Karlsruhe RHEINPFALZ Plus Artikel Opulenter Auftritt für Kandeler Maler Benjamin Burkard auf der Art

Benjamin Burkard aus Kandel darf auf der Art Karlsruhe auch ein Großformat zeigen. One Artistes Shows wie seine bringen Ruhe in
Benjamin Burkard aus Kandel darf auf der Art Karlsruhe auch ein Großformat zeigen. One Artistes Shows wie seine bringen Ruhe in das Wimmelbild der Kunstmesse.

Mit 20 Arbeiten ist Benjamin Burkard auf der Art Karlsruhe vertreten. Er darf am Stand seiner Regensburger Galerie Art Affair unter den Zeitgenossen in Halle 4 eine One Artist Show zeigen. Doch sonst machen sich die Pfälzer rar.

Der erste Eindruck in den Messehallen in Rheinstetten: Es liegt kein Teppich. Der Fußabdruck Kilometer um Kilometer entlang der Galeristenkojen auf blankem Beton belastet die Knochen mehr als früher, das ökologische Gewissen dafür umso weniger. 35.000 Quadratmeter künstlicher Flor – ausgelegt, abgeschritten, ausrangiert nach nur vier Tagen – bleiben der Menschheit erspart.

Viele Galeristen scheinen noch etwas unsicher ob der doch recht nüchternen Wirkung. Werner Lauth von der gleichnamigen Galerie in Ludwigshafen, dem einzigen Pfälzer Teilnehmer unter 177, gefällt’s. Auch sein neuer Standort in Halle 1, die komplett umgekrempelt ist. Die Massenware der letzten Jahre ist verschwunden, was bei vielen Ausstellern auf große Zustimmung stößt. Der Rundgang beginnt gleich mit der Klassischen Moderne und den finanziellen Schwergewichten, einem Ernst Ludwig Kirchner etwa, angeboten aus der Schweiz. Der Preis auf Anfrage: 1,5 Millionen Euro.

Schlecht für den Rücken, gut fürs Gewissen: Sichtbeton statt Teppich.
Schlecht für den Rücken, gut fürs Gewissen: Sichtbeton statt Teppich.

Verschwunden sind aber auch einige Stände mit Qualitätsanspruch. Die Galerie Georg Nothelfer aus Berlin hatte schon im vergangenen Jahr geklagt, dass ihre Kunden nicht nach Karlsruhe kommen. Jetzt sind die Preise für die Galeristen noch einmal gestiegen, zwar nur um 20 Euro pro Quadratmeter, wie der neue Beiratsvorsitzende Kristian Jarmuschek erklärt. Aber 20.000 bis 30.000 Euro für einen Stand wollen in mageren Zeiten wie diesen erst einmal erwirtschaftet werden. Die Ludwigshafener Galerie Lauth hat sich wie manch anderer in diesem Jahr verkleinert.

Mit Nothelfer ist auch die Godramsteiner Künstlerin Madeleine Dietz von der Art verschwunden. War sie in den vergangenen Jahren gleich an mehreren Ständen präsent mit ihren Skulpturen aus Stahl und Erde, macht in diesem Jahr keine ihrer Galerien mit. Dafür ist die Bildhauerin nun in die Jury ernannt worden, die den Preis für den besten Skulpturenplatz vergibt – dotiert mit 20.000 Euro.

Die Landauer Bildhauerin Madeleine Dietz gehört zu Jury, die den Loth-Preis für den besten Skulpturenplatz vergibt – hier Arbeit
Die Landauer Bildhauerin Madeleine Dietz gehört zu Jury, die den Loth-Preis für den besten Skulpturenplatz vergibt – hier Arbeiten von Nigel Hall.

Sie ist also intensiv über die Art Karlsruhe geschlendert. „Die Hallen sind jetzt offener, großzügiger“, ist ihr Eindruck. „Eine Halle weniger tut der Messe gut.“ Doch es finde sich – neues Konzept hin oder her – immer noch „zu viel Geschmäcklerisches und Deko für die Wand“. „Die Messe braucht noch mehr wichtige Galerien, um qualitativ bessere Kunst zu zeigen“, sagt Dietz. Nach Jahren eines grellbunten Angebots dauere es halt, eine neue Zielgruppe anzusprechen.

Vergeblich sucht man in den vier Messehallen auch nach dem international erfolgreichen Kandeler Künstler Dominik Schmitt, dessen Offenbacher Galerie Hühsam sich gar nicht erst beworben hat. Und Benjamin Burkard, ebenfalls aus Kandel, hat um seinen Zuschlag für eine One Artist Show lange bangen müssen, wie er erzählt. Mit 20 Arbeiten, auch Großformaten, fällt sie nun besonders üppig aus. Solche intensiven Präsentationen eines Künstlers sollen mehr Ruhe in das Wimmelbild der Messe bringen. Darin hat sich auch Karlheinz Zwick aus Annweiler eine kleine Ecke gesichert. Nicht aber Leon Löwentraut, in Kaiserslautern geborener Kitschschaffender, der sich jüngst vom Vertrag mit seiner Düsseldorfer Galerie freiprozessiert hat. Er scheint niemandem zu fehlen.

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