Handball RHEINPFALZ Plus Artikel Warum Juri Knorr nach Dänemark wechseln könnte

Ganz oben: Juri Knorr kürzlich in der Partie gegen Göppingen.
Ganz oben: Juri Knorr kürzlich in der Partie gegen Göppingen.

Nationalspieler Juri Knorr will die Rhein-Neckar Löwen offenbar verlassen. Spätestens 2026 soll er einem Medienbericht zufolge in Dänemark anheuern – womöglich aber auch schon früher. Was sind die Hintergründe?

Vor der Heim-Europameisterschaft im Januar gab es in der ARD-Mediathek drei verschiedene Dokumentationen zu sehen. Es ging um Bundestrainer Alfred Gislason, Torhüter Andreas Wolff und Spielmacher Juri Knorr. Der Regisseur wurde da auch auf seine Zukunft angesprochen und erklärte, er und seine Freundin Friederike könnten sich vorstellen, noch einmal eine neue Sprache zu lernen.

Juri Knorr spricht Spanisch. Er durfte als sehr junger Spieler beim FC Barcelona mitmachen. Französisch? Bei Paris Saint-Germain? Seit Montag geht es nun um eine andere Sprache: Dänisch. Einem Medienbericht zufolge ist ein Wechsel des 23-Jährigen zum Topklub Aalborg Handbold denkbar. Beide Parteien seien sich einig. Wann der Wechsel über die Bühne gehen könnte, ist offen. Knorrs Vertrag, den er kurz vor Weihnachten 2022 verlängerte, läuft noch bis zum 30. Juni 2026.

Hinze: Juri macht seinen Job

Auf jeden Fall: Die Meldung brachte die deutsche Handballwelt in Wallung. „Es gibt keine Unruhe bei uns. Mit Gerüchten beschäftigen wir uns nicht. Wir trainieren fleißig. Juri macht seinen Job, wie immer“, sagte Löwen-Trainer Sebastian Hinze. „Ich bin mit Juri im Austausch, natürlich. Er ist zunächst einmal ein Spieler, der eine Vertragskonstellation hat. Und er ist auch ein Spieler, mit dem wir gerne zusammenarbeiten.“

Was steckt hinter dem möglichen Tapetenwechsel? Juri Knorrs Stern ging bei der Weltmeisterschaft in Polen im vergangenen Jahr auf. Der Rückraumakteur spielte sich in den Vordergrund. Das kam nicht überraschend, denn auch bei den Rhein-Neckar Löwen übernahm er nach dem Abgang von „Mastermind“ Andy Schmid Verantwortung. Die Krönung von Juri Knorrs Entwicklung – das waren zwei überragende Spiele beim Final Four in Köln. Er führte die Löwen zum Pokalsieg.

Rasante Entwicklung

Mit seiner rasanten Entwicklung stiegen auch die Ansprüche an ihn. Und das Interesse an dem „Handball-Helden“ wuchs und wuchs. Der sensible, nachdenkliche Spielmacher stand vor und während der EM im Blickpunkt. Aber in Berlin und Köln kam er nicht an die Leistungen aus dem Vorjahr heran. Bei den Rhein-Neckar Löwen war und ist er oft auf sich alleine gestellt. Man hat den Eindruck: Es ist alles zu viel für ihn.

Verräterisch war in dem Kontext seine Aussage bei der EM. „Ich bin schon dankbar, dass ich kein Fußballspieler vom FC Bayern München bin, der das tagtäglich das ganze Jahr hat“, sagte er vor dem Spiel um Platz drei gegen Schweden. Er hat seine Rolle verinnerlicht. So entschuldigte er sich bei dem Heimturnier bei Alfred Gislason, weil er seine Leistung nicht so toll fand. Und er ging auch ans Hallenmikrofon und sprach zu den Fans nach der Niederlage gegen Kroatien.

Juri Knorr nach der EM-Partie gegen Österreich.
Juri Knorr nach der EM-Partie gegen Österreich.

Gislason hat das Problem erkannt. „Seit zwei, drei Jahren prasselt von der Presse alles auf ihn ein. Die Leute sehen ihn als den Retter der Nation, aber das ist er nicht.“ Und: „Ich habe schon gemerkt, dass er sich selbst extrem oder sogar viel zu viel unter Druck setzt. Das kommt auch ein bisschen von außen, dass er da einfach nie locker bleiben kann.“ Auch die Kritik der Experten Stefan Kretzschmar und Pascal Hens während der EM ging Knorr nahe. Er reflektierte das.

Mit einem Wechsel nach Dänemark würde er zunächst einmal den Bundesliga-Alltag hinter sich lassen. Der Fokus bei internationalen Turnieren wird weiter auf ihn gerichtet sein.

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