Wirtschaft RHEINPFALZ Plus Artikel Angespannte Lage im Handwerk

im privaten Bausektor stornieren nach Angaben der Handwerkskammer der Pfalz viele Kunden ihre Aufträge, weil sie die Baufinanzie
im privaten Bausektor stornieren nach Angaben der Handwerkskammer der Pfalz viele Kunden ihre Aufträge, weil sie die Baufinanzierung durch die allgemeine Preissteigerung gefährdet sehen.

Rasant steigende Energie- und Materialpreise, Lieferengpässe und ein eklatanter Mangel an Fachkräften: Viele Handwerksbetriebe in der Pfalz kämpfen zurzeit mit Schwierigkeiten, die sie teilweise in ihrer Existenz bedrohen.

Die galoppierende Steigerung der Energiepreise bedroht massiv das Überleben vieler pfälzischer Handwerksbetriebe. Das betont der Präsident der Handwerkskammer der Pfalz, Dirk Fischer. Zukunftsängste und Unsicherheit bei Kunden, Betrieben und Arbeitnehmern zögen sich quer durch alle Branchen. Die Handwerkskammer Pfalz fürchtet, dass Betriebe die Last nicht mehr stemmen können und schließen müssen.

Kammerpräsident Fischer fordert von der Politik deshalb schnellstmöglich wirksame Maßnahmen, um diese Entwicklung abzuwenden und die massiv steigenden Energiepreise einzudämmen. „Zusammen mit den Unwägbarkeiten beim Materialbezug und der hohen Inflationsrate ist die Lage brandgefährlich“, so Fischer. Die Handwerkskammer stellt „bis jetzt noch keine Insolvenzwelle in der Pfalz“ fest. Das könne aber damit zusammenhängen, dass bei vielen Betrieben noch keine höheren Abschlagszahlungen für Energie fällig würden, weil die alten Tarife noch nicht ausgelaufen seien. Erschwerend käme in vielen Gewerken ein großer Fachkräftemangel hinzu, stellt Fischer fest. Der Kammerpräsident stellt auch eine deutlich sinkende Nachfrage in einigen Branchen fest und sieht das als sicheres Indiz dafür, dass sich die Auftragslage im kommenden Jahr verschlechtern werde.

Zurückhaltung bei Privatkunden

Für Bäcker beispielsweise seien hohe Bezugspreise für Rohstoffe wie Mehl und Butter ein sehr großes Problem. Die höheren Kosten könnten nicht vollständig an die Kunden weitergeben werden, so die Kammer, da man sonst weniger Waren verkaufe. Bei den Betrieben, deren Stromvertrag ausläuft, drohten ab Januar dramatisch erhöhte Stromkosten. Früher habe der Stromkostenanteil 6 bis 7 Prozent der Gesamtkosten ausgemacht, heute läge er bei etwa 30 Prozent.

Auch bei den Friseuren belasten die hohen Energiekosten für Warmwasser und Heizung. Zudem kämen Kunden aus Geldmangel seltener in den Salon, stellen die Betriebe fest.

Auch im Tischlerhandwerk spüre man die Zurückhaltung bei Privatkunden, die Auslastung bei Industriezulieferbetrieben sei dagegen derzeit noch sehr gut.

Im Straßenbau belaste eine 25 bis 30-prozentige Steigerung bei den Materialpreisen. Die Auslastung bis zum Jahresende sei noch gut. In den vergangenen beiden Monaten stocke jedoch die Nachfrage. Und im privaten Bausektor stornierten viele Kunden ihre Aufträge, weil sie die Baufinanzierung durch die allgemeine Preissteigerung gefährdet sähen. Erschwerend käme der Facharbeitermangel in den Baugewerken dazu.

Hoher Beratungsbedarf

Das Kfz-Handwerk verzeichne zwar ein hohes Interesse an Elektrofahrzeugen, doch hier müssten Kunden mit Lieferzeiten von bis zu einem halben Jahr rechnen. Die Kunden kämen seltener in die Werkstatt, weil sie an der Autowartung sparten. Die Auslastung sei insgesamt noch gut, doch die aktuelle Kaufzurückhaltung lasse nichts Gutes erwarten.

Dagegen sieht das Schornsteinfeger-Handwerk derzeit keinen Grund zur Klage. Es gebe einen hohen Beratungsbedarf. Viele Kunden möchten ihre Heizquelle umstellen, seien aber extrem verunsichert. Es gebe viele Fragen nach Rentabilität, Kosten und baulichen Möglichkeiten. Viele Kunden seien mit Blick auf den kommenden Winter regelrecht verängstigt.

Das Sanitär-Heizung-Klimatechniker-Handwerk beklagt Lieferschwierigkeiten: Es gebe aktuell zwar eine sehr hohe Nachfrage nach Wärmepumpen, doch seien diese nicht vor Mitte 2023 lieferbar und zudem 30 bis 40 Prozent teurer geworden. Auch hier sei der Beratungsbedarf sehr hoch: So müsse die Wärmepumpe an die Beschaffenheit der Gebäudehülle und weitere Parameter angepasst sein, damit sie effizient arbeite. Darüber hinaus gebe es einen eklatanten Mangel an Fachkräften, der die Löhne explodieren lasse. Dies habe zur Folge, dass Betriebe sich verkleinern müssten oder ganz vom Markt verschwänden. Mit den derzeitig verfügbaren Fachkräften sei die aktuelle Nachfrage nicht zu bewältigen.

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