Rheinpfalz
Nach 120 Jahren schließt Arnold-Janssen-Gymnasium in St. Wendel
In St. Wendel schließt das Arnold-Janssen-Gymnasium zum Ende des aktuellen Schuljahres. Damit kommt die 120 Jahre währende Geschichte der katholischen Bildungsstätte in der Kreisstadt an ein Ende. Die künftige Nutzung der Schulgebäude auf dem „heiligen Berg“ ist noch offen.
Dass das Arnold-Janssen-Gymnasium (AJG) ein Auslaufmodell ist, zeichnete sich schon länger ab. Seit dem Schuljahr 2016/17 nimmt die katholische Privatschule keine Schüler mehr auf und befindet sich seither in einem Modus der Abwicklung. Vorausgegangen war der gescheiterte Versuch der Ordensgemeinschaft Steyler Missionare, für das traditionsreiche Gymnasium einen neuen Träger zu finden. Anfänglich war die in Waldbreitbach bei Neuwied beheimatete Marienhaus GmbH, die in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland zahlreiche Einrichtungen in den Bereichen Gesundheit, Soziales und Bildung betreibt, auch nicht abgeneigt. Bedingt durch Umstrukturierungen und fehlende finanzielle Unterstützer zerschlug sich das Vorhaben vor fünf Jahren.
Steyler Orden zieht Notbremse
Der Steyler Orden zog daraufhin die Notbremse und kündigte 2015 die Schließung des AJG an. Wegen fehlender Ordensleute für den Schuldienst und zunehmender finanzieller Belastungen sah sich die Steyler Mission nicht mehr in der Lage, die Trägerschaft fortzuführen, wie Schulleiter Rainer Bommer erläutert.
Eine lokale Initiative von Eltern, Ehemaligen, Schülern und Lehrern machte sich noch mit Lichtermarsch und Unterschriftensammlung für den Erhalt der Schule stark. Annähernd 10.000 Unterstützer fand die Petition, die dennoch ohne Erfolg blieb.
„Signal für Fortbestand“
Vor einem Jahrzehnt noch hatten die Steyler Missionare Gerüchten über eine Schließung der Schule entschieden widersprochen. „Würden wir in neue Systeme, die Sanierung der Sporthallen und andere Räumlichkeiten investieren, wenn wir glauben würden, die Schule müsste geschlossen werden? Sicher nicht“, versicherte Pater Bernhard Werle, Provinzial der Steyler Missionare in Deutschland. Als 2009 rund 225.000 Euro öffentliche Gelder und 70.000 Euro des Schulträgers in die Modernisierung flossen, sprach er noch von einem deutlichen Signal für den Fortbestand der Schule.
Derzeit gehen nach Angaben von Schulleiter Bommer noch 132 Schüler auf das Gymnasium, darunter auch einige aus dem Kreis Birkenfeld. 26 Schüler treten im Frühjahr zur Abiturprüfung an. Seitdem das Aus des AJG feststeht, gibt es für die übrige Schülerschaft eine Kooperation mit dem Cusanus Gymnasium und dem Gymnasium Wendalinum. Zudem bestünde die Möglichkeit für Schüler, zu einer Gemeinschaftsschule in Marpingen oder Türkismühle oder an eine Schule im Berufsbildungszentrum St. Wendel zu wechseln, um dort das Abitur abzulegen, ergänzt der Schulleiter.
Weithin geklärt sind laut Bommer auch die beruflichen Perspektiven der AJG-Lehrer. Die meisten der 19 Lehrkräfte seien Beamte und würden neuen Schulen, insbesondere den Nachbargymnasien in St. Wendel, zugeordnet. Vier Lehrer wechseln mit Ende des Schuljahres in den Ruhestand. Weitere Lehrer würden benötigt, um AJG-Schüler in der Oberstufenkooperation mit den benachbarten Gymnasien zu unterrichten.
Grundschule ins Missionshaus?
Noch offen ist dagegen die künftige Nutzung des Gebäudekomplexes. An Ideen, was auf dem Hügel Herberge finden könnte, mangelte es nicht: Standort für die Bundespolizei, Ausbildungszentrum für einen Bundesligisten, Hochschul-Institut und Internationale Schule fanden sich darunter. Doch keines dieser Konzepte überzeugte die Steyler Missionare.
Die besten Chancen werden dem Plan zugemessen, mit einer Grundschule ins Missionshaus zu ziehen. Denn für die Nikolaus-Obertreis-Schule mit knapp 330 Schülern wird wegen begrenzter Räumlichkeiten und Sanierungsstau ein alternativer Standort gesucht.
St. Wendels Bürgermeister Peter Klär hat darüber mit den Missionaren bereits Gespräche geführt. Ob es dazu kommen wird, hängt von einer Machbarkeitsstudie ab, die derzeit erstellt wird. Mit deren Ergebnissen sei gegen Ende des ersten Quartals zu rechnen, sagt Volker Schmidt, Pressesprecher der Stadt.
Das Programm für das Finale des katholischen Gymnasiums steht jedenfalls bereits fest: Für den 6. Juni wird zu einem Konzert in der Kirche des Missionshauses geladen. Endgültig gehen die Lichter aus nach dem letzten Schulfest, das am 27. Juni gefeiert wird – inklusive Gottesdienst, Festakt und ganztägigem Programm, das Begegnungen mit Schüler, Lehrern, Eltern, Ehemaligen und Förderern vorsieht. Letzter Schultag ist Freitag, 3. Juli.