Porträt RHEINPFALZ Plus Artikel Laura Sophie Helbig und ihr erster eigener Kurzfilm

In Laura Sophie Helbigs WG entstand ein Homestudio.
In Laura Sophie Helbigs WG entstand ein Homestudio.

Als Kind hat sich Laura Sophie Helbig vorgenommen, nie aufzuhören zu spielen. Also ist das Mädchen aus Billigheim-Ingenheim Schauspielerin geworden. Jetzt hat sie einen Kurzfilm gedreht.

Laura Sophie Helbig macht heute das, was sie schon immer gerne gemacht hat: in andere Rollen schlüpfen. „Denn es gibt nichts Schöneres“, schwärmt die 31-Jährige, „als so viele Leben in einem Leben empfinden zu können. Oder sich unzählige Male verlieben zu dürfen.“

Laura Sophie Helbig
Laura Sophie Helbig

Seit sieben Jahren wohnt die Südpfälzerin in England – zunächst in London, heute in Sheffield. Und leben kann sie dort von ihrem Job recht gut, wie sie sagt. Nach ihrer Ausbildung zur Schauspielerin und Sprecherin in Deutschland hat sie an der Regent’s University in London Drehbuch und Produktion studiert.

2019 hatte sie viele Engagements

Sie hat sich in ihrer WG ein eigenes Studio aufgebaut – ihre Story Box, wie sie es nennt – und hat damit ihre Karriere angeschubst. Vor allem als Sprecherin. Helbig spricht Hörbücher („Die Grimm Chroniken“) und Hörspiele („The Walking Dead“), synchronisiert Serien („The Coal Valley Saga“) und Filme („Jackie Chan – Police Story“ 1 und 2). Ihre Stimme ist zudem in Werbespots zu hören (Chio Chips, Uber, Deutsche Bank).

Als Künstlerin sei es wichtig, immer einen Plan B zu haben, um finanziell sicher zu sein, erklärt die Frau, die im Herzen Pfälzerin geblieben ist. Dass sie damit Recht hat, hat sich in der Pandemie gezeigt. Nach ihrem Power-Jahr 2019, in dem sie mehrere Bühnen-Engagements in London hatte, kam 2020 der Lockdown. „Die Theater und Filmstudios mussten schließen. Aber ich wollte weiter kreativ sein. Also habe ich mich auf meine Sprecher-Karriere konzentriert. Einerseits. Andererseits habe ich an neuen Projekten gebastelt“, sagt Helbig. Sie habe schon immer gerne geschrieben.

Bingo auf dem Balkon

Herausgekommen ist „Tin Cans“, zu deutsch „Blechdosen“. Darum geht’s: Zwei pflanzenliebende Fremde lernen sich über einen Online-Workshop kennen und werden während des Lockdowns zur engen Unterstützung füreinander. Inspiriert zu der Geschichte wurde Helbig durch eigene Erlebnisse. „Eine Nachbarin hat eine WhatsApp-Gruppe für alle Nachbarn in der Straße gestartet, um sich gegenseitig zu unterstützen. Tatsächlich ist daraus eine tolle Gemeinschaft geworden“, berichtet die 31-Jährige.

„Einmal hat die ganze Straße zusammen Bingo gespielt. Die Ergebnisse wurden aus dem Fenster gebrüllt“, erzählt Helbig und lacht. Dann folgt eine kurze, nachdenkliche Pause, bevor sie anmerkt: „Unglaublich, aber es hatte tatsächlich eine Pandemie gebraucht, um diese wundervolle Gemeinschaft zu erschaffen.“ Dieses Gefühl, dieses Glück im Unglück transportiert sie nun in ihrer Geschichte. Sie habe unbedingt etwas Positives, etwas Heiteres schreiben wollen.

Gedreht wurde in Deutschland und England

Ihre Filmcrew war schnell besetzt. Mit dem Regisseur und Autor Tom Senjo legte sie los. Später kamen – auf deutscher Seite – der saarländische Schauspieler Benjamin Kelm („Tatort“, „Immenhof – das große Versprechen“) sowie Produzent und Kameramann Roman Redzimski ins Team. Gedreht wurde in beiden Ländern.

Die männliche Rolle neben Laura Sophie Helbig in „Tin Cans“ spielt Benjamin Kelm.
Die männliche Rolle neben Laura Sophie Helbig in »Tin Cans« spielt Benjamin Kelm.

Das Besondere: Die fiktiven Charaktere Carol (Laura Sophie Helbig) und Rob (Benjamin Kelm) kommunizieren über die Video-Plattform Zoom. Und genauso hat es auch das Filmteam beim Dreh gemacht. „Im Film nutzen wir deshalb die Technik des Split Screens. Heißt: Der Bildschirm ist in zwei Bilder aufgeteilt. Der Zuschauer sieht auf der einen Seite Carol, auf der anderen Rob“, erklärt die Autorin. Durch die Montage entstehen fantastische Bilder: Carol dreht sich um, schiebt ihre Tasse in Richtung Kamera. Rob greift danach. Er greift an seinem Laptop vorbei, nimmt sich einen Blumentopf und tut so, als wäre es eine Kaffeetasse.

Gemeinsames Essen per Videoschalte

Im Laufe der Geschichte wird die Beziehung der beiden immer enger. Sie kochen gemeinsam, tanzen miteinander, malen sich aus, zusammen im Restaurant zu sitzen und sind vor allem eines: füreinander da. „Da sind zwei Figuren, die allein leben und die sich nach Nähe sehen“, sagt Helbig. Das Ende hält eine überraschende Wendung parat. Mehr verrät die Südpfälzerin nicht. „Ich will ja nicht spoilern“, sagt sie. Nur so viel: Der Film soll uns daran erinnern, immer aufeinander zu achten – auch in Zeiten, in denen es nicht so nötig ist wie im Lockdown. Vor allem ist er ein Plädoyer gegen die Anonymität der modernen Gesellschaft.

Teamwork: Die englische Filmcrew auf dem Sofa und die deutsche auf dem Schirm haben parallel produziert.
Teamwork: Die englische Filmcrew auf dem Sofa und die deutsche auf dem Schirm haben parallel produziert.

Derzeit wird der gut 15-minütige Streifen synchronisiert. „Wir hatten keinen Tontechniker. So müssen beispielsweise die Echos, die durch die Zoom-Anrufe entstanden sind, noch raus. Und wir wollen auf Deutsch und Englisch synchronisieren“, berichtet Helbig. Die Kosten für das Projekt seien gering, da in Eigenleistung zu Hause gedreht wurde. Rund 2500 Pfund, also knapp 3000 Euro, schätzt sie, hat das englische Team ausgegeben. Die Zahlen auf deutscher Seite kennt sie nicht.

In ein bis zwei Monaten soll alles fertig sein. Dann will ihr Team die Arbeit bei Filmfestivals einreichen. Natürlich auch in Deutschland, in der Region, etwa in Karlsruhe, Landau und Ludwigshafen. „Vielleicht hat auch ein lokaler Fernsehsender Interesse“, hofft Helbig.

Info

Eine Vorschau auf den Film und mehr Infos über Laura Sophie Helbig gibt es unter www.lshelbig.com.

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