Umweltamt.

Stadtweit werden rund 30 Prozent aller Grünflächen nicht mehr intensiv bearbeitet. Dazu gehören die Eh-Da-Flächen auf dem ehemaligen Landesgartenschau-Gelände, die vielen seltenen Pflanzen und Tieren eine neue Heimat bieten. Klemm wünscht sich, dass viele Gartenbesitzer sich von den „Bunten Wiesen“ und „Ed-Da-Flächen“ überzeugen lassen, auch in ihrem Garten die Artenvielfalt fördern anstelle der Monokulturen „Rasen“ oder „Steinbeete“.

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