Wirtschaft
BASF streicht 6000 Jobs in der Verwaltung
Der Ludwigshafener Chemiekonzern konkretisiert den Ende 2018 angekündigten Stellenabbau. Auch das Stammwerk ist betroffen.
Die BASF strafft ihre Verwaltung und streicht bis Ende 2021 rund 6000 der weltweit 122.000 Stellen. In Ludwigshafen steht dem geplanten Abbau von knapp 3000 Arbeitsplätzen ein Aufbau in den Bereichen Produktion und Digitalisierung gegenüber. Wie stark der ausfallen wird und wie sich die Beschäftigung im Stammwerk unter dem Strich entwickelt, hängt von der konjunkturellen Entwicklung ab. Die BASF werde weiterhin Bedarf an zusätzlichen Mitarbeitern in Bereichen wie Produktion und Digitalisierung haben, jedoch abhängig von zukünftigen Wachstumsraten. „Wir werden uns beim Aufbau der neuen Organisation darauf konzentrieren, konsequent Synergien zu heben, Schnittstellen zu reduzieren und mehr Flexibilität und Kreativität zu ermöglichen“, so BASF-Vorstandsvorsitzender Martin Brudermüller.
Neue Standortvereinbarung
Wegen der Veränderungen haben Unternehmensleitung und Arbeitnehmervertretungen entschieden, die Verhandlungen über eine neue Standortvereinbarung für das Ludwigshafener BASF-Stammwerk vorzuziehen. Die aktuelle Standortvereinbarung läuft bis Ende Dezember 2020. Ziel ist es, im ersten Halbjahr 2020 eine neue Vereinbarung zu unterzeichnen. Die bisherige Vereinbarung schließt betriebsbedingte Kündigungen aus. Der Vorsitzende des BASF-Betriebsrats, Sinischa Horvat, sagte, es werde in jedem Einzelfall geprüft, ob auch Arbeitsmengen wegfielen, wenn Personal abgebaut werde. Das sei Aufgabe der Arbeitnehmervertretung, aber auch der Führungskräfte. Eine Mehrbelastung der Mitarbeiter dürfe es nicht geben.
BASF-Aktie hat an Wert verloren
Die BASF und Konzernchef Martin Brudermüller an der Konzernspitze sind schwer unter Druck geraten. Gründe sind die Konjunkturabschwächung, gesunkene Produktpreise und die 2018 aufgetretenen Logistikprobleme bei Binnenschiffen durch das Niedrigwasser im Rhein. Im vergangenen Jahr sackte der Gewinn um 23 Prozent ab. Auch im ersten Quartal 2019 liefen die Geschäfte schwach. Die BASF-Aktie hat seit Anfang 2018 rund ein Drittel an Wert verloren. BASF-Arbeitsdirektor Michael Heinz geht, wie am vergangenen Samstag berichtet, davon aus, dass im Ludwigshafener BASF-Stammwerk bis 2030 rund 10.000 Mitarbeiter in Rente gehen. Er erwartet, dass damit auch ein Stellenabbau verbunden sein wird. Eine Zielmarke nannte er nicht. Während Horvat fordert, dass jede frei werdende Stelle eins zu eins wieder besetzt werden müsse, sagt Heinz, auch wegen des technologischen Wandels könne und müsse nicht für jeden Arbeitsplatz, der wegfalle, Ersatz geschaffen werden. „Wir werden nicht zulassen, dass weniger Leute mehr machen müssen“, so Horvat. Wenn etwa durch Digitalisierung weniger Arbeit anfalle, dann müsse das Unternehmen mit neuen Investitionen mehr Arbeitsplätze schaffen. Mit Blick auf die stark zunehmende Anzahl altersbedingter Abgänge würden im Stammwerk mehr Auszubildende eingestellt, sagte Heinz. In diesem Jahr würden zum 1. September 700 eigene Auszubildende einen Vertrag erhalten – nach 690 im vergangenen Jahr und 625 im Jahr 2017. Weil es schwierig ist, genügend Chemikanten für den Schichtbetrieb zu finden, läuft bei der BASF ein Quereinsteigerprogramm für 100 Stellen in diesem Jahr. Externe Bewerber mit abgeschlossener Berufsausbildung würden eingestellt und sofort mit der Schichtarbeit beginnen.