Wissen RHEINPFALZ Plus Artikel Erdbienen: Zwischen Himmel und Erde

Am Nisteingang im Sandboden: eine Frühlings-Seidenbiene, gesichtet im März in Speyer.
Am Nisteingang im Sandboden: eine Frühlings-Seidenbiene, gesichtet im März in Speyer.

Nils erklärt: Warum die meisten Wildbienen im Boden wohnen und warum man sich nicht vor ihnen fürchten muss

Ihr habt wahrscheinlich schon mal von der Honigbiene gehört. Das Insekt hat seinen Namen bekommen, weil es aus Nektar in Pflanzenblüten süßen Honig macht. Apis mellifera, wie die Westliche Honigbiene wissenschaftlich heißt, lebt heute meistens in einem großen Holzkasten mit Tausenden Artgenossen zusammen und wird von einem Imker wie ein Haustier gehalten. Früher wohnte die Honigbiene in Baumhöhlen. So oder so: Die meisten Bienenarten, weltweit gibt es rund 20.000 und in Deutschland ungefähr 560, leben nicht in Kästen oder in Bäumen, sondern im Boden. Dennoch können auch von ihnen viele Tausend an einem Ort umherfliegen. So wie vor wenigen Tagen in Speyer.

Tausende Bienen aus der Winterruhe geweckt

Ja, nicht nur Regenwürmer, Maulwürfe und Ameisen leben in der Erde. Auch circa 80 Prozent der Wildbienen, zu denen auch die Hummeln gehören, graben sich in Sand- und Lehmböden Röhren, um darin zu leben. Im März sind in einem großen Vorgarten mitten in der pfälzischen Stadt am Rhein nicht nur einige Hundert, sondern mehrere Tausend dieser Bienen von der Sonne nach der Winterruhe zum Leben erweckt worden. Wie eine Expertin für die Fluginsekten festgestellt hat, gehören die in diesem Fall einer Art an: der Frühlings-Seidenbiene. Die fliegt schon ab März und dann bis in den Mai hinein. Ihre Artverwandten starten in ihre wenige Wochen (meist vier bis sechs) andauernde Flugzeit ab Juni.

Viele Wildbienenarten sind schwer zu bestimmen. Colletes cunicularius, so der wissenschaftliche Name der Frühlings-Seidenbiene, zählt noch zu den leichteren Fällen. Die Seidenbienen-Arten, die eine eigene Familie innerhalb der sogenannten Überfamilie der Bienen (Apoidea) bilden, haben gemeinsam, dass sie ihre meist fünf bis zehn Brutzellen mit einer Masse auskleiden, die an Seide erinnert. Es ist ein Sekret aus einer Drüse der einen bis 1,5 Zentimeter langen Bienen, das die Zellen wasserdicht macht. Die Auskleidung schützt das Ei und später die Larve sowie den gesammelten Blütenpollen vor Pilzbefall. Geht alles gut, dann verpuppt sich die Larve, nachdem sie den Pollen gefressen hat, zur „fertigen“ Biene und fliegt dann im nächsten Frühjahr als neue Generation in die Welt hinaus.

Wildbienen sind streng geschützt

Ein Problem ist, dass gerade Wildbienen, die im Boden leben, oftmals übersehen werden. Wenn dann der Garten umgestaltet werden soll, fallen sie allzu leicht einem Spaten, einer Schaufel oder gar einem Bagger zum Opfer. Dabei sind alle Wildbienen streng geschützt. Sie und ihre Lebensstätten dürfen weder zerstört noch geschädigt werden.

Im Gegensatz zu den Honigbienen, von denen es weltweit nur zwölf Arten gibt, haben Wildbienen einen Stachel, mit dem sie die menschliche Haut nicht durchdringen können. Außerdem sind sie friedfertig. Menschen greifen sie allenfalls bei Lebensgefahr an. Obendrein tragen sie durch das Übertragen von Blütenpollen zum Erhalt zahlreicher Wildpflanzen bei. Einige Arten erhöhen außerdem den Ertrag von Kulturpflanzen wie Obstbäume und Beerensträucher.

Nils erklärt
Nils erklärt
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