WOCHENEND-KOLUMNE
Teure Trainertransfers und das peinliche DFB-Debakel – eine klare Ansage ans Volk
Wie oft war vor einem Jahr die Rede davon, dass die Coronavirus-Pandemie die Gesellschaft hoffentlich würde zusammenrücken lassen. Mehr Maß und Mitte, weniger Egoismen. Jetzt, wo die Impfkampagne Fortschritte macht, aber hierzulande mehr als 82.500 Menschen mit oder an Covid-19 gestorben sind und viele andere Probleme wie die wachsende soziale Ungleichheit uns noch lange beschäftigen werden, zeigt sich auch bei den großen Akteuren im Sport klar: Maß und Mitte, das ist nichts für Reiche und Mächtige. So lassen die Fußballtrainer der Träume mächtig Bewegung in die trotz der fehlenden Zuschauereinnahmen vielfach doch nicht so leeren Kassen bringen. 25 Millionen Euro Ablöse überweist Branchenprimus FC Bayern für Trainer Julian Nagelsmann an RB Leipzig. Dortmund zahlt Borussia Mönchengladbach fünf Millionen Euro für Marco Rose, dafür bekommt Eintracht Frankfurt für Adi Hütter 7,5 Millionen Euro von Gladbach. So viel wurde in einem Bundesliga-Jahr noch nie für Trainer bezahlt.
Trotz Corona-Krise ist bei vielen reichlich Geld da
Gerade bei den Großen des Geschäfts ist trotz Corona-Krise Geld da. Auch weil es Sponsoren gibt, die bisher bestens durchkommen wie die meisten Unternehmen in der seit Jahren boomenden Bau- und Immobilienwirtschaft oder der Telekommunikation. Und weil einige große Klubs durch die Globalisierung weiter hohe Summen etwa aus Katar beziehen – der gestiegene Ölpreis lässt grüßen. Die Großen ficht Corona ökonomisch nicht wirklich an. Zwar beklagen viele Klubs drastische Umsatzeinbußen durch fehlende Zuschauererlöse. Siehe Dortmund, das aber fünf Millionen Euro für einen Trainer auf den Tisch legt, obwohl in Edin Terzic kein Schlechter im Amt ist. Das große Unterhaltungsgeschäft jedoch fordert neue Reize durch frische Zirkusdirektoren. Wie kommt Nagelsmann unter den vielen Bayern-Granden zurecht? Lässt Rose den BVB zu den Münchnern aufschließen?
Die peinlichsten Aufführungen schlechthin
Was bewegt Hansi Flick als Bundestrainer beim DFB? Apropos, DFB: ein weiterer großer Akteur – und der mit den peinlichsten Aufführungen schlechthin. Der Machtkampf von Präsident Fritz Keller gegen seinen Vize Rainer Koch und den gut bezahlten Generalsekretär Friedrich Curtius sowie Schatzmeister Stephan Osnabrügge nimmt widerwärtige Züge an. Keller ist so verzweifelt, dass er den Juristen Koch mit Nazi-Richter Roland Freisler vergleicht, Curtius ruft die Ethikkommission an, die erneut gefragt ist. Koch ziert sich, Kellers Entschuldigung anzunehmen. Es geht nur um Persönliches. Und die 24.000 meist kleinen Vereine unter dem Dach des weltgrößten Sportfachverbandes leiden unter den Folgen der Pandemie, dürfen ihren Nachwuchs nicht vernünftig trainieren. Die Kleinen kämpfen um Sport und wichtige Bewegung, die DFB-Spitze zieht lähmende Machtkämpfe in die Länge. Mit einem Keller-Rücktritt wäre es nicht getan. Für einen Neuanfang, den x-ten, braucht es eine komplett neue Führungsriege. Die Saturierten und ihr Gebaren in der Pandemie – eine klare Ansage ans Fußballvolk, eine verächtliche.
Der FCK entgeht der Höchststrafe, wetten?
Die Wette gilt: Trotz vieler teurer Fehler schafft es der 1. FC Kaiserslautern, den Abstieg in die Vierte Liga noch zu vermeiden. Der FCK hat sich mithilfe der klaren Ansagen von Trainer Marco Antwerpen und Assistenzcoach Frank Döpper mit Felix Götze als Unterschiedsspieler stabilisiert. Der Trend spricht für den FCK und gegen die Konkurrenten FC Bayern II, Meppen und Uerdingen.
