Kalender RHEINPFALZ Plus Artikel Game Boy ist am 28. September 1990 in Deutschland auf den Markt gekommen

Schon 1990 war der Game Boy technisch nicht auf dem aktuellen Stand – doch das störte die Käufer kaum. Die lange Batterielaufzei
Schon 1990 war der Game Boy technisch nicht auf dem aktuellen Stand – doch das störte die Käufer kaum. Die lange Batterielaufzeit und viele großartige Spiele machten das Manko wett.

Ob in Bus oder Bahn, während einer Teambesprechung oder auf dem stillen Örtchen: Mit dem Smartphone lässt es sich überall unkompliziert mal eine Runde digital spielen. Das war lange Zeit anders. Bis am 28. September 1990 der Game Boy in Europa auf den Markt kam – und eine ganze Generation prägte.

Zugegeben, anderswo auf der Welt durften Jugendliche und Technikbegeisterte das kleine, graue Kästchen schon deutlich früher in den Händen halten, als in Deutschland. Von Anfang an war der Game Boy ein Erfolg: Am Erstverkaufstag (21. April 1989) wanderten rund 300.000 Exemplare über die Ladentheke. Der Siegeszug sollte sich rund um die Erde fortsetzen und ein weiterer Meilenstein in der Geschichte des japanischen Videospielherstellers Nintendo werden. Am 28. September 1990 war es dann bei uns soweit. Für lange Zeit war „Game Boy“ nun das Synonym für tragbare Spielkonsolen.

Dabei war das Nintendo-Gerät nicht einmal die erste tragbare Videospielkonsole. Doch bereits erhältliche Alternativen und auch viele spätere Konkurrenz-Produkte waren oft zu unhandlich oder saugten die zum Betrieb benötigten Batterien geradezu leer. So waren der Atari Lynx wie auch der Game Gear von Sega zwar ihrem Mitbewerber von Nintendo technisch deutlich überlegen – hatten sogar Farbbildschirme –, aber ohne Netzteile oder zusätzliche Akku-Packs war es dann schnell mit dem mobilen Spielspaß vorbei.

Viele Spiele mit bereits bekannten Helden

Doch nicht allein der moderate Stromverbrauch des Game Boy sorgte für den immensen Erfolg: Schon Ende der 80er, Anfang der 90er sind Super Mario und Link („Zelda“-Spielereihe) Videospielhelden, die Jugendliche auf der ganzen Welt vom Nintendo Entertainment System (NES) kennen und lieben. Dass es deren Abenteuer nun auch für die Hosentasche gibt, heizt die Verkäufe weiter an – und wird geschäftsbewusst von Nintendo mit einer Vielzahl von Games gefördert.

Damit eine Konsole zum Erfolg wird, braucht sie einen sogenannten Systemseller – also ein Spiel, für das alleine sich die Anschaffung des neuen Gerätes lohnt. Das hat sich bis heute nicht geändert. Beim Game Boy war das „Tetris“. Das Spiel mit den von oben herabschwebenden Klötzchen, die es aufeinanderzustapeln gilt, zählt bis heute zu den meistverkauften und bekanntesten Videogames. Ein Geniestreich – sowohl von der Spielidee als auch von Nintendo. Ebenso, dass jedem Game Boy ein Link-Kabel beilag, um sich mit einem weiteren Gerät zu verbinden – und so unkompliziert mit Freunden zocken zu können.

„Pokémon“ beflügelt die Game-Boy-Verkäufe noch einmal

Nach gut fünf Jahren ist Mitte der 90er die Zeit für eine Nachfolgekonsole reif: Das für den Game Boy charakteristische grüne Display und die Bedienung mit Steuerkreuz und vier Knöpfen (A, B, Start und Select) sind nicht mehr zeitgemäß. Doch Nintendo hat noch ein Ass im Ärmel und veröffentlicht das Spiel „Pocket Monsters“ – besser bekannt als „Pokémon“, das die Konsolenverkäufe noch einmal beflügelt. Flankierend zum Spiel erscheinen Sammelkarten, Zeichentrickfilme und ungezählte Produkte rund um die Fantasie-Monster. Bis heute ist „Pokémon“ eine der bekanntesten Videospielmarken überhaupt.

Als Ergänzung zum klassischen Game Boy gibt es 1994 den Super Game Boy. Der Adapter erlaubt es, die Spiele über das Super Nintendo auf dem großen Fernsehbildschirm zu spielen. Ab 1996 wird die kleinere Variante, Game Boy Pocket, verkauft, die es zumindest äußerlich in verschiedenen Farben gibt. Ein Hingucker ist das halbtransparente Gehäuse, durch das man das technische Innenleben der Konsole sieht.

An den robusten Geräten lässt sich heute noch spielen

1998 wird der Game Boy Color verkauft, der sowohl mit seinem bunten Äußeren als auch dem farbigen Display punktet: Statt vier Graustufen gibt’s für die mobilen Spieler nun 56 Farben. Alte Spiele bekommen durch technische Tricks ein wenig Farbe spendiert, neuere Games werden von Haus aus mit verbesserter Grafik designt.

Einige Jahre später, 2001, erscheint endlich ein echter Nachfolger: Doch der Game Boy Advance hat nur noch den Namen mit dem ursprünglichen Game Boy gemein. Die Technik hat Nintendo von Grund auf neu entwickelt. Nur wenige Jahre später stellt das japanische Unternehmen den tragbaren „Nintendo DS“ vor. Damit endet die Ära des klassischen Game Boy.

Doch nicht für die Fans! Denn viele der gut 120 Millionen verkauften Spielgeräte sind heute noch funktionsfähig. Wer den Staub aus den Modulen pustet und die passenden Batterien einsetzt, kann die Abenteuer von Mario, Link und Samus Aran („Metroid“) oft noch genießen – wenn das Steuerkreuz und die Knöpfe nicht durch exzessives Daddeln schon zu ausgeleiert sind ...

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