Handball
Zwei Pfälzerinnen träumen vom Halbfinale
Die Pfalz zählt nicht zu den Handball-Hochburgen in Deutschland. Die Eulen Ludwigshafen spielen in der Bundesliga der Männer gegen den Abstieg – das war’s auch schon im professionellen Bereich. Bei der EM stehen dennoch zwei Pfälzerinnen im Kader der deutschen Mannschaft – und teilen sich den Job auf Rechtsaußen. Marlene Zapf und Amelie Berger sind zwei äußerst unterschiedliche Spielerinnen, zwei unterschiedliche Typen, und bilden wohl gerade deshalb ein funktionierendes Duo auf ihrer Position.
„Grumbeere“ und andere Kartoffeln
Marlene Zapf muss grinsen, wenn es um den Dialekt gilt, der in ihrer Heimat gesprochen wird. „Naja, wir hatten es schon mal von bestimmten Begriffen wie Grumbeeren oder so, aber eigentlich sprechen wir nur hochdeutsch“, sagt die 30-Jährige. „Grumbeere“ lautet der pfälzische Ausdruck für Kartoffeln, aber das ist für Zapf und Berger keine Besonderheit. „Wir sind doch alles deutsche Kartoffeln“, sagt Berger über Zapf, sich selbst und den Rest der deutschen Mannschaft, die ab Samstag bei der EM um den Einzug ins Halbfinale kämpft.
Zum Start der Hauptrunde trifft die Auswahl des Deutschen Handball-Bundes (DHB) auf Ungarn (16 Uhr) und kann sich mit einem Erfolg eine wirklich gute Ausgangslage im Kampf um den Einzug in die Medaillenrunde schaffen. Zwei Pluspunkte haben die Deutschen durch den Vorrundensieg gegen Rumänien mit in die Hauptrunde genommen, die hohe Niederlage gegen Norwegen sorgte für zwei Minuspunkte. Das bedeutet, dass die Deutschen zum Siegen verdammt sind, wenn es erstmals seit der Europameisterschaft 2008 wieder mit dem Sprung unter die vier besten Teams klappen soll. Die letzte Medaille, es war die bronzene, gab es ein Jahr zuvor bei der Weltmeisterschaft.
Zapf und Berger ergänzen sich gut
Zapf und Berger sind gefordert, wenn der große Traum Realität werden soll, wobei davon auszugehen ist, dass jeweils nur eine von ihnen auf dem Feld stehen wird. Die Pfälzerinnen teilen sich die Aufgabe als Rechtsaußen und gaben bislang dabei eine ordentliche Figur ab. „Wir unterstützen uns, wir verstehen uns super“, sagt Berger über das Miteinander. Bislang stand die 21-Jährige bei allen Partien zu Beginn auf dem Feld und wurde im Verlauf der Begegnung durch die neun Jahre Ältere ersetzt. „Sie bringt Erfahrung und Ruhe rein“, sagt Berger. Die Jüngste in der deutschen Mannschaft, die aber immerhin schon ihr drittes internationales Großturnier absolviert, ist ungezügelter in ihrem Spiel, so dass beide gemeinsam der Mannschaft auf ihre Weise Impulse geben können.
Beide nach Leverkusen, dann nach „BaWü“
In der Karriere gibt es erstaunliche Parallelen, auch wenn die beiden Rechtsaußen mit Ausnahme der Auftritte in der Nationalmannschaft nie in der gleichen Mannschaft gespielt haben. Zapf startete beim TV Wörth in der Südpfalz mit dem Handball, Bergers Talent wurde beim SV 64 Zweibrücken in der Westpfalz entdeckt. Den Sprung in die Bundesliga wagten beide bei Bayer Leverkusen. Zapf stand dort von 2009 bis 2014 unter Vertrag, ehe sie zum TuS Metzingen wechselte. Berger spielte zwischen 2016 und 2019 für den Werksklub und ist anschließend zu BBM Bietigheim weitergezogen. „Wir sind beide aus der Pfalz weg und nach Leverkusen“, sagt Zapf, und Berger ergänzt: „Jetzt spielen wir in unseren Vereinen beide in Baden-Württemberg.“ Die Duelle in der Liga sind Derbys, wo es mitunter hoch hergeht – in der Nationalmannschaft harmonieren beide dennoch wie selbstverständlich miteinander. Für Bundestrainer Henk Groener ist das Tandem auf Rechtsaußen deshalb gesetzt.
Mit Blick auf die Duelle in der Hauptrunde gegen Ungarn am Samstag, die Niederlande (Montag) und Kroatien (Dienstag) ist Berger, die Ungestüme, voller Tatendrang: „Es ist noch vieles möglich.“ Die Chancen sieht auch Zapf, die aber gleichzeitig eine Fortentwicklung des gesamten Teams einfordert: „Wir müssen uns steigern.“