Karlsruhe RHEINPFALZ Plus Artikel Ausstellung im Tollhaus: Ernstes Thema, heiterer Strich

Auch in verzwickten Lagen nicht den Humor zu verlieren – darum geht es Zeichner Steffen Butz.
Auch in verzwickten Lagen nicht den Humor zu verlieren – darum geht es Zeichner Steffen Butz.

„Kipppunkte“ titelt die Debut-Ausstellung der Cartoon-Gruppe „Schrägstrich“, die am heutigen Dienstag im Karlsruher Tollhaus eröffnet wird. Fünf Künstler, darunter Nils-Nager-Zeichner Steffen Butz, wollen das ernste Thema Klimaschutz mit heiterem Strich aufs Tapet bringen.

Humor ist, wenn man trotzdem lacht – und somit aus einer verzwickten Lage vielleicht doch noch das Beste macht. Dass es um unser Klima nicht zum Besten steht, hat mittlerweile jeder kapiert, die Art und Weise aber, wie man sich mit diesem Problem auseinandersetzt, ist aber sehr heterogen.

So ist das auch bei der Ausstellung „Kipppunkte“, die den Ernst der Lage mit „nachhaltigen“ Zeichnungen vor Augen führen will. Gemeinsamer Nenner ist die Kunstform Cartoon, also die humorvolle, bildhafte Darstellung eigener Gedanken, tradierter Erkenntnisse und analysierter Nachrichten. Die gestaltet sich so verschieden, wie die Handschriften der fünf Künstler, die sich vor zwei Jahren als Gruppe Schrägstrich zusammengefunden haben.

Szene ist überschaubar

Treibende Kraft für das Bündnis und seine erste Werkschau ist Steffen Butz, der preisgekrönte „Vater“ des RHEINPFALZ-Zeitungsbibers Nils Nager, der sein Atelier auf dem Schlachthofareal in Karlsruhe, also in direkter Nachbarschaft zum Tollhaus eingerichtet hat. „Cartoonisten gibt’s nicht so viele in Deutschland, vielleicht 60 an der Zahl, die Szene ist sehr überschaubar und deshalb auch leicht zu übersehen“, nennt er den Grund für sein Engagement, dieser Kunstform im süddeutschen Raum mehr Gewicht zu verleihen.

Mitstreiter sind Franziska Poike und Michael Rickelt, die ebenfalls in der Fächerstadt wohnen. Während Rickelt, der 1945 in Berlin geboren wurde und sich als MIRK einen Künstlernamen gemacht hat, den feinen Tuschestrich und das knappe Wort bevorzugt, um dem Betrachter seiner skurrilen, jeder Schwerkraft enthobenen Welten viele Fragezeichen in die Augen zu träufeln, lässt Poike ihre Zeichnungen mit digitalen Hilfsmitteln lebendig werden. Weil sich die Mittvierzigerin selbst stark für Umweltthemen einsetzt, hat sie das „Kit Klimamonster“ aus der Taufe gehoben. „Es kennt sich mit allem aus, was mit dem Wetter, der Natur und dem Klima zu tun hat und weiß auch um die Wechselwirkungen, die menschliches Handeln in der Natur verursachen kann.“ Mit vielen Aktionen in Kitas, Schulen und bei öffentlichen Veranstaltungen, aber auch im Internet, will das Kit Klimamonster die Menschen aller Generationen dazu aufmuntern, sich für eine intakte Umwelt und gesunde Lebensbedingungen stark zu machen.

Bitter-sarkastischer Stil

Schrägstrich-Kollegin Petra Kaster aus Mannheim ist bekannt für ihren bitter-sarkastischen Stil. Sie lässt ziemlich ruppig skizzierte Menschen mit dicken Nasen und schiefen Mündern für sich selbst sprechen und lauscht ihnen bei der Bestellung eines Seniorentellers, beim Frustabladen im Jobcenter oder bei verzwickt-vernetzten Angelegenheiten im Schlafzimmer. Natürlich ist sie auch Beobachterin einer Klimademonstration, deren Teilnehmer – nackt wie Gott sie schuf – den „Ausstieg aus der Textilindustrie“ fordern.

Der Fünfte im Schrägstrichbund ist Markus Grolik, der 1965 in München auf die Welt kam. Nach einer Ausbildung zum Modegrafiker ist er nun hauptberuflich als Karikaturist, Cartoonist, Illustrator, Comiczeichner und Autor tätig. Er mischt sich gerne direkt in die große Politik ein, gibt ungeniert dem Triumvirat der Ampel-Koalition oder Manuel Macron eine verräterische Stimme und hat ein Herz für Pinguine. Angelehnt an Zeitgenossen, die ein Ticket für die Sonnenbank buchen, vermietet er Kühlschrank-Plätze an die Frackträger.

Generationsübergreifende Sicht

Auch in den Cartoons von Steffen Butz, der 1964 in Frankenthal geboren wurde und in Ludwigshafen groß wurde, geht es tierisch zu. Nicht nur Nils Nager, auch seine legendären Butz-Bären fungieren aber als Stellvertreter der Menschen. Weil sie schon von seinen mittlerweile erwachsenen Kindern inspiriert wurden und eine generationsübergreifende Sicht zu aktuellen Themen haben, sind ihre stets liebevoll auf den Punkt gebrachten Erlebnisse besonders familienfreundlich. Egal, ob sie nun als Eisbären auf Plastikbergen stranden oder paarweise in die Wildwechsel-Jahre kommen, es sind immer Sympathieträger, die leise, aber nachdrücklich auf Missstände hinweisen.

In der Ausstellung im Tollhaus werden die sonst eher im Kleinformat präsentierten Cartoons auf großen, eigens angefertigten Stoffbahnen inszeniert. Jeder Künstler ist mit zwei Arbeiten vertreten. Bei der Vernissage werden die Cartoonisten persönlich vor Ort sein und sich mit Live-Zeichnungen dem Publikum vorstellen. Außerdem wird es ab Mai ein Begleitprogramm mit Buchvorstellungen, Comiclesungen, Mitmach-Aktionen und Workshops für Kinder geben. Dabei werden sie lernen, wie „ein guter Strich“ als Grundlage jedes Cartoons funktioniert. „Bewegung ist das A und O“ verrät Butz, der seine Figuren deshalb als Strichmännchen beginnt und erst dann mit ihrem kuscheligen Fell auspolstert, wenn sie die richtige Dynamik haben.

Info

„Kipppunkte – Nachhaltige Cartoons“ der Gruppe Schrägstrich bis 18. Juni im Tollhaus Karlsruhe; Vernissage mit Bühnen-Präsentation: Heute, Dienstag, 18. April, 19.30 bis 20.30 Uhr. Schrägstrich sind: Steffen Butz, Karlsruhe (instagram.com/steffen.butz, steffen-butz.de), Petra Kaster, Mannheim (instagram.com/petrakaster, petrakaster.de), Franziska Poike, Karlsruhe (instagram.com/franzipoi), Markus Grolik, München (instagram.com/markusgrolik) und Michael Rickelt (MIRK), Karlsruhe (instagram.com/rickeltmichael).

Begleitprogramm

  • Samstag, 13. Mai, 15 bis 17 Uhr, Kinder-Workshop Cartoon- und Comiczeichnen mit Petra Kaster, für Kinder ab 12 Jahren (Anmeldung).
  • Sonntag, 14. Mai, 14 Uhr, Bücherpräsentation mit Steffen Butz und Petra Kaster, 14 bis 16 Uhr, Zeichnen und Basteln mit Kit Klimamonster, Franziska Poike und Max Kosoric, für Kinder von 6 bis 12 Jahren (Anmeldung).
  • Sonntag, 18. Juni, 15 bis 16 Uhr, Kinder-Comic-Lesung mit Mini-Zeichenkurs mit Markus Grolik, für Kinder von 6 bis 10 Jahren (Anmeldung), 16 bis 19 Uhr, Finissage mit Bühnen-Präsentation. Nähere Infos www.tollhaus.de

Allerdings geht es um ein ernstes Thema.
Allerdings geht es um ein ernstes Thema.
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