Meinung
ICE Paris–Berlin: Der Seine-Spree-Sprinter
Die Klimaschutzdiskussion, in der der Flugverkehr wegen seines hohen Energieverbrauchs oft völlig zu Recht in der Kritik steht, lässt das Interesse an Bahnreisen auch auf längeren Strecken wachsen. In puncto Reisezeit ist das Flugzeug aber auf so langen Strecken wie der von Berlin nach Paris unschlagbar. Deswegen ist es derzeit kaum sinnvoll, einen Sprinter-Zug anzustreben, der die beiden Hauptstädte nonstop verbindet.
Am besten zu realisieren ist ein Zug, der sich in bestehende Taktsysteme integrieren lässt. Für viele Reisende ist ein Direktzug ohne Anschlussrisiko selbst bei relativ langer Fahrzeit so viel attraktiver als eine Umsteigeverbindung, dass sich in relevantem Umfang zusätzliche Fahrgäste gewinnen lassen.
Klimaschonender Bahnverkehr wird steuerlich benachteiligt
Für den Weg über Straßburg spricht dabei unter anderem die kürzere Fahrzeit, für die Strecke über Kaiserslautern und Saarbrücken die wahrscheinlich leichtere Integrierbarkeit in die existierenden Fahrpläne.
Am besten wäre es, wenn bei dieser Gelegenheit die Anzahl der Züge von Frankfurt nach Paris aufgestockt würde. Leichter fiele eine Entscheidung, zusätzliche Züge zu fahren sicher, wenn endlich die steuerliche Benachteiligung von Bahnfahrkarten gegenüber Flugtickets beendet würde. Dann könnte der klimaschonende Schienenverkehr gerade auch dort Marktanteile gewinnen, wo er in puncto Reisezeit schon jetzt gut dasteht. Bei Berücksichtigung von Transfer- und Eincheck-Zeiten bietet das Flugzeug beispielsweise zwischen Frankfurt und Paris kaum noch einen echten Reisezeitvorteil gegenüber ICE und TGV.

