1. FC Kaiserslautern
Sascha Franz, der Mann für den Hintergrund
Das gemeinsame Laufen ist bei Sascha Franz und Dirk Schuster guter Brauch, seit sie sich kennen. Die Körperertüchtigung in der Natur schweißt zusammen, bietet Gelegenheit den Kopf frei zu pusten und zündende Ideen zu entwickeln. Beim 1. FC Kaiserslautern haben Videoanalyst Niklas Martin, Fitnesscoach Oliver Schäfer und der für die Torleute zuständige Andreas Clauß sich dem Duo angeschlossen. „Für Dirk ist die Lauferei ein Vergnügen, für mich eher eine Plackerei“, scherzt der 48-jährige Franz im Gespräch mit der RHEINPFALZ, „und das restliche Trainerteam ist nicht nur inhaltlich super, sondern (leider) auch megafit“.
Wer über Sascha Franz im Internet recherchieren will, muss Geduld aufbringen und mit wenig zufrieden sein. Der gebürtige Solinger ist fast schon ein Anonymus. Franz scheut die erste Reihe, allein schon deshalb ist er der geborene Co-Trainer. Ein freundlicher, netter, loyaler Mensch, immer mit einem offenen Ohr für die Spieler und so die optimale Ergänzung zu seinem gestrengeren Chef und Freund, der qua seines Amtes etwas mehr emotionalen Abstand zur Mannschaft halten muss. Franz besitzt die Trainer-A-Lizenz. Ein Mal hat er sich für die Ausbildung zum Fußball-Lehrer angemeldet, im Jahr 2010. Die Offerte, mit Holger Fach beim FK Astana anzuheuern, durchkreuzt den Plan. Franz hat ihn danach nie mehr verfolgt. „Ich bin ein Mensch, der lieber im Hintergrund arbeitet“, sagt er.
Liebe auf den ersten Blick?
Ihn und Schuster vereinen Fleiß und Akribie, von morgens bis abends tauschen sie sich über Fußball aus. Sie beobachten Gegner vor Ort und überlassen nichts dem Zufall. Sie pflegen eine offene, ehrliche Kommunikation. Schon recht bald nach dem ersten Kennenlernen Ende 2012 ist beiden klar, dass sie wunderbar zueinander passen. Franz arbeitete bereits beim SV Darmstadt 98, Schuster kam hinzu. Er folgte einst Jürgen Seeberger, der seit dem Sommer amtierte, aber nur zwei Spiele mit den „Lilien“ gewonnen hatte. Liebe auf den ersten Blick? Franz muss lachen: „Ich habe ein paar Wochen vor ihm angefangen. Dirk hat seinen damaligen Co-Trainer nicht mitgebracht, wir haben uns vom ersten Tag an gut verstanden. Im Trainingslager in der Türkei haben wir uns weiter beschnuppert und gemerkt: Das passt optimal.“
Das erste gemeinsame Halbjahr ist nicht von Erfolg geprägt. Die „Lilien“ steigen sportlich ab und verbleiben nur in der Spielklasse, weil die Offenbacher Kickers keine Lizenz erhalten. Dann aber geht es steil nach oben. Es folgen zwei Aufstiege in Serie. Darmstadt 98 ist Bundesligist.
Der Junge im Rollstuhl
Eine einzigartige Story, die anrührende Nebengeschichten schreibt. Jene von Jonathan „Johnny“ Heimes, dem an Krebs leidenden, bis zu seinem Tode im März 2016 nimmermüde gegen seine Krankheit kämpfenden Fan des Klubs zum Beispiel. „Johnny war mein Freund“, sagt Franz. Er ist noch heute mit der Familie verbandelt, wirkt in der Stiftung mit.
Als der SV 98 das Relegationshinspiel gegen Arminia Bielefeld im eigenen Stadion 1:3 abgegeben hatte und der Aufstiegstraum bereits geplatzt schien, ließen Franz und Schuster bei Heimes jene Bändchen besorgen, auf denen sein Motto verewigt war: „Du musst kämpfen. Es ist noch nichts verloren!“ Sie erzählten den Spielern von diesem im Rollstuhl sitzenden Jungen, den sie alle vom Training kannten. Die Mannschaft wuchs über sich hinaus, gewann 4:2 – und stieg auf.
Der Wert der Psyche
In diesem Frühsommer stehen Franz und Schuster abermals in der Relegation, nun mit dem FCK. Sie erinnern sich. Nun tragen die Profis des FCK Bändchen, das einen Inuit zeigt. Botschaft: Je eisiger es wird, desto mehr müssen wir zusammenrücken, um uns zu schützen. Der FCK obsiegt nach dem 0:0 im Hinspiel 2:0 in Dresden und triumphiert. Franz hat Sportwissenschaften studiert, ihn interessiert die Psyche sehr. Man könne sie nicht hoch genug einordnen, sagt er.
Die eigene Reputation als Fußballer hält sich in Grenzen. Franz plagen schon in jungen Jahren Probleme mit Achillessehne und Leiste. Über die Dritte und Vierte Liga in Wuppertal und Solingen kommt er nicht hinaus. „Vielleicht lag es an den Verletzungen, vielleicht war ich aber auch einfach nicht gut genug“, sagt Franz.
Durch seinen heute 82-jährigen Vater Horst, einen bekannten ehemaligen Trainer, war ihm der Sport in die Wiege gelegt. Er liebt ihn. Wie Kompagnon Dirk Schuster. Nur die Begeisterung für das Laufen ist mittlerweile etwas unterschiedlicher ausgeprägt.
