Homburg RHEINPFALZ Plus Artikel Bosch hält Angst vor Arbeitsplatzabbau für unbegründet

Die Hälfte der 4600 Bosch-Beschäftigten fährt täglich aus der Westpfalz zum Arbeitsplatz in den Werken in Homburg, fast jeder mi
Die Hälfte der 4600 Bosch-Beschäftigten fährt täglich aus der Westpfalz zum Arbeitsplatz in den Werken in Homburg, fast jeder mit dem Auto.

Die IG Metall fürchtet einen großen Stellenabbau in den Bosch-Werken in Homburg. Das Unternehmen selbst erwartet hingegen „eine stabile Beschäftigung bis in die 2030er Jahre“. Der Grund: Für Nutzfahrzeuge ist kein neuer Antrieb in Sicht.

In den Homburger Bosch-Werken arbeiten 4600 Menschen, die Hälfte von ihnen wohnt in der Westpfalz. Weil sie um ihren Arbeitsplatz bangen, gingen vor einem Monat 3000 Boschler auf die Straße. Ihre Forderung: Perspektiven für die Homburger Werke. Konkret: Die Mitarbeiter wollen wissen, was sie in Homburg herstellen, wenn der Verbrennungsmotor einmal Geschichte ist.

Hat die Demo etwas bewirkt? Ja, sagt Betriebsratschef Oliver Simon (63), der in Dunzweiler im Kreis Kusel zu Hause ist. Eine erste Gesprächsrunde zwischen Betriebsrat und Geschäftsführung sei zwar gescheitert, aber man habe die Gespräche jetzt wieder aufgenommen. Die Atmosphäre sei so, „dass Hoffnung besteht, dass wir zusammenfinden, dass wir tatsächlich eine Lösung finden, die tragfähig ist“. Dem Betriebsrat geht es zum einen darum, möglichst viele Arbeitsplätze für eine möglichst lange Zeit zu sichern. Zum anderen drängt er darauf, für Homburg ein marktfähiges Produkt zu finden, das über den Verbrennungsmotor hinaus den Bosch-Standort Homburg sichert.

Wasserstoff: „Der Markt fährt nicht hoch“

„Etwas mit Wasserstoff“ sollte es werden. Ist es aber nicht. Noch nicht jedenfalls. Zwar hat Bosch in Homburg eine Entwicklungsabteilung für das Thema Wasserstoff angesiedelt. Die 130 Mitarbeiter tüftelten auch so einiges aus, zum Beispiel ein gefrierschrankgroßes, wasserstoffbetriebenes Kraftwerk, das Strom für ein kleines Dorf oder eine Firma liefern kann. Doch laut Bosch stimmen die Rahmenbedingungen in Deutschland noch nicht, damit sich Wasserstoff durchsetzen kann. „Der Markt ist angelaufen, aber er fährt nicht hoch“, fasst Timm Stegentritt, Kommunikationschef bei Bosch Homburg, die Situation zusammen. Möglicherweise verzögert sich alles um ein paar Jahre. Der Betriebsrat fürchtet sogar, dass Bosch seine Wasserstoffprojekte nach Asien verlagert.

Oliver Simon: „Keinen Milllimeter“ weitergekommen

Für Betriebsratsboss Oliver Simon ist klar, dass Homburg nun „ein anderes Thema, ein anderes Produkt“ benötigt, das einerseits in die Zukunft weist und andererseits mit einer hohen Anzahl von Arbeitsplätzen verknüpft ist. „Wir wollen wissen: Was ist nach dem Verbrenner?“, sagt Simon. Wie weit ist er in dieser Frage in den Runden mit dem Arbeitgeber vorangekommen? „Keinen Millimeter!“

Bosch selbst verweist darauf, dass die Homburger Werke „recht gut ausgelastet“ seien. Sprecher Stegentritt sieht „eine stabile Beschäftigung bis in die 2030er Jahre“. Die Homburger Bosch-Werke stellen wesentliche Teile von Diesel-Motoren her, überwiegend für Lastwagen und andere Nutzfahrzeuge. Was früher Einspritzpumpe genannt wurde, heißt heute Common-Rail-Injektor. „Wir in Homburg sind und bleiben weltweit das Leitwerk für die Injektorenfertigung“, sagt Stegentritt. Und fügt hinzu: „Der Diesel wird im Nutzkraftfahrzeugbereich noch lange Standard bleiben. Die Alternativen sind noch nicht so weit.“ Und da das Jahr 2035 lediglich das Ende für den Verbrennermotor bei Personenwagen markiere, könne der Dieselmotor für Nutzfahrzeuge auch darüber hinaus hergestellt werden. Stegentritt ist überzeugt: „Der Diesel wird uns noch viel Freude bereiten. Wir werden ihn noch bis weit in die 2030er Jahre brauchen.“

Betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen

Der Betriebsrat befürchtet, dass Bosch die Injektorenfertigung schleichend in das neue Werk Bursa in der Türkei verlagert. Und zwar sowohl die Fertigung von Injektoren für Pkw, an der in Homburg rund 200 Arbeitsplätze hängen, als auch die für Nutzfahrzeuge, an denen das Gros hängt. Stegentritt beschwichtigt: In der Türkei werde Bosch „nur eine Type für einen Kunden“ herstellen. Den Namen des Nutzfahrzeugherstellers wollte er nicht nennen. Aber es handle sich um nur ein Modell dieses Herstellers. Die Produktion in der Türkei sichere letztlich auch Arbeitsplätze in Homburg, weil die Entwicklung ja in der Saarpfalz erfolge.

Die Sorge der Gewerkschaft, Bosch könnte in Homburg 1000 Stellen abbauen, sei unbegründet. Bis Ende 2027 seien betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen. Und die Nachfrage nach Diesel-Injektoren sei ungebrochen.

Mehr zur Situation bei Bosch: hier.

x