Hintergrund RHEINPFALZ Plus Artikel So können die Championships zu einer Erfolgsgeschichte werden

Begehrte Schattenplätze: interessierte Zuschauer bei den BMX-Wettbewerben in München.
Begehrte Schattenplätze: interessierte Zuschauer bei den BMX-Wettbewerben in München.

Beim BMX-Freestyle-Wettbewerb auf dem Olympiaberg herrscht eine Party-Stimmung inklusive Tupper-Schälchen mit Apfelstücken.

Kevin Fabregue war begeistert. „Es ist toll, dass so viele Menschen hier sind, vor allem so viele Kinder“, sagte der Franzose und schwärmte von der Atmosphäre auf dem Olympiaberg in München. Der 26-Jährige hat schon ein paar große Meisterschaften gefahren, er ist so etwas wie ein alter Hase – aber eine Unterstützung wie am Donnerstag hatte er noch nie. „Heute war die Qualifikation, da ist normalerweise fast niemand da, erst zum Finale kommen die Leute“, sagte Fabregue: „Heute habe ich nach meinem ersten Sprung den Jubel der Menschen gehört, das war super.“

Bei den BMX-Freestyle-Fahrern war am ersten Tag der European Championships zu spüren, was dieses Format ausmachen soll. Auf der weitläufigen Anlage auf der höchsten Erhebung Münchens hatten die Zuschauer aus einer Qualifikation der besten Freestyle-Artisten Europas mehr als einen bloßen Wettbewerb gemacht, auf dem 60 Meter hohen Olympiaberg fand eine Art von Sport-Party statt.

Mit der Picknickdecke ausgerüstet

Schon eine Stunde vor dem Start bei der Qualifikation der Männer hatten sich die Menschen auf den Weg auf den Hügel gemacht, zum Teil waren sie selbst mit dem Fahrrad gekommen. Auffällig viele Familien mit kleinen Kindern suchten sich einen gemütlichen Platz im Schatten der Bäume, packten eine Picknick-Decke aus, kramten die Tupper-Schälchen mit den Apfelstücken aus und warteten auf den Auftritt der Helden auf den BMX-Rädern. „Die Eltern können sehen, dass unsere Sportart beherrschbar ist, wenn man viel trainiert, und die Kinder bekommen vielleicht Lust, es auch mal zu probieren.“

Dieses Kalkül könnte aufgehen, denn die Sprünge und Salti über die Rampen entlockte den Besuchern immer wieder ein Raunen. Es war spektakulär, was Fabregue und seine Kollegen in dem Parcours boten. Unterstützt von fetzigen Rhythmen und zwei launischen Sprechern sorgten die Athleten für beste Unterhaltung der mehr als 2000 Menschen, die den lauen Sommerabend genossen. Mitunter hatte die Stimmung etwas von einem Musik-Festival.

Werbung für die Sportart ist gelungen

Das nahm auch Kristof Krausz so wahr. Der 16-Jährige aus Ungarn konnte sich aber nicht darüber freuen, denn er hatte mit seiner eigenen Enttäuschung zu kämpfen. Unmittelbar vor dem EM-Start lag er krank im Bett, konnte nicht trainieren und verkorkste deshalb den zweiten seiner beiden Quali-Läufe. Das Finale am Samstag verpasste Krausz deshalb, im Gegensatz zu dem zehn Jahre älteren Fabregue. Der zeigte zwei starke Läufe und hat sich auch für das Finale einiges vorgenommen. „Ich denke, ich kann in die Top fünf fahren, vielleicht reicht es auch fürs Podium“, sagte der Franzose – eine Medaille ist das Ziel.

Wichtiger nahm der Routinier – mit 26 Jahren gehören BMX-Fahrer schon zum alten Eisen – die Möglichkeit, dass seine Sportart im Umfeld der European Championships Werbung für sich machen kann. Seit dem vergangenen Jahr gehören die BMX-Freestyler zum olympischen Programm, in München kam die Trendsportart mit ihrem besonderen Charakter bei den Besuchern gut an.

Die Fahrer müssen nach dem Finale gleich weiter

Fabregue selbst kann nach dem Finale am Samstag keine Championship-Luft mehr schnuppern, denn die BMX-Freestyler reisen direkt zum nächsten Wettbewerb weiter. „Das ist ein UCI-Contest, da gibt es Punkte für die Rangliste“, sagte der Franzose beinahe entschuldigend. Über die Wettbewerbe des Weltverbandes (UCI) finanzieren sich die BMX-Fahrer.

Auch wenn er selbst keine anderen Wettbewerbe mehr anschauen kann, wird er München auf jeden Fall in guter Erinnerung behalten, unabhängig vom Resultat im Finale. Schließlich hat er eine Qualifikation wie die am Donnerstag auf dem Olympiaberg noch nie zuvor erlebt.

Spektakuläre Bilder auf dem Olympiaberg in München: Die Zuschauer kamen bereits in der Qualifikation voll auf ihre Kosten.
Spektakuläre Bilder auf dem Olympiaberg in München: Die Zuschauer kamen bereits in der Qualifikation voll auf ihre Kosten.
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