FCK RHEINPFALZ Plus Artikel Warum der 1. FC Kaiserslautern auf Zeichner der Betze-Anleihe II hofft

Für die beiden FCK-Vorstände Wolfgang Erfurt und Tobias Frey ist „die Zinsstundung ist ein Mosaikstein“.
Für die beiden FCK-Vorstände Wolfgang Erfurt und Tobias Frey ist »die Zinsstundung ist ein Mosaikstein«.

Seit 1. September befindet sich die 1. FC Kaiserslautern GmbH & Co. KGaA in einem Insolvenzverfahren. Äußerst angespannt ist die Situation aber auch bei der Mutter der Kapitalgesellschaft, dem Verein. Ein Insolvenzverfahren des e.V. möchte der Vorstand mit allen Mitteln verhindern. Derzeit werden nicht nur Gespräche mit den Gläubigern geführt, sondern auch die Zeichner der Betze-Anleihe II um Unterstützung gebeten.

Es waren 1,9 Millionen Euro, die Fans dem Verein im Zuge der Betze-Anleihe II im Jahr 2019 zur Verfügung gestellt haben. Dafür sollten sie ab 2020 jährlich 5 Prozent Zinsen erhalten, 2022 soll die Anleihe dann zurückgezahlt werden. Diese Rückzahlung soll auch am 1. August 2022 erfolgen, betonen Vorstandsvorsitzender Wolfgang Erfurt sowie dessen Stellvertreter Tobias Frey.

Allerdings – und auch das ist kein Geheimnis – sieht es eben nicht nur bei der Tochter KGaA, sondern auch beim e.V. aktuell finanziell alles andere als gut aus. „Unsere derzeit einzige Einnahmequelle sind die Mitgliedsbeiträge“, sagt Erfurt, der ehemalige Präsident des Polizeipräsidiums Westpfalz. Der FCK hat knapp 17.000 Mitglieder.

Gespräche mit den großen Gläubigern

Zusätzliches Problem: Einige der Forderungen an den Klub stammen noch aus der Zeit vor der Ausgliederung. Größter Batzen sind die zirka 6,7 Millionen Euro des Hauptgläubigers Quattrex, einem Finanzdienstleister aus Stuttgart. Der hat zudem auch noch eine so genannte Durchgriffshaftung auf den Verein. „Quattrex hat den Verein in der Vergangenheit mit viel Geld unterstützt“, sagt Erfurt. Gespräche laufen, auch mit dem anderen großen Gläubiger Sportfive (ehemals Lagardère) seit geraumer Zeit. Der Vorstandsvorsitzende bezeichnet sie als positiv. Dazu belasten Steuernachforderungen den Klub, zudem ist der Verein in der Nachhaftung für Spielertransfers von Lennart Grill und Timmy Thiele. Forderungen aus Großaspach bezüglich des Wechsels von Philipp Hercher betreffen dagegen die Tochtergesellschaft. „Wir hangeln uns mit Ratenzahlungen und Stundungen über die nächsten Monate hinweg“, erläutert Erfurt die Situation.

Aktuell hat der Verein die Zeichner der Betze-Anleihe II um eine Stundung der in diesem und im nächsten Jahr fälligen Zinsen gebeten. Das wären 240.000 Euro, wie Frey berichtet. Er befasst sich seit Monaten mit diesem Thema. Aus gutem Grund: Ein solches Verfahren ist ziemlich komplex. Zunächst einmal muss über die Stundung abgestimmt werden. Zuvor ist ein Sperrvermerk der Depot-Bank des jeweiligen Zeichners erforderlich. Unter www.betze-anleihe.de stellt der Verein entsprechende Dokumente zur Verfügung. „Die Zinsstundung ist ein Mosaikstein“, sagt Erfurt. Über allem stehe: Die Liquidität des Vereins soll nicht gefährdet werden, wie Frey erläutert. Deshalb appellieren die beiden Vorstände an die Anleihezeichner, sich an der Abstimmung kommende Woche zu beteiligen.

Problem: Das Thema der Haftung

Oberste Priorität ist, eine Insolvenz des Vereins zu vermeiden. „Aus wirtschaftlichen Aspekten, aber auch aus sozialer Bedeutung“, betont der stellvertretende Vorstandsvorsitzende. Er denkt hier an die Jugendarbeit, generell an die Abteilungen. „Abgesehen davon würden wir in diesem Moment auch das Vereinsvermögen, die 75 Prozent Aktien der KGaA, gefährden. Die wären Insolvenzmasse.“ Der e.V. ist Hauptaktionär der Kapitalgesellschaft. Erfurt ist zuversichtlich, dass nicht nur das Insolvenzverfahren der Tochtergesellschaft einen positiven Verlauf nimmt, sondern auch der Verein bald positiv nach vorne sehen kann.

Ein Problem ist jedoch auch das Thema der Haftung. Die Haupt- und Ehrenamtlichen des FCK waren ursprünglich dagegen versichert. Doch im Februar habe die Versicherung den Vertrag gekündigt. Andere seien nicht bereit gewesen, das Risiko einzugehen. Die ehrenamtlichen Vorstände und Aufsichtsräte sowie der hauptamtliche Geschäftsführer arbeiten „ohne Netz und doppelten Boden“, wie es Erfurt bezeichnet. Frey ergänzt beeindruckt: „Zwölf Leute haben sich hier für den FCK bekannt, kein einziger hat gesagt, ich bin unter diesen Voraussetzungen nicht bereit und ziehe mich zurück.“

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