Wirtschaft RHEINPFALZ Plus Artikel Der Dollar auf der Verliererstraße

Der Euro ist vor allem deswegen im Wert gestiegen, weil der Dollar massiv schwächelt.
Der Euro ist vor allem deswegen im Wert gestiegen, weil der Dollar massiv schwächelt.

Die europäische Gemeinschaftswährung gewinnt seit Wochen an Wert. Am vergangenen Freitag erreichte der Euro gegenüber dem Dollar mit 1,1909 Dollar den höchsten Stand seit Mai 2018.

Am Montag ist der Kurs des Euro allerdings etwas gefallen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1726 (Freitag: 1,1848) US-Dollar fest. An dem Trend zu einem stärkeren Euro wird sich nach Einschätzung von Experten allerdings vorerst nichts Grundsätzliches ändern, auch wenn der Kurs bereits am Freitag nach Bekanntgabe schlechter Konjunkturdaten wieder leicht gesunken war.

Die Finanzakteure sind derzeit offenbar mehrheitlich eher der Meinung, dass sich die europäische Wirtschaft schneller von der Krise erholen wird als die US-Wirtschaft. Allein seit der Einigung der EU-Staats- und Regierungschefs auf ein Milliarden schweres Hilfspaket zur Stützung der Konjunktur hat der Euro gegenüber dem Dollar rund 10 Prozent an Wert gewonnen.

Dollar wohl noch immer überbewertet

Auf der anderen Seite ist die derzeitige Eurostärke nicht zuletzt eine Schwäche des Dollars. Die weltweite Leitwährung leidet vor allem unter der in den USA nach wie vor ungebremst grassierenden Corona-Pandemie sowie dem erneut angezettelten Handelsstreit mit China. Die Volkswirte der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) halten den „Greenback“, wie der Dollar auch genannt wird, angesichts der Umstände sogar noch für überbewertet. „Die Kaufkraftparität deutet sogar auf einen Kurs über 1,30“, schreiben die Helaba-Experten. „Nach dem früheren Muster müsste der Anstieg noch einige Jahre andauern und vor allem noch deutlich steiler verlaufen.“ Deutlichstes Indiz für den Wertverlust des Dollar ist der Dollar-Index, der die US-Währung mit einem Korb aus anderen Währungen abgleicht. Der sank zuletzt mit 93,5 Zählern auf den tiefsten Stand seit zwei Jahren. Noch Mitte März hatte der Index bei 102 Punkten notiert.

Dollar verliert gegen fast alle Währungen

Dabei ist auffallend und ungewöhnlich, dass der Dollar gegen praktisch jede Währung verliert, selbst gegen den brasilianischen Real oder den mexikanischen Peso, obwohl diese beiden Länder ebenso stark von dem Corona-Virus betroffen sind und ihre Volkswirtschaften deutlich schwächer sind als die amerikanische. Gegenüber dem Real hat der Dollar aber allein im Juli um 6 Prozent abgewertet, gegenüber dem Peso immerhin knapp 5 Prozent.

Keine Leitwährung mehr?

„Der Ausbruch der zweiten Viruswelle hat nicht nur Zweifel an einer schnellen US-Konjunkturerholung aufkommen lassen. Mittlerweile scheinen die Sorgen der Investoren noch viel tiefer zu gehen. Beispielsweise werden schon wieder Stimmen laut, die den Status des Dollars als Weltleitwährung in Gefahr sehen“, heißt es in einer Studie der Commerzbank. Dies sei zwar nicht die Meinung der Commerzbank, aber das Thema der Welt-Leitwährung sei wieder aktuell geworden, ergänzt die Devisenexpertin der Bank, Thu Lan Nguyen. Ein Indiz für den Bedeutungsschwund des Greenback als Leitwährung ist nach Ansicht von Experten, dass der Anteil des Dollar an den weltweiten Währungsreserven in den vergangenen 20 Jahren von 70 auf 60 Prozent zurückgegangen ist.

Risikofaktor Trump

Kurzfristig liegen die Gründe für die Dollarschwäche aber auf der Hand. Zwar lässt sich der Einbruch der US-Wirtschaft um knapp 33 Prozent im zweiten Quartal nicht mit den Zahlen aus Europa direkt vergleichen, weil die Amerikaner die Veränderung ihres Bruttoinlandsprodukts anders berechnen als die Europäer – sie rechnen die Quartalszahlen aufs ganze Jahr hoch, während in Europa die Veränderung von Vierteljahr zu Vierteljahr berechnet wird. Klar ist aber, dass auf beiden Seiten des Atlantiks der Wirtschaftseinbruch so stark war wie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr. Und zudem rechnen immer mehr Experten damit, dass die europäische Wirtschaft schneller wieder auf die Füße kommen wird als die amerikanische.

Der zweite Grund für das Misstrauen gegenüber der US-Wirtschaft liegt in der umstrittenen Handelspolitik von US-Präsident Donald Trump. Der von ihm wieder ausgerufene Handelsstreit mit China könnte schwerwiegende Folgen haben. Während Trump behauptet, dass die Chinesen den Amerikanern Arbeitsplätze wegnähmen, hängen mehrere US-Konzerne recht stark vom chinesischen Arbeitsmarkt ab – der Computerkonzern Apple zum Beispiel lässt große Teile seiner Produkte im Reich der Mitte herstellen. Commerzbank-Expertin Nguyen sieht darin noch ein Risiko: „Meine Befürchtung ist, dass sich insbesondere Unternehmen aus Angst vor US-Wirtschaftssanktionen zunehmend vom US-Dollar abwenden, oder sich gar gänzlich aus dem US-Markt zurückziehen. Letzteres gilt vor allem für chinesische Unternehmen.“

Kommentar: Klares Misstrauensvotum

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