Biologie Rabenmütter sind gute Mütter

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Hilflos sitzt das Rabenjunge am Boden und bettelt mit herzerweichenden Schreien um Fressen, die Mutter ist weit und breit nicht zu sehen. Solche Beobachtungen müssen es gewesen sein, die den Volksmund vor langer Zeit zu der Metapher „Rabenmutter“ inspiriert haben. Noch heute werden Mütter so genannt, die berufstätig sind und ihre Kinder früh in Betreuung geben – gern mit einem abfälligen Unterton und hinter deren Rücken.

Doch wie so viele Tiermetaphern ist auch die hier falsch. Rabenvögel vernachlässigen ihre Jungen keineswegs. „Das sind ja nicht nur ausgesprochen intelligente Vögel, sondern sie sind auch sehr sozial“, sagt Gernot Segelbacher, Biologe an der Universität Freiburg. „Es gibt eine Reihe von Studien, die interessantes Verhalten in dieser Vogelgruppe gefunden hat, darunter auch gegenseitige Kooperation.“

Tatsächlich verlassen einige Rabenjungen das Nest bereits, bevor sie fliegen können und zwar freiwillig, sie sind früh selbstständig. Sie werden jedoch nicht von den Eltern hinausgestoßen. Das schreiende Junge am Boden wird von der Mutter so lange mit Nahrung versorgt und vor Feinden beschützt, bis es richtig fliegen kann. „Der Begriff Rabeneltern würde – direkt übertragen – bedeuten, dass sich Eltern intensiv um den Nachwuchs kümmern“, bekräftigt Segelbacher. Ein Kompliment also.