Konjunktur
Lage im Pfälzer Handwerk bleibt angespannt
Die Baubranche bleibt das Sorgenkind im Pfälzer Handwerk. Das hat die Frühjahrs-Konjunkturumfrage der Handwerkskammer der Pfalz (HWK) ergeben. Noch vor nicht allzu langer Zeit brummte das Geschäft rund um den Neu- und den Ausbau von Immobilien, doch schon im vergangenen Jahr trübte sich die Lage bei vielen Betrieben deutlich ein. Deutlich gestiegene Zinsen bei immer noch hohen Immobilienpreisen drücken weiter auf die Nachfrage nach Häusern und Wohnungen. Obwohl der Bedarf an Immobilien vorhanden ist, beschränken sich etwa Familien aus finanziellen Gründen auf die vorhandene, eigentlich zu kleine Mietwohnung.
Das wiederum, verbunden mit gestiegenen Einkaufspreisen, verschlechtert die Lage des Pfälzer Bau-Handwerks. Laut der Mitte bis Ende März durchgeführten HWK-Konjunkturumfrage erwarten nur noch 68 Prozent der Baubetriebe eine mindestens konstante Geschäftsentwicklung – im Frühjahr 2023 waren es noch 78 Prozent.
Verbessertes Geschäftsklima
Die aktuelle Geschäftslage des pfälzischen Handwerks insgesamt ist angespannt, aber stabil. Der zusammenfassende Geschäftsklimaindikator der Handwerkskammer der Pfalz hat sich im Vergleich zum vergangenen Herbst von 105 auf 110 Punkte sogar leicht verbessert. Das liegt vor allem an den optimistischeren Erwartungen im Kfz-Gewerbe und bei den personenbezogenen Dienstleistern wie etwa Friseuren. Der Indikator hat sich damit weiter von seinem Tiefpunkt aus dem Herbst 2022 (96 Zähler) entfernt. Hochs wie etwa jenes im Herbst 2017 mit 152 Punkten sind indes längst nicht in Sichtweite.
„Unsere Konjunkturumfrage hat gezeigt, dass das pfälzische Handwerk zwar insgesamt stabil ist, die wirtschaftliche Situation für viele Branchen aber durchaus herausfordernd oder – wie im Bausektor – sogar bedrohlich ist“, sagt Till Mischler, der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer der Pfalz. Mischler fordert daher „mittelstandsgerechte politische Entscheidungen und vor allem verlässliche Rahmenbedingungen als Voraussetzung für ein starkes und wettbewerbsfähiges Handwerk, das sichere Arbeitsplätze schafft“.
Bürokratie belastet weiterhin
Als Beispiele nennt der HWK-Hauptgeschäftsführer vor allem den Abbau der „immensen bürokratischen Auflagen für die Betriebe, konkurrenzfähige Energiepreise sowie mehr Tempo bei Planungs- und Genehmigungsverfahren“. Es müssten, so die Kammer, „weiterhin Anreize geschaffen werden, um die Investitionsbereitschaft der Kunden zu erhöhen und eine Abwanderung von Unternehmen zu verhindern“.
In der aktuellen Konjunkturbefragung ist nach Angaben der Handwerkskammer deutlich geworden, dass „die überbordende Bürokratie im Handwerk“ Entwicklungspotenziale hemme und Ressourcen binde, die nicht mehr für die handwerklichen respektive für die gewerblichen Kerntätigkeiten verfügbar seien.
Kleine und mittlere Unternehmen seien mit der „Vielzahl an Vorschriften“ und der Einhaltung der „umfassenden Dokumentations- und Nachweispflichten gegenüber den Behörden“ oftmals überfordert, schreibt die Handwerkskammer in ihrem Frühjahrs-Konjunkturbericht.
Auftragsbücher im Schnitt für elf Wochen gefüllt
Die Umsätze sind der Umfrage unter 2500 Pfälzer Handwerksbetrieben nach zu urteilen alles in allem leicht rückläufig gewesen. Die stärksten Rückgänge hatte die Baubranche zu verzeichnen. Die Auftragslage im pfälzischen Handwerk ist den Angaben zufolge „in der Gesamtschau weitestgehend stabil“. Die Auftragsbücher sind im Schnitt für elf Wochen gefüllt. Die freien Kapazitäten sind laut Bericht im Vergleich zum Frühjahr 2023 gestiegen, nur noch zwei Drittel der Befragten gaben über 70 Prozent Betriebsauslastung an.