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Dienstag, 26. Juni 2018 Drucken

Wirtschaft

Kaiserslautern: Wägespezialist Wipotec wächst rasant

Kaiserslauterer Hightech-Innovationsschmiede mit starkem Umsatzwachstum – Deutlich mehr Arbeitsplätze

Von Klaus Hofter

700 Mitarbeiter beschäftigt Wipotec am Stammsitz in Kaiserslautern, wo die Präzisionsmaschinen hergestellt werden.

( Fotos: View/Wipotec)

(Fotos View/Wipotec)

«Kaiserslautern.» Ein Infrastrukturprojekt in der Pharmaindustrie hat dem Hightech Wägespezialist Wipotec einen kräftigen Umsatzschub beschert. Deutlich gewachsen ist auch die Belegschaft. Rund 1000 Mitarbeiter zählt die Firmengruppe, darunter rund 700 am Stammsitz in Kaiserslautern. Vor drei Jahren waren dort 480 Mitarbeiter beschäftigt.

Medikamente fälschungssicher zu machen und Rezeptabrechnungsbetrug vorzubeugen: Das ermöglicht eine in Kaiserslautern entwickelte Technik. Die Maschinen liefere Wipotec an die Pharma-Industrie. Nach einer EU-Verordnung muss das System im kommenden Jahr europaweit eingeführt werden. Für die Branche sei dies das größte Infrastrukturprojekt, sagt Theo Düppre, Mitbegründer und Geschäftsführer von Wipotec. Für die Kaiserslauterer Entwickler und Hersteller von Hochleistungs-Kontroll- und Durchlaufwaagen sowie Röntgenscannern ist es das am stärksten wachsende Standbein (Siehe: Zur Sache).

 

Profitiert hat das Unternehmen auch vom boomenden Online-Handel. Die Hauptumschlagbasen (Hub) der Versandfirmen seien auf eine optimale Logistik für das schnelle Versenden angewiesen. Die in Kaiserslautern entwickelten Maschinen können das Gewicht und die Volumina von Paketen bestimmen. Dadurch können Lkw und Container optimal beladen werden. Auch lasse sich bei Luftfracht der Schwerpunkt in Flugzeugen bestimmen, sagte Düppre. Am größten Frachtflughafen in den Vereinigten Staaten von Amerika, in Louisville (Kentucky), seien inzwischen 300 dieser Systeme im Einsatz.

60 Millionen Euro Umsatz im Jahr 2012

 

Die Zuwächse in beiden Geschäftsfeldern haben maßgeblich zum Umsatzwachstum beigetragen. Für das Gesamtjahr 2018 rechnet Düppre mit einem Umsatz von rund 160 Millionen Euro, etwa ein Drittel mehr als 2017. Im Jahr 2012 lag der Umsatz des 1988 gegründeten Unternehmens bei 60 Millionen Euro. Wachstumstreiber sei die Track&Trace-Technik (Verfolgen und Orten) in der Pharmaindustrie. Auch für die kommenden Jahre rechnet Düppre mit einem jährlichen Umsatzwachstum von bis zu 15 Prozent. Das hat auch Auswirkungen auf die Personalentwicklung. So sollen in diesem Jahr weltweit bis zu 100 weitere Mitarbeiter eingestellt werden. Allerdings „haben wir bei der Fachkräftesuche massivste Probleme“, sagt Düppre. Deshalb habe Wipotec die Ausbildung im eigenen Haus verstärkt. Zudem nutze das Unternehmen das Instrument Zeitarbeit für die Personalsuche. 85 Prozent der Wertschöpfung geschieht am Stammsitz. Dort soll die Fertigung auch bleiben. Gestalte sich die Fachkräftesuche jedoch weiter schwierig, müsse man darüber nachdenken, auch in anderen Ländern zu fertigen.

 

Mit der starken Expansion hat Wipotec auch seine weltweite Präsenz ausgebaut und verfügt inzwischen über zehn Niederlassungen sowie 80 Vertriebs- und Servicepartner. Massiv ausbauen will das Unternehmen die Präsenz auf dem russischen Markt. Die größte Tochtergesellschaft von Wipotec sitzt mit 80 Mitarbeitern in den USA. Vertreten sind die Kaiserslauterer in mehreren europäischen Nachbarländern, aber auch in China, Mexiko sowie Australien.

Vergrößerung auf 43.000 Quadratmeter

 

2019 eröffnen soll die Wipotec-Akademie – für die Ausbildung, aber auch die Kundenschulung – in Kaiserslautern, in die das Unternehmen rund 18 Millionen Euro investiert. Damit vergrößert sich das Werksareal um weitere 5000 auf dann 43.000 Quadratmeter.

 

Technologie- und weltweit Marktführer sind die Kaiserlauterer bei der Wägetechnologie für Verpackungsmaschinen-Produzenten, vor allem in der Lebensmittel-, aber auch der Pharmaindustrie. So können mit den Systemen aus der Westpfalz etwa Kaffeekapseln, Kunststoff-Getränkeflaschen oder Kapsel-Tabletten vor dem Verpacken gewogen und dabei festgestellt werden, ob sie ausreichend befüllt sind. Auch könne geprüft werden, ob bei Medikamenten die richtige Menge an Wirkstoffen in den Tabletten enthalten ist. Rund 300.000 Medikamentenkapseln rauschen dabei innerhalb einer Stunde durch die Maschinen. Diese Technik ermögliche das eichfähige Verwiegen von Lebensmitteln. Dadurch könnten die Hersteller auch den Anteil bislang verschenkter Ware in den Verpackungen reduzieren.

Vorreiter ist Wipotec beim Wiegen von Briefen während des Sortierprozesses

 

Vierte Sparte bei Wipotec ist die Inspektionstechnik bei industriellen Produktionsprozessen – die Suche nach Fremdkörpern in Lebensmitteln wie Steine, Kerne, Muschelschalen, Gräten im Fischfilet, aber auch nach Glassplittern in Gläsern etwa mit Babynahrung. Mit dieser Technik könne bei der Qualitätskontrolle aber auch beispielsweise die Füllhöhe fertig verpackter Produkte überprüft werden – und das bei hohem Tempo innerhalb des Produktionsprozesses. Vorreiter ist Wipotec beim Wiegen von Briefen während des Sortierprozesses: Wipotec habe es als Erster geschafft, eine Maschine zu entwickeln, die Briefe während des schnellen Durchlaufs in Sortieranlagen wiegen kann. Etwa 138 Millisekunden dauert der Wiegevorgang. Die Briefe bewegen sich dabei mit einer Geschwindigkeit von 3,5 Metern pro Sekunde.

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